Erstellt am 29. Februar 2012, 00:00

ZUR PERSON. INTERVIEW / Stephan Mayer-Heinisch über Stärken und Schwächen der Einkaufsstadt Oberwart und was nötig wäre, um den Standort für die Zukunft fit zu machen.

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VON MICHAEL PEKOVICS

BVZ: Was ist Ihre Meinung über Oberwart, wo liegen die Stärken der Einkaufsstadt?

Stephan Mayer-Heinisch: Ich kenne die Stadt aus der Zeit, als ich Standortentwickler bei Humanic war. Oberwart ist eine für die Region sehr wichtige Stadt –  einerseits durch die Nähe zu Ungarn, andererseits durch die gute Verkehrsanbindung. Durch diese zwei Faktoren hat die Stadt und dadurch auch die Region an Stärke gewonnen.

BVZ: Wo liegen die Schwächen?

Mayer-Heinisch: Oberwart ist es nicht gelungen, sich vom Durchzugsstraßensystem zu verabschieden. Faktum ist, es gibt keinen Stadtkern – dazu gehören Auswahl, Anfahrt und Ambiente. Eine Stadt kann ohne Handel nicht leben, aber der Handel kann ohne Stadt leben. Andere Standorte haben gezeigt, was alles möglich ist.

BVZ: Zum Beispiel?

Mayer-Heinisch: Leoben ist ein glänzendes Beispiel. Gemeinsam mit einem Stadtentwickler wurde eine Fußgängerzone mit Tiefgarage entwickelt – jetzt blüht die Stadt auf. Es wäre so einfach, aber es hört niemand zu. Dieser Weg wäre auch für Oberwart möglich.

BVZ: Was müsste passieren, um die „Flucht an den Stadtrand“ zu verhindern?

Mayer-Heinisch: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Oberwart ist ein typischer Standort mit einem guten Einzugsgebiet. Aber die Stadt wurde schlecht gemanagt. Jemand muss sich hinsetzen und ein Konzept mit einer langfristigen Strategie auf den Tisch legen – das könnte eine Fußgängerzone mit vorgelagerten Parkplätzen beinhalten. Aber das wäre eine langfristige Entwicklung: Ein Standort wie das „eo“ hat ein Ziel und dieses verfolgt es. Eine Gemeinde ist nicht so leicht zu führen. Dennoch ist mein Appell an die politischen Entscheidungsträger: Stellen Sie das kurzfristige Denken ein!

BVZ: Die Unternehmer selber müssen nichts tun?

Mayer-Heinisch: Aber natürlich. Händler müssen ständig innovativ sein und mit der Zeit gehen. Der Kunde geht dorthin, wo er sich besser bedient fühlt. Er will sich nicht mit Problemen belasten, sondern sucht sich den einfachsten Weg. Oberwarts Händler dürfen sich nicht wundern, wenn die Kunden ins „eo“ gehen – solange es noch so lächerliche Dinge wie Mittagssperren gibt.

BVZ: Aktuell ist der Trend „raus aus der Stadt“. Gibt es überhaupt die Möglichkeit, dass Innenstadt und „grüne Wiese“ voneinander profitieren?

Mayer-Heinisch: Das „eo“ hat seine Hausaufgaben besser gemacht als die Stadt. Wenn aber die Stadt aufholt, kann der Standort gemeinsam werben und damit große Synergieeffekte erzielen.

BVZ: Ist es dafür nicht schon zu spät?

Mayer-Heinisch: Es ist nie zu spät, weil sich der Einzelhandel permanent verändert. Es braucht einfach eine langfristige Strategie, die konsequent verfolgt werden muss – und das über mehrere Wahlperioden hinweg.



ZUR PERSON
Stephan Mayer-Heinisch (57) ist Präsident des Handels- und Shoppingcenterverbands. Der Jurist war lange Jahre bei Humanic für die Standortentwicklung verantwortlich und hat aus dieser Zeit die Einkaufsstadt Oberwart gut kennen gelernt.

„Das Einkaufsverhalten des Konsumenten der Zukunft“ von Stephan Mayer-Heinisch am Dienstag, dem 6. März, 19 Uhr Messezentrum Oberwart - Eintritt frei. Nach der offenen Diskussionsrunde lädt die „Weiberwirtschaft“ zu Plauderei bei Speis und Trank.