Altbundeskanzler Fred Sinowatz ist am Montag im Wiener AKH verstorben. Eine Erinnerung, die den Menschen Fred Sinowatz beschreibt, begab sich am 11. April 2000: Fred Sinowatz kam damals auf Krücken zum Begräbnis des ehemaligen ORF-Sportchefs Wolfgang Mesko in Eisenstadt. Der damals 71-jährige Altbundeskanzler stand bei der fast zweistündigen Trauerfeier mitten unter den Trauergästen. Obwohl ihm die Schmerzen in der Hüfte zu schaffen machten, ließ er sich nichts anmerken – und stand souverän, ganz im Gedenken an Mesko, wie ein tief verwurzelter Baum bis zum Ende der Begräbniszeremonie.
Diese Eigenschaften prägten den „Steher“ Fred Sinowatz auch in seiner politischen Karriere. „Ehrlichkeit und Offenheit“ attestiert ihm Bundespräsident Heinz Fischer. „Mit dem Ableben von Fred Sinowatz ist ein großer Burgenländer von uns gegangen“, trauert Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl. Tief verwurzelt war Fred Sinowatz auch mit seiner Heimat Burgenland und im Besonderen mit seinem Geburtsort Neufeld an der Leitha. Obwohl Sinowatz zuletzt sehr zurückgezogen lebte, ließ er sich seine regelmäßige Kartenrunde mit ehemaligen SPÖ-Granden nicht entgehen. Wenn man als Journalist das Glück hatte, ihn in seiner Pension über politische Themen im Burgenland befragen zu dürfen, gab es stets die höfliche, aber bestimmte Absage: „Nicht böse sein, aber zu aktuellen politischen Themen im Burgenland sage ich nichts.“
Ansonsten hat er in seiner politischen Karriere viel gesagt – und viel erlebt. Berühmt sein Spruch: „Ich weiß schon, meine Damen und Herren, das alles ist sehr kompliziert. So wie die Welt, in der wir leben und handeln, und die Gesellschaft, in der wir uns entfalten können.“ Und: „Haben wir den Mut, mehr als bisher auf diese Kompliziertheit hinzuweisen; zuzugeben, dass es perfekte Lösungen für alles und jeden in einer pluralistischen Demokratie gar nicht geben kann.“ Fred Sinowatz schaffte es vom einfachen Landesparteisekretär (1961) bis zum Kanzler. Als Landesrat im Burgenland engagierte sich Sinowatz vor allem im Kulturbereich. Legendär auch seine Worte bei der Eröffnung der bekannten Cselley-Mühle in Oslip: „Ich weiß nicht, was ich eröffne, aber ich eröffne es“, sprach Sinowatz und behielt Recht: Bis heute lässt sich die Kulturinstitution nicht einordnen.
Als Bundeskanzler musste der Burgenländer nach Bruno Kreisky ein schweres Erbe antreten, als Unterrichtsminister führte er unter anderem die Gratis-Schulbücher und -Freifahrten ein. Nach eigenen Worten „fertiggemacht“ hat ihn die Noricum-Affäre, wo ihm Amtsmissbrauch und Neutralitätsgefährdung vorgeworfen wurden. 1993 wurde er freigesprochen und vollständig rehabilitiert. Fred Sinowatz wird am 21. August in einem Ehrengrab in Neufeld an der Leitha beigesetzt.