Erstellt am 20. Januar 2016, 04:23

von Elisabeth Kirchmeir

Wollte Mutter mit Kind in den Tod rasen?. Eingewiesen wird jene Mutter, die mit ihrem nicht gesicherten Sohn am Rücksitz einen Verkehrsunfall provoziert haben soll.

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Hätte eine psychisch gesunde Frau diese Tat begangen, so wäre sie wegen Mordversuches angeklagt worden.

Bei der 32-jährigen Steirerin, die sich vorige Woche am Landesgericht Eisenstadt vor einem Schwurgericht verantworten musste, liegen jedoch Voraussetzungen vor, die nach Ansicht des Gerichtes am 31. Juli 2015 zu einer Unzurechnungsfähigkeit führten.

„Sie war verzweifelt, allein, in Sorge“

Im Zustand dieser Unzurechnungsfähigkeit soll die Frau gegen 6 Uhr morgens auf der Südautobahn im Bezirk Oberwart absichtlich auf einen LKW-Zug aufgefahren sein.

Glücklichen Umständen - zum Beispiel dem modernen und stabilen Unterfahrschutz des Sattelauflegers - ist es zu verdanken, dass die Frau unverletzt dem Wrack entsteigen konnte.

Ihr 14 Monate alter Sohn saß angeschnallt in einem Kindersitz. Allerdings war dieser Sitz im Auto nicht befestigt und kippte bei der Kollision nach vorne. Wie durch ein Wunder erlitt das Kleinkind dabei nur eine Abschürfung und eine Schwellung am Kopf.

Die Angeklagte hatte unter der schwierigen Beziehung mit dem Vater ihres Kindes gelitten, von dem sie Liebe erhofft, aber nicht bekommen habe. Allein mit dem Kind, dürfte sie Sorgen und Ängste auf den Säugling projiziert haben. Als offenbar überfürsorgliche und bereits länger depressiv veranlagte Mutter sah sie in jeder Regung des Kindes Anzeichen auf schwere Krankheiten.

„Sie war verzweifelt, allein, in Sorge, antriebslos und lustlos, depressiv“, fasste Verteidigerin Dr. Karin Prutsch den Zustand ihrer Mandantin zusammen.

„Wollte meinem Kind nichts Böses tun“

In der Nacht zum 31. Juli 2015 war der 14 Monate alte Sohn unruhig. „Ich dachte, er hat Schmerzen, und gab ihm ein Zäpfchen“, berichtete die Angeklagte.

Als das Kind nicht ruhiger wurde, packte sie den Buben ins Auto und fuhr frühmorgens, ohne geschlafen zu haben los, angeblich, um ihr Kind im Krankenhaus Oberwart untersuchen zu lassen. Zweieinhalb Stunden soll sie herumgefahren sein, bis ihr Auto mit dem LKW kollidierte.

„Können Sie sich erklären, wie es zu diesem Aufprall kam?“, wollte Richterin Karin Lückl wissen.
„Das Letzte, was ich wollte, ist meinem Kind etwas Böses. Es tut mir leid, was passiert ist“, antwortete die Angeklagte, die selbst bei dem Unfall nicht angeschnallt gewesen war.

Abschiedsbrief im Auto gefunden

Im Auto fand die Polizei einen dreiseitigen Abschiedsbrief: „Ich möchte mich von euch in diesem Brief verabschieden. Mein Leben war bis jetzt eine Lüge.“

„Sie erzählte, sie habe Probleme mit dem Kind, meinte, ihr Kind sei krank. Ich habe es so verstanden, dass sie absichtlich in das Fahrzeug hineinfahren und Selbstmord begehen wollte“, berichtete einer der ermittelnden Polizisten.

„Ich bin jetzt krankheitseinsichtig“, sagte die Angeklagte vor Gericht. Das Kind lebt bei den Großeltern, die Großmutter gab ihren Beruf auf, um sich um den Enkel zu kümmern.

Der Geschworenensenat kam zu dem Schluss, dass die Angeklagte im Zustand der Unzurechnungsfähigkeit einen versuchten Mord begangen hat. Die Frau wird in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.

Da laut Gutachten die Voraussetzungen gut seien, werde sie bald einen Antrag auf Unterbringung in einer betreuten Wohngemeinschaft stellen, kündigte die Verteidigerin der 32-jährigen Frau gegenüber der BVZ an. Das Urteil war zu Redaktionsschluss noch nicht rechtskräftig.