Erstellt am 21. November 2015, 20:22

von Bernhard Fenz

Bittere Pleite im 45-Minuten-Takt. An sich dauert ein Fußballspiel 90 Minuten, die Partie zwischen Mattersburg und Rapid war aber bereits zur Halbzeit praktisch entschieden.

 |  NOEN, Martin Ivansich
Da führte der Rekordmeister nach einer entfesselten Darbietung mit 5:0. Der SVM wiederum glänzte in dieser Phase nur durch Passivität und nahm erst nach der Pause aktiv(er) am Spiel teil – zu spät, am Ende verlor Mattersburg mit 1:6. Die Mannschaft von Trainer Ivo Vastic ist endgültig im Mittelfeld angekommen, das Spitzenfeld ist nun einmal außer Reichweite.

<strong>&gt;&gt;Link zur Tabelle der tipico Bundesliga</strong>

MATTERSBURG – RAPID 1:6. Die Gäste aus Hütteldorf verzichteten auf das obligatorische sportliche Abtasten zu Beginn und entschieden sich prompt für konkreten Offensivdrang. Der war zwar gleich einmal glücklich behaftet, aber umso erfolgreicher. Florian Kainz haute einfach drauf, traf (für ihn) zum Glück Thorsten Mahrer am Kopf, von wo aus der wuchtige Schuss seinen Lauf Richtung Kreuzecke und 1:0 nahm. Goalie Markus Kuster hatte da alles, nur keine Chance. Zu diesem Zeitpunkt waren gerade einmal fünf Minuten gespielt – Zeit genug also für den SVM, um noch vernünftig in die Partie zu finden.
Es kam aber anders, und wie: Rapid, beschwingt und euphorisiert von der raschen Führung, legte nach zehn weiteren - wenig erwähnenswerten – Minuten kräftig nach. Erst prüfte Stefan Stangl, der über links immer wieder ein Loch in die Dreier-Abwehr der Burgenländer riss, mit einem Schuss Markus Kuster (18.).
Dann war es erneut die Nummer 23 der Wiener Grün-Weißen, die Aufmerksamkeit erregte. Freistoß Steffen Hofmann von der Seite, nachdem Kuster beim Rutschen den Ball außerhalb des Sechzehners in der Hand behalten hatte, und Stangl (von Gegenspieler Jano zu wenig attackiert) nickte per Kopf zum 0:2 ein.  Zu diesem Zeitpunkt waren 21 Minuten absolviert.

Rapid-Halbzeit wie aus einem Guss versus Mattersburger Passivität

Was danach in Halbzeit eins folgte, war eine Fußball-Gala der Gäste, die von den Mattersburg-Profis scheinbar staunend zur Kenntnis genommen wurde. Immer wieder wurde die Abwehr der Mannschaft von Ivo Vastic mit schnellen Gegenstößen ausgehebelt, sodass die Rapid-Offensive quasi im Minutentakt für Gefahr sorgen konnte.   

Erst scheiterte Philipp Schobesberger nach schönem Hofmann-Lochpass mit einem Lupfer (25.), ehe ein Angriff über Stefan Schwab und Stefan Stangl per Stangler bei Philipp Prosenik landete - es war das 0:3.
Weiter im Text: Dann war es in der 32. Minute Hofmann selbst, der einen Pass in den Rücken der Abwehr Richtung Tor bugsierte, es blieb hier aber beim Lattenpendler.

Bezeichnend für die Partie war dann auch folgende Szene in Minute 35: Endlich sorgte der SVM für Gefahr, als Michael Perlak Thorsten Röcher in Szene setzte, die Nummer 27 aber an Goalie Jan Novota scheiterte. Und dann kam er wieder, der rasche Gegenstoß: Schobesberger auf Kainz, der zog an Kuster vorbei, brachte den Ball wieder zur Mitte, wo sich Prosenik bedankte – 0:4.

Vier Minuten danach beendete dann Kainz den sportlichen SVM-Albtraum der ersten Halbzeit mit dem fünften Tor. Abermals ging es über die Seite ziemlich schnell zur Sache, diesmal über rechts, wo Schobesberger durchbrach, in die Mitte zu Hofmann legte, von dessen Fersler-Weiterleiter wiederum Kainz profitierte.    

Ehrentreffer sorgte nur für ein wenig Resultats-Kosmetik

Nach Wiederbeginn versuchte Mattersburg mit neuen Kräften wie Sven Sprangler oder Patrick Bürger sein Glück. Letzterer war es dann auch, dem in der 51. Minute prompt das erste Tor der Burgenländer glückte. Standesgemäß spielte Bürger seine besondere Stärke  aus – das Kopfballspiel, als er einen Freistoß von Röcher wunderbar versenkte.

Wer in der Folge auf weitere Treffer der Gastgeber hoffte, wurde aber enttäuscht. Zwar wirkte der Aufsteiger wesentlich bemühter und agiler, Entscheidendes gelang aber nicht mehr. Dafür sorgte Rapid noch für einen finalen Schluss-Jubel, als auch der eingewechselte Matej Jelic mit einem Drehschuss zum halben Dutzend ins Schwarze traf.  

Weiter geht es für den SV Mattersburg nun am kommenden Samstag mit dem Auswärtsspiel beim SK Sturm Graz. Keine leichte Aufgabe nach dem jüngsten Heimdebakel, aber was ist in der aktuellen Situation des SVM schon leicht...?
 
STATISTIK
 
MATTERSBURG – RAPID 1:6 (0:5).- Torfolge: 0:1 (5.) Kainz, 0:2 (21.) Stangl, 0:3 (29.) Prosenik, 0:4 (35.) Prosenik, 0:5 (39.) Kainz, 1:5 (51.) Bürger, 1:6 (83.) Jelic.
Gelb: Kuster (20., Handspiel), Sprangler (47., Foul); Schwab (86., Foul).
SR: Harkam.- Pappelstadion, 8.200.
Mattersburg: Kuster; Malic, Mahrer, Maksimenko; Höller, Prietl, Jano (46. Bürger), Perlak (46. Sprangler), Farkas (77. Novak); Röcher, Onisiwo.
Rapid: Novota; Pavelic, Sonnleitner, Dibon, Stangl; Grahovac, Hofmann (77. Tomi); Kainz, Grahovac, Schobesberger (81. Alar); Prosenik (63. Jelic).
 

Stimmen zum Spiel

Karim Onisiwo: „Wir haben in der ersten Halbzeit zu keinem Zeitpunkt ins Spiel gefunden. Nach der Pause ging es dann eigentlich nur noch um Schadensbegrenzung.“
 
Stefan Stangl: „Es war wichtig, dass wir in der Bundesliga jetzt einmal wieder in die Erfolgsspur gefunden haben.“

SVM-Kapitän Patrick Farkas: „Wir müssen das Spiel jetzt schnell abhaken und wieder nach vorne schauen. Eigentlich wollten wir Rapid das Leben so schwer wie möglich und die Räume eng machen, das ist uns vor der Pause gar nicht gelungen. Jetzt gilt es, daraus zu lernen und es künftig besser zu machen.“

SVM-Trainer Ivo Vastic: „Man kann Rapid nur gratulieren. Die waren spielerisch stärker, kompakter und im Zweikampf besser. Natürlich sind wir nicht zufrieden, speziell nicht mit der ersten Halbzeit. Nach der Pause hat die Mannschaft aber zumindest Charakter gezeigt und bewiesen, dass sie sich nicht abschießen lässt.“
 
Rapid-Trainer Zoran Barisic: „Wir waren selbstlos und haben vor dem gegnerischen Tor einfach agiert. Die Leistung hat mich insgesamt sehr gefreut. Rapid ist heute so aufgetreten, wie ich mir das vorstelle.“