Erstellt am 20. Juli 2011, 00:00

Daheim in Frauenkirchen. SC/ESV PARNDORF / Zu Besuch bei Legionär Jailson Severiano Alves: Der 26-Jährige erzählt über seine neue Heimat, seine alte Heimat und seine weiteren Pläne.

Jailson Severiano Alves mit seiner Frau Judith und Tochter Juliana in ihrem Garten in Frauenkirchen. Sohnemann Matthias ist noch bis 3. August in Österreich, dann geht es wieder zurück nach Südamerika. Über kurz oder lang soll er aber für immer bleiben.BERNHARD FENZ  |  NOEN
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VON BERNHARD FENZ

Die Häuserfront der Apetloner-straße in Frauenkirchen lässt nichts erahnen. Der kleine Polster mit der brasilianischen Flagge im Auto vor dem schicken Neubau verrät aber dann doch, dass die Adresse richtig sein könnte.

Sie ist es. Schoko Jailson öffnet und bittet in sein (neues) Eigenheim. Hier, neben dem Heurigenbetrieb der Schwiegereltern, wohnt er mit seiner Frau Judith und der gemeinsamen (20 Monate jungen) Tochter Juliana. Am 24. Dezember so der errechnete Geburtstermin erwartet die Familie Zuwachs. Ein weiteres Mädchen ist im Anmarsch.

Und noch bis Anfang August genießt auch Sohnemann Mathias (6), der zu Jailsons Zeit in Paraguay 2005 zur Welt kam, seinen Sommeraufenthalt im Burgenland. Dann geht es wieder nach Hause.

In ein paar Jahren soll er für immer bleiben, angedacht ist es. Nicht nur die emotionale Komponente spielt hier eine Rolle, auch die Gedanken an die Zukunft des Buben, wie der stolze Papa erzählt: Die Schule und die Ausbildungs-Möglichkeiten sind besser als in Südamerika.

Es wäre für mich schwer,  wieder wegzugehen

Solch langfristige Pläne sind mittlerweile einfach zu schmieden. Jailson hat sich längst entschieden, sein Leben im Nordburgenland zu verbringen.

Das war im November 2006 nicht der Fall. Damals sah er der schon mit 13 Jahren von Rio nach Paraguay ging und mit 16 Profi wurde den Wechsel von Fernando de la Mora nach Parndorf in die Red Zac Erste Liga pragmatisch. Das Heidebodenstadion sollte nur eine sportliche Zwischenstation bleiben, wie er sich erinnert. Mein alter Manager hat mir gesagt, dass ich große Chancen haben würde, nach Deutschland zu kommen, wenn ich super spiele.

Es kam anders. Jailson entwickelte sich zwar zu einer Stütze, Parndorf stieg nach eineinhalb Jahren jedoch in die Regionalliga ab. Der Brasilianer blieb beziehungsweise musste er bleiben. Damals, im Sommer 2008, hatte er sich mit den Red Bull Juniors geeinigt und verabschiedete sich praktisch über Nacht in eine neue Fußballwelt. Allerdings pochte Parndorf auf den gültigen Vertrag, Jailson musste also wieder zurück, der Salzburg-Traum war geplatzt.

Heute sieht er die Angelegenheit locker. Einerseits hat sich dadurch erst die Beziehung zu seiner Frau Judith richtig entwickelt, andererseits ist ihm der Verein und das Umfeld mittlerweile ans Herz gewachsen. Also kann er sich jetzt auch nur schwer vorstellen, in Österreich den Verein zu wechseln. Wenn, dann käme künftig wohl nur ein Auslands-Engagement in Frage. Du kommst aus der Regionalliga, das wirkt sich aus. Vom Finanziellen her bekomme ich in Österreich wahrscheinlich kein Angebot, das so verlockend wäre, mein neues Zuhause wieder aufzugeben. Aufsteigen will ich mit Parndorf das wäre optimal. Hier ist alles familiär, es passt.

Apetloner Unterhaltungen  sind eine Fremdsprache

Auch die Zeiten, in denen Deutsch noch ein Problem war, sind vorbei. Jailson, wie er übrigens mit Vornamen heißt (Severiano Alves ist der Nachname), versteht und spricht die Sprache. Nur beim Dialekt steigt er aus. Wenn Judy mit ihren Freunden aus Apetlon spricht, verstehe ich gar nichts. Das ist eine Katastrophe. Schmunzelnd plaudert Schoko über solche Problemchen, die nicht wirklich belasten.

Weniger locker ist er, wenn es um jene Person geht, die ihm seinen Spitznamen verpasste: Marcelo. Er kam mit ihm Ende 2006 gemeinsam nach Parndorf (beide wohnten in Rio quasi Tür an Tür, ohne sich aber noch zu kennen&), wo sie in der Ersten Liga auch das beliebte brasilianische Duo bildeten. Marcelos Österreich-Aufenthalt endete jedoch tragisch, er wurde am 22. November 2009 erhängt aufgefunden. Die Hintergründe der Verzweiflungstat blieben bis heute unklar. Wir waren sehr gute Freunde. Ich kann das bis jetzt nicht vergessen. Nicht umsonst zu Ehren seines verstorbenen Freundes wird die zweite Tochter der Familie Marcela heißen.

Südamerikanisches Lokal als  mögliches Projekt für danach

So schwer dieses Thema auch ist, so leicht ist es gleichzeitig, dem sympathischen Stürmer seine Zukunftspläne zu entlocken. Mit 26 Jahren steht der Fußball freilich an erster Stelle, für die Zeit danach kann sich Jailson aber auch schon Konkretes vorstellen: Ich möchte mich mit Kindern beschäftigen. Aber auch ein Lokal aufzumachen würde mich interessieren. Nicht irgendeines heimische, südamerikanische Küche, ist Schokos Traum. Gerichte, die sich um Bohnen und Fleisch drehen das ist seine (kulinarische) Welt. Ins Heurigengeschäft der Schwiegereltern wird er übrigens nicht einsteigen, wie seine Frau Judith bemerkt: Von Heurigen ist er generell nicht so begeistert &

Also wird im Hause Alves einerseits oft und gerne gekocht wie in Brasilien, andererseits genießt Jailson bei seinen Heimaturlauben dann umso mehr das Essen. Heuer im Winter muss er allerdings darauf verzichten, es gibt schließlich Wichtigeres die Geburt von Marcela wartet.