STOLZ AUFS BURGENLAND / Franz Steindl, Landeshauptmannstellvertreter aus Purbach, liebt in seinem Job die Abwechslung: „Jeder Tag ist anders. Ich habe noch nie erlebt, dass es mir fad gewesen wäre.“
VON WOLFGANG MILLENDORFER
Eigentlich wollte Franz Steindl zu seinem 40. Geburtstag aus der Politik aussteigen und etwas ganz Neues anfangen. Just in dieser Zeit, nach der Landtagswahl im Jahr 2000, erreichte ihn der Ruf in die Landesregierung. „Dann ist eben alles anders gekommen“, sagt Steindl. „Für mich selbst hab' ich das damals so begründet: Versuch' einmal, den Jagdhund von der Jagd fern zu halten. Das ist unmöglich. Die Politik ist eben eine Berufung, eine Leidenschaft, da kommt man nicht mehr davon los.“ Ein politischer Mensch war der Landeshauptmannstellvertreter schon immer, auch wenn er zunächst Berufsmusiker werden wollte.
„Wer die Freiheit sucht…“ Den ersten großen Hit jedenfalls hatte der Musiker Steindl schon früh – am Keyboard, zusammen mit seinen beiden Brüdern und der Band „Les Fleurs“: Der Song „Wer die Freiheit sucht“ wurde Anfang der 80er-Jahre in den nordburgenländischen Diskotheken rauf und runter gespielt. Dann kamen auch noch die Auftritte mit den „Playboys“ dazu, heute ist Franz Steindl Mitglied des Bläsersatzes bei „Doc Zorro“. Denn: „Wenn ich was gemacht habe, dann gleich zwei- und dreifach.“ Ein weiteres Beispiel dafür? „Ich bin zuhause in Purbach Mitglied in vielen Vereinen. Das habe ich mir bewahrt.“ Denn eines ist klar: Seine Heimatgemeinde ist für Steindl einzigartig.
„Ungezwungen“ in Purbach Zuhause in Purbach ist Steindl „einer von 3000 Einwohnern“ – und das mehr noch als Landesvize oder Ex-Bürgermeister. „Die Termine hier sind für mich eine komplette Entspannung. Natürlich reden dich die Leute auch wegen politischen Dingen an, aber das ist vollkommen ungezwungen.“
Den nötigen Rückhalt für seinen Job findet Steindl vor allem auch im Familienleben: „Wenn ich mit meiner Frau und meinen beiden Kindern zuhause bin, finden wir wenigstens die Zeit, gemeinsam zu essen und zu plaudern.“
Und so funktioniert das Familienleben des viel beschäftigten Politikers auch, selbst wenn er nur selten zuhause ist. Und sogar dann wird oft gearbeitet. Das „zweite Büro“ des Landeshauptmannstellvertreters ist sein Arbeitszimmer im Haus in Purbach, „das ist quasi mein Heiligtum, da darf niemand was anrühren. Und da wird dann eben weitergearbeitet, manchmal bis tief in die Abendstunden hinein.“ Das Arbeitszimmer ist einer von den drei Räumen, in denen Steindl die meiste Zeit verbringt, wenn er zuhause ist. Dann gibt es da noch das Musikzimmer, ausgestattet mit zwei Keyboards, unzähligen Trompeten, Trommeln und viel Technik. Dort spielt der Polit-Profi seine Lieblingsnummern mit CD-Begleitung und komponiert sogar: „Beim Musizieren fallen mir oft Dinge ein, die ich später in der Politik umsetzen kann.“
Das „legendäre Geheimstüberl“ Wenn es schließlich um das dritte Lieblingszimmer im Hause Steindl geht, lüftet der Landesvize zugleich auch ein kleines Geheimnis – in Gestalt seines „legendären“ Kellerstüberls: „Dort wurde die Idee für mein Bürgermeister-Amt geboren, dort haben wir schon etliche Fraktionssitzungen abgehalten, da hat es sich oft abgespielt.“
In Steindls „Geheimstüberl“, wo dutzende Gastgeschenke von seinen Gemeindebesuchen und natürlich auch das eine oder andere edle Tröpfchen gelagert sind, wird auch heute noch so einiges „ausgepokert“ – die gesamte ÖVP-Regierungsriege war bereits im Keller des ÖVP-Chefs zu Gast.
Da verwundert es auch nicht, dass Franz Steindl besonderes Augenmerk auf diesen Raum gelegt hat, „das war das erste Zimmer das beim Hausbau fertig war“. Überhaupt hat Steindl selbst viel Hand angelegt, als das Refugium in Purbach Mitte der 80er-Jahre errichtet wurde. Die Mansarde hat er beinahe alleine ausgebaut.
Heute ist es die Familie, die zuhause anpackt, wenn der Politiker im ganzen Burgenland unterwegs ist: „Ich hab' Gott sei Dank viele helfende Hände, die da zusammenwirken, sodass ich den Job machen kann, den ich jetzt mache.“
Fleißig Hände schütteln
Apropos Hände – damit schließt sich wieder der Kreis zum Politiker Steindl: „Ich habe ja einmal einen Satz geprägt, der hat mich in der Politik bis jetzt verfolgt: ‚Ich will jeder Burgenländerin und jedem Burgenländer die Hand schütteln.‘ Das bedeutet für mich: ein Gespräch führen und zuhören können. Das ist für mich wichtig und wesentlich, eine Selbstverständlichkeit.“
Und es ist vermutlich auch einer der Gründe, weshalb dem Vollblutpolitiker seine Arbeit immer noch so viel Spaß macht: „Jeder Tag ist anders, ich hab' noch keinen Tag erlebt, an dem es mir fad gewesen wäre.“
Und fad wird es Steindl wohl auch nicht werden, wenn er eines Tages in Polit-Rente geht: „Hobbys hab' ich ja genug. Da kommt dann meine erste eigene CD heraus…“