Erstellt am 21. November 2012, 00:00

Güssing-Nachwuchs als Reibebaum. Aufreger / Die Partnerschaft des SV Güssing mit dem von Sturm Graz initiierten „Sturmmemory“ ist dem BFV ein Dorn im Auge.

 |  NOEN
Von Daniel Fenz

Das von Jens Mengeler ins Leben gerufene Projekt „Sturmmemory“ polarisiert – vor allem, wenn es darum geht, dass (süd)burgenländische Klubs als Kooperationsvereine auftreten. Der Reihe nach: Nach der Neuen Mittelschule Markt Allhau fixierte MItte Oktober auch der SV Güssing eine Kooperation mit „Sturmmemory“, im Zuge dessen Lernsysteme und auch Trainingseinheiten über das von Sturm Graz als Trägerverein initiierte Projekt laufen.

Diese Kooperation stieß beim Burgenländischen Fußballverband offensichtlich auf Unverständnis.

Das lässt sich auch aufgrund eines E-Mails von Jugendreferentin Gabi Pinter an Güssings Obmann Martin Muik und zahlreiche Verbandsvertreter belegen. Darin heißt es unter anderem, dass es traurig sei, wenn man dem Verband nicht vertraue und Leute aus anderen Landesverbänden einbeziehe.

„Ich kenne keinen  

Soweit, so gut. Die Gerüchteküche brodelt nun klarerweise kräftig, wenn es um etwaige Konsequenzen geht. Zuletzt war innerhalb der Szene sogar die Variante eines Ausschlusses der Güssinger Nachwuchsmannschaften vom BFV-Meisterschaftsbetrieb Gesprächsthema.

SV-Güssing-Boss Martin Muik jedenfalls kann die Aufregung nicht nachvollziehen: „Ich bin neugierig, aufgrund welches Fehlverhaltens der Güssinger Nachwuchs von der burgenländischen Meisterschaft ausgeschlossen werden soll. Ich kenne keinen Paragrafen oder kein Regulativ des BFV, wo diese Maßnahmen enthalten sind.“ Nachsatz: „Sollte das wirklich der Fall sein, wäre das so was von unglaublich.“

Und Güssings Nachwuchsleiter Manfred Berner legt bezüglich „Sturmmemory“ nach: „Das Projekt hat für uns keinen Vorteil, sondern nur für die Jugend. Wir haben uns außerdem entschlossen, die Kooperation einzugehen, damit die Kinder eine zusätzliche Ausbildung erhalten.“ Sollte es seitens des BFV zu Konsequenzen kommen, will Berner mit seinen Funktionärskollegen das Thema beim ÖFB vorbringen.

Alfred Lehner, Direktor der Neuen Mittelschule Markt Allhau, ist selbst als Kooperationsschule im Projekt dabei. „Es schadet sicher nicht, wenn der Verein darauf achtet, dass der Nachwuchs zu einem qualitativ besseren Training kommt. Sturm Graz bietet die Hilfe über ein Lernkonzept an. Auch meine Kooperation wurde vom BFV-Vorstand in Frage gestellt. Doch ich habe meine Gründe vorgebracht. Wir sind alle Vereinsvertreter und nicht Vertreter für Bundesligaklubs wie Mattersburg oder Sturm. Die Vereine sollen profitieren und vor allem die Kinder. Und warum sollte man nicht auch Projekte annehmen, die von der anderen Seite der Lafnitz kommen?“

Schließlich komme dies dem Nachuwchs im Süden zugute, argumentiert zumindest Lehner: „Ich muss auf die Breite schauen. Wird diese gefördert, dann komme ich auch zur Spitze. Das Konzept wird sicher noch fünf Jahre gute Arbeit leisten müssen, doch dann haben wir hier in Markt Allhau gute Fußballer. Genauso denkt auch Güssing.“ Mittendrin ist in der Causa mittlerweile auch BFV-Präsident Gerhard Milletich. Er sagt: „Es gibt FTT, LAZ, Akademie – das reicht sicher aus, um alles im Fußball im Burgenland abzudecken. Natürlich sind wir mit der Kooperation in Güssing nicht glücklich. Doch wir können sie nicht verhindern.“

Geprüft werde das Thema dennoch. Bei der nächsten Vorstandssitzung Anfang Dezember wird die Sachlage erörtert und danach die weitere Vorgangsweise beschlossen.

„Für mich ist es unverständlich, dass es solche Kooperationen gibt. Ob es Sanktionen für Güssing geben wird, darüber werden wir beraten und dann die Entscheidung treffen“, so der Verbandsboss. Jens Mengeler, Projektleiter von Sturmmemory, geht mit dem Verband übrigens hart ins Gefecht: „Sollte der BFV dem SV Güssing die Teilnahme an der Meisterschaft im Nachwuchs wirklich verhindern, dann würde ich als Verein einen Rechtsbeistand beantragen.“

Laut Mengeler habe der Verband keine rechtliche Grundlage, dass Güssing vom Meisterschaftsbetrieb ausgeschlossen wird. „Das ist doch Kleinkrämerei. Das Konzept läuft in Deutschland und auch in Österreich und hat sich in den letzten Jahren in vielen Schulen und Vereinen bewährt.“

Güssings Obmann Martin Muik (r.) und Sturmmemory-Projektleiter Jens Mengeler (l.) bei der Vertragsunterzeichnung der gemeinsamen Zusammenarbeit.

Privat