Erstellt am 18. Juni 2013, 13:09

„Jung“-Kicker war zu alt. Ein Nachwuchskicker des aktuellen Landesmeisterschafts-Halbfinalisten Spg Klingenbach/Siegendorf U16 ist offensichtlich zwei Jahre zu alt. Jetzt flog die Sache auf.

Siegendorfs Jugendleiter Hermann Gollubits will die Sache nicht breittreten.  |  NOEN
Aufregung in der U16-Leistungsliga B: Die Spg Klingenbach/Siegendorf setzte einen Spieler ein, der um zwei Jahre zu alt ist. Der BFV reagierte nach einer Beschwerde von Gegner Illmitz und entzog dem Burschen vor dem samstägigen Halbfinale die Spielberechtigung.
 
Vorweg: Die Causa des Mostafa Saadi Jahandideh lässt einen großen Platz an Spekulationen offen. Aber: Der Reihe nach.
 
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Was sind die Fakten? Jahandideh spielt seit Juli 2007 für die Spg Klingenbach/Siegendorf. Gemeldet ist er allerdings bei den Siegendorfern. Sein erster Verein in Österreich war der ASK Lackenbach. Durch die damals vorgelegten Dokumente wurde ihm ein Spielerpass ausgestellt, auf welchem er im Jahr 1997 geboren wurde. Am 25. März 2009 wurde Jahandideh vom Magistrat Eisenstadt aber ein Meldezettel mit Geburtsdatum 20. Juli 1995 ausgestellt.
 
Ins Rollen brachte den Stein Wolfgang Kaiser aus Eisenstadt. Sein älterer Sohn Raphael ist BFV-Schiedsrichter, der jüngere – Samuel – spielt in der U16 des SV Mattersburg. Wolfgang Kaiser agierte couragiert und organisierte sich ganz offiziell einen Auszug aus dem Melderegister.
 
Illmitzer fühlen sich um Meisterschaft betrogen
 
Ordentlich auf den Schlips getreten fühlten sich die Illmitzer. Sie wurden in der U16-Leistungsliga A „nur“ Dritter. Deren Trainer und Funktionär Heinz Fleischhacker erhob beim BFV einen Einspruch und bat „um eine faire, sportliche Entscheidung“. BFV-Sekretär Klaus Weber ließ Fleischhacker wissen, dass die Einspruchsfrist gegen die Wertung einer Partie (das U16-Spiel fand bereits am 5. Mai statt) sieben Tage beträgt und längst verstrichen sei. Die Sankt Georgener, die mit der U16 eine Woche vor dem Halbfinale noch gegen die SpG Klingenbach/Siegendorf spielten und bei denen sich ein möglicher Einspruch termingerecht „ausgegangen“ wäre, verzichten kulanterweise darauf. „Wir werden so etwas nicht machen“, so Jugend-Boss Walter Tallian – einige Tage vor Beginn des Pannonia-Cups auf der eigenen Sportanlage. Bei diesem Cup war Siegendorfer mit Teams dabei.
 
Seinem aktuellen Trainer, U16-Coach Rudi Hartmann aus Klingenbach ist nie aufgefallen, dass das Alter des Burschens nicht stimmt. „Wenn man ihn sieht, weiß man nicht ob er 15 oder 17 ist. Ich weiß, dass das jetzt ein idiotisches Bild für uns macht. Aber was soll man machen? Am besten Ruhe geben.“
 
Just vor dem Halbfinale zwischen Klingenbach und Neuberg wurde die Sache ordentlich heiß. Der BFV, dem zwischenzeitlich die Meldeauskunft – datiert auf das Geburtsdatum im Juli 1995 – vorlag, entzog Janhandideh die Spielberechtigung. Der Straf- und Meldeausschuss tagte nicht.
 
„Der aktuelle Meldezettel ist das neueste Dokument des Spielers. Und dieses gilt“, so Weber. „Der Spieler kann also nicht im Jugendfußball eingesetzt werden. Er kann in der Reserve oder in der Kampfmannschaft spielen.“ Warum und wieso ein falsches Dokument bei der Anmeldung im Jahr 2005 vorgelegt wurde, kann Weber nicht sagen.
 
Der Illmitzer Fleischhacker fühlt sich brüskiert. „Das ist ja ein Wahnsinn, da wird solchen Verstößen Tür und Tor geöffnet. Man meldet jemanden falsch an und hofft, dass es sieben Tage lang nicht auffällt.“

Siegendorfs Jugend-Boss ahnte nichts

Fiel es aber keinem Trainer oder Funktionär auf, dass Jahandideh zu alt war? Siegendorfs Jugendleiter Hermann Gollubits, immerhin auch BFV-Gruppenobmann-Stellvertreter und Träger des Nachwuchs-Awards, wimmelt diesbezüglich ab, etwas „geahnt“ zu haben. „Der Spieler ist aus Steinbrunn gekommen“, spielt Gollubits den Ball weiter. „Laut Spielerpass war ja alles in Ordnung. Ich kenne Leute aus Firmen, die nicht wissen, in welchem Jahr sie geboren wurden.“ Gollubits selbst will die Angelegenheit nicht breit treten. „Die Familie Jahandideh kann vom Gesetz her jetzt Probleme bekommen. Immerhin geht es auch um die Familienbeihilfe.“
 
Gerüchten zufolge dürfte es in den vergangenen Jahren doch Mitwisser gegeben haben, dass Jahandideh um zwei Jahre älter ist, als angegeben. Kurioserweise findet man bei dem Vornamen des Fußballers zwei verschiedene Schreibweisen. Der BFV führt(e) ihn als „Mustava“, der aktuelle Meldezettel aus Eisenstadt aber als „Mostafa“.
 
Jahandideh selbst wollte sich zu der Causa auf Anfrage der BVZ nicht äußern.