Erstellt am 03. November 2010, 00:00

Zehnjährige missbraucht?. TRAUMATISIERT / In einem kleinen Ort sollen sich zwölf sexuelle Übergriffe ereignet haben. Der mutmaßliche Täter, heute 27, leugnet. Das Opfer, heute 21, litt jahrelang.

 |  NOEN

BEZIRK OBERWART /  Mit 19 Jahren hatte die junge Frau aus dem Bezirk Oberwart bereits ein jahrelanges seelisches Martyrium hinter sich. „Sie war sehr belastet, depressiv, weinte viel“, berichtete jene Psychiaterin, der die Schülerin etwas erzählte, was zuvor noch niemand von der jungen Frau gehört hatte.

Das war 2008. Jetzt, zwei Jahre später, steht ein 27-jähriger Mann vor Gericht. Er soll die heute 21-jährige Frau sexuell missbraucht haben, als sie zwischen zehn und zwölf Jahre alt war. Zwölfmal, so steht es in der Anklage, soll der Angeklagte das Mädchen unsittlich berührt haben. Die erste Tat soll er begangen haben, als er 16 war.

Der heute arbeitslose 27-Jährige leugnet die Taten. Er habe dazu gar keine Gelegenheit gehabt, behauptet er.

Ganz anders schilderten es die Eltern des mutmaßlichen Opfers. „Wir leben in einem kleinen Ort mit 45 Häusern. Da geht jeder bei jedem hinein“, erklärte die Mutter. Mit der Familie des Angeklagten sei man gut befreundet gewesen, vor allem, als die Kinder noch jünger waren.

In dieser Zeit soll der 16-jährige Nachbarsbub das zehnjährige Mädchen in sein Zimmer gelockt haben. Er soll das Kind sexuell missbraucht und mit der Drohung zum Schweigen gebracht haben: „Verrate nichts, sonst erzähle ich deinen Eltern, dass du geraucht hast.“ Insgesamt soll es zu zwölf Übergriffen gekommen sein, zwei davon sollen sich außerhalb in einer Schottergrube und im Feuerwehrhaus des Ortes ereignet haben. „Er sagte zu mir: Wenn nicht ich, dann meine Schwester. Ich habe mich hingelegt, damit er meiner Schwester nichts antut“, sagte die heute 21-Jährige bei der auf Video aufgezeichneten Befragung.

Die Eltern des Mädchens erlebten ein jahrelanges Drama. „Sie hatte immer Schmerzen, sperrte sich stundenlang im Badezimmer ein. Wir waren bis zu zehnmal im Monat beim Arzt. Es wurde nie etwas gefunden“, berichtete die Mutter vor Gericht. 2008 sei ihre Tochter mit Panikattacken zusammengebrochen. Erst im Krankenhaus Eisenstadt gelang es der damals 19-Jährigen, über die Gründe für ihr Leiden zu sprechen. „Unter Stottern rückte sie damit heraus: Mama, mir hat jemand sehr weh getan…“ Der Vater des mutmaßlichen Opfers ist Kriminalbeamter: „Man glaubt es selbst nicht, dass dem eigenen Kind so etwas angetan werden kann.“ Es sei ihm aber, wie auch anderen Ortsbewohnern, immer seltsam vorgekommen, dass der Nachbarsbub fast nur mit jüngeren Kindern spielen wollte.

Gerichtspräsident Dr. Karl Mitterhöfer vertagte den Prozess. Weitere Zeugen sollen befragt werden.