Erstellt am 24. Oktober 2012, 00:00

„Wir geben nicht auf“. Sendemast Wolfau / Bürgerinitiative kämpft weiter für eine Versetzung des Mastes. Für die Telekom besteht nach wie vor „kein Grund“ dazu.

Der Kampf geht weiter. Der 36 Meter hohe Sendemast der A1 Telekom in Wolfau sorgt seit einem Jahr für Aufregung und Widerstand. Rois  |  NOEN
Von Silke Rois

WOLFAU / Knapp ein Jahr ist vergangen, seit in Wolfau bekannt wurde, dass die A1 Telekom nahe einer Wohnsiedlung und des Kindergartens einen UMTS-Mast zur besseren Mobilfunk- und Internetversorgung errichtet (die BVZ berichtete), und fast ebenso lange kämpft die im Ort gegründete Bürgerinitiative nun schon gegen die Inbetriebnahme des Senders an diesem Standort an und sie gibt weiterhin nicht auf.

Initiative will nun den Rechtsweg beschreiten 

„Eine Versetzung des Mastes mindestens 1.000 Meter von jeglichem Wohngebiet entfernt“, lautet das Ziel der Bürgerbewegung, die vor allem um die Gesundheit besorgt ist. Und nun beschreitet sie den Rechtsweg und möchte „eine Unterlassungsklage gegen die Telekom einbringen, da wir als Anrainer über die Errichtung vorher nicht informiert wurden und somit keine Parteienstellung bekamen“, erklärt Karl Kolar an der Spitze der Initiative. „Der Gemeinderat hat beschlossen, uns dabei mit einer teilweisen Übernahme der Anwaltskosten zu unterstützen.“ Sollte man letztlich auch nichts erreichen, so will man seitens der Initiative „wenigstens weiter deutlich machen, dass wir das nicht einfach so hinnehmen.“

Denn Ärger wird auch darüber laut, dass der Mast am jetzigen Standort „ohnehin nicht ganz Wolfau, sondern nur rund zwei Drittel versorgen kann. Gerade für Regionen, die derzeit keine UMTS-Versorgung haben, verbessert sich nichts“, so die Bürgerbewegung. „Die Wolfauer Berghäuser zum Beispiel liegen hinter dem Strahlungsbereich und haben nachher genauso wenig eine Versorgung wie jetzt.“ Dies sei aus einem Vortrag von A1 selbst hervorgegangen. „Trotzdem jedoch hält die Telekom am jetzigen Standort fest“, zeigt sich die Initiative verständnislos ob der „Kompromisslosigkeit von A1.“

Von A1-Pressesprecherin Livia Dandrea-Böhm heißt es zur aktuellen Lage: „Der Vorschlag der Bürgerinitiative über einen Alternativstandort wurde von uns geprüft, hat sich aber als technisch nicht realisierbar erwiesen“, und Standorte „noch weiter weg“ seien technisch ebenfalls „weder sinnvoll noch realisierbar.“ Seit 2008 wurden in Wolfau verschiedene Varianten auf ihre rechtliche und technische Umsetzbarkeit geprüft, so die Sprecherin, und für den jetzigen „gibt es eine naturschutzrechtliche Bewilligung der Bezirkshauptmannschaft und im Verfahren gab es auch keine Einsprüche der Gemeinde. Wir sehen also keinen Grund, davon abzurücken.“

Bislang konnte die Telekom den Sender jedoch nicht in Betrieb nehmen, da seitens der Gemeinde noch die Genehmigung ausständig ist, die A1 benötigt, um die Grabungsarbeiten für die Stromzuleitung durchführen zu können. Nachdem Ortschef Walter Pfeiffer in den vergangenen sechs Monaten keine erteilte, „ist nun der Gemeinderat am Zug“, erklärt Pfeiffer. Am 2. November findet die nächste Sitzung statt.

Aber auch der Landtag, hofft die Initiative, wird sich dem Thema widmen. Seit September liegt dort eine Petition mit rund 700 Unterschriften von Wolfauern auf, die sich gegen den Sender aussprechen.

Dass darüber hinaus auch einmal die Grenzwerte, die in Österreich bezüglich der Strahlenbelastung gelten, diskutiert werden, wäre „wünschenswert“, so die Initiative. „Uns wurde natürlich gesagt, dass diese gesetzlichen Werte durch den Sender nicht überschritten werden. Das ist bei uns aber ohnehin kaum möglich. Denn in Russland oder China, wo Menschenrechte bekanntlich nicht gerade viel gelten, beträgt der Wert 100.000 Mikrowatt pro Quadratmeter, in Österreich 10.000.000. Und da fragt man sich schon ...“