Eisenstadt

Erstellt am 20. Juli 2016, 10:01

von Martin Ivansich, Bernhard Fenz und Thomas Steiger

SC Eisenstadt: „Dieses Projekt ist langfristig“. Sportlich wurde dem neu gegründeten SCE noch keine Spielgenehmigung erteilt. Strukturell soll Paul Scharner übernehmen.

Paul Scharner hat die Vision, mit dem SC Eisenstadt früher oder später durchzustarten.   |  NOEN

Die anstehende Saison geht ohne den SC Eisenstadt 1907 über die Bühne. Der Burgenländische Fußballverband hat dem neu gegründeten Klub am Freitag die endgültige Absage für den Spielbetrieb der 2. Klasse Nord erteilt. BFV-Geschäftsführer Simon Knöbl: „Unterm Strich war die Zeit offensichtlich zu knapp, um alle organisatorischen und strukturellen Auflagen zu erfüllen.“ Und auch Verbandspräsident Gerhard Milletich stellte klar: „Respekt vor dem Engagement, aber es sind eben Kriterien zu erfüllen und Pflichten einzuhalten. Die Vorgangsweise war nicht professionell genug.“

In der Tat räumte SCE-Obmann Hans Kusolits Fehler im Vorfeld ein, zeigte sich aber dennoch vom Aus enttäuscht: „Wir haben hart daran gearbeitet, alle Auflagen zu erfüllen. Das ist aus meiner Sicht auch gelungen, leider hat sich der Verband nicht mehr umstimmen lassen. Wir sind jetzt niedergeschlagen, wollen aber nächstes Jahr voll angreifen.“

Und dazu holte man sich ein bekanntes Gesicht mit ins Boot: Der ehemalige Teamspieler und England-Legionär Paul Scharner (36) soll die Funktion des Klubchefs bekleiden. „Auf kurz oder lang werde ich als Obmann des SC Eisenstadt tätig sein“, bestätigte der Niederösterreicher gegenüber der BVZ, dass er „in einer der nächsten Sitzungen“ das Ruder übernehmen wolle.

„Es ist ein super Projekt, innovativ und groß“, so Scharner weiter. Der Kontakt zu Kusolits (er lotste ihn ins Burgenland) wurde über eine Bildungsplattform geknüpft, zudem nahm das Duo bereits gemeinsame Projekte in Angriff. „Die Affinität zum Fußball und zur Ausbildung der Leute hat uns auf Anhieb verbunden, das wollen wir nun auch mit dem SCE umsetzen.“

Großprojekt für die nächsten Jahrzehnte?

Die Vision sei, jungen Kickern beim Verein nicht nur eine fußballerische, sondern ganzheitliche Ausbildung zu ermöglichen. „Uns liegt die Bildung am Herzen. Die jungen Leute verdienen es, eine gute Ausbildung zu genießen. Wir wollen mit einem guten Beispiel vorangehen und zeigen, wie ein Fußballklub der Zukunft aussehen könnte.“

Generell sieht der Ex-Internationale im Projekt „SCE“ etwas Langfristiges und Nachhaltiges. „Der Verein soll langsam und organisch wachsen. Klub, Spieler und Fans – all das soll zu einer Einheit verschmelzen. Dieses Projekt hat kein Ablaufdatum“, so Scharner euphorisch.

Wer bei diesen großen Plänen die finanzielle Stütze sei? Er habe potenzielle Geldgeber an der Angel, ließ der ehemalige defensive Mittelfeldspieler wissen.

Groß geschrieben soll beim SC Eisenstadt 1907, wie der Klub korrekt heißt, vor allem auch das Thema Identifikation werden. „Wir wollen Spieler förmlich „züchten“, den Fokus und Wert vermehrt auf Jugendarbeit legen. Junge und einheimische Spieler sollen sich mit dem Klub auch identifizieren können.“

Ziel: Dem SCE seine Heimstätte zurückzugeben

Frohlockend spricht Scharner auch über das altehrwürdige und längst abgerissene Lindenstadion, die ehemalige Spielstätte des SC Eisenstadt: „Ich durfte hier schon als Spieler die Atmosphäre genießen und bin ein Fan von historischen Plätzen. Wir werden anfangs zwar in Zagersdorf unsere Zelte aufschlagen, doch langfristig gesehen wird es sicher unser Wunsch und Ziel sein, dem SCE seine Heimstätte wieder zurückzugeben.“

Vorerst gilt es aber, kleinere Brötchen zu backen und in der Saison 2017/2018 einmal die Genehmigung für den Spielbetrieb in der 2. Klasse Nord zu erhalten. Das wäre auch im Sinne von Milletich: „Es würde uns freuen, wenn alles entsprechend geplant ist, rechtzeitig angesucht wird und die Auflagen erfüllt sind.“

Bleibt also abzuwarten, wie sich der neue SC Eisenstadt fürs nächste Jahr aufstellt und positioniert. Fakt ist: Ein strukturierter Fußballverein, mit einem klaren Ziel vor Augen, würde der Landeshauptstadt sicher gut zu Gesicht stehen.