Erstellt am 13. Juli 2016, 10:36

Georg Tischler: „Gesundheit geht vor“. Die Paralympics in Rio de Janeiro werden ohne Georg Tischler stattfinden. Ob der 55-Jährige weitermacht, lässt er noch offen. Fest steht: Die Karriere ist im Ausklingen.

Ungewiss: Georg Tischler in Doha Ende Oktober 2015. 2016 hätte ein olympisches Abschlussjahr werden sollen – der Golser peilte seine fünfte Paralympics-Teilnahme an. Nun ist er verletzt, das Karriere-Ende des Ex-Kugelstoßers und aktuellen Speerwerfers steht im Raum. Foto: Hartmann  |  Hartmann

Ein Alltagssturz daheim ließ die Vorbereitung von Georg Tischer auf seine Speerwurf-Teilnahme bei den Paralympics im September in Rio platzen. Der Goldmedaillengewinner von Athen 2004 im Kugelstoßen wird die Reise nach Brasilien nicht antreten. Die Schulter ist überdehnt, sodass ein effektives Training aktuell nicht möglich ist. „Ich weiß nicht, wie lange die Genesung andauern wird, darum habe ich mich beim Verband aus dem Vorbereitungskader für die Paralympics genommen – den im Vorjahr erkämpften Quotenplatz gebe ich ab“, sagt der Golser, für den sich durch das Missgeschick auch die Teilnahme an der Europameisterschaft im Juni in Grosseto (Italien) erledigt hatte.

Konservatives Ausheilen statt aktives Nachhelfen

Nun gelte es, die Verletzung konservativ ausheilen zu lassen. „Ich möchte nicht mehr infiltrieren, sondern mache mir jetzt keinen Stress. Es gilt einmal, richtig fit zu werden, die Gesundheit geht jetzt einfach vor.“

Der Routinier hat zudem die Zeichen der Zeit erkannt. Früher oder später wird Tischler seine große Karriere – die aktuell am Ausklingen ist – beenden. Da ist es nicht mehr nötig, mit Biegen und Brechen etwas zu riskieren. Schade sei es allemal, dass sich nach Sydney, Athen, Peking und London keine fünfte Olympia-Teilnahme ausgehe. „Das wäre ein schöner Abschluss gewesen, aber es sollte eben nicht sein.“ Dabei habe er sehr gut trainiert, ließ er wissen. „Ich habe mich gut gefühlt.“

Für eine Medaille in Rio hätte es übrigens nicht gereicht, so viel kann Georg Tischler trotz allem prognostizieren: „Ich bin zwar kräftemäßig ein Bär, aber die Umstellung vom Kugelstoßen auf den Speerwurf war und ist schwierig – Stichwort Beweglichkeit und Flexibilität. Da sind die Spezialisten, die schon mehrere Jahre lang Speerwerfen, weiter. Weitenmäßig sehe ich ein Ende der Fahnenstange.“

„Ich bin zwar kräftemäßig ein Bär, aber die Umstellung vom Kugelstoßen auf den Speerwurf ist schwierig – Stichwort Beweglichkeit.“

Georg Tischler, Realist

In diesem Jahr übertraf Tischler im Training zwar bereits mit über 23 Metern seine persönliche Bestmarke von 22,80 Meter, „gewinnen würde ich bei den Paralympics damit aber nichts. Das Finale der letzten Acht könnte sich ausgehen.“

Übrigens: Ob der Paralympics-Sieger und dreifache Weltmeister seine Karriere fortsetzen wird, ließ er noch offen. „Ich setze mir immer realistische Ziele. Die will ich aber dann auch erreichen. Daher warte ich die Genesung ab und werde danach sehen, ob und wie gut das Training wieder funktioniert.“