Erstellt am 18. November 2015, 10:29

von Bernhard Fenz

Ein Abschied mit Wehmut. Richard Slezak, der den SC/ESV Parndorf beinahe in die Erste Liga geführt hätte, spricht nach seiner Entlassung über den Herbst – und über die Gründe des Wellentals.

Richard Slezak bei seinem letzten Pflichtspiel als Parndorf-Coach in Horn. Danach wurde er entlassen - der Abschied fällt dem 42-jährigen Trainer nach wie vor nicht leicht.  |  NOEN, zVg/ Cornelius

23 Punkte sind es am Ende also geworden, mit denen der SC/ESV in die Winterpause geht. Wenig berauschend, angesichts des beängstigend großen Abstands zur Spitze. Horn und die Vienna ziehen im Kampf um den Direktaufstieg (der ist in dieser Saison bekanntlich der Ostliga vergönnt) einsam ihre Kreise, einzig Überraschungs-Aufsteiger Stadlau hat mit 30 Zählern noch annähernd Sichtkontakt.

Parndorf nicht. Die Nordburgenländer schielen mit 23 Punkten – auf Platz sieben liegend – gerade mal knapp über Platz vier hinaus. Dort liegt der SC Ritzing, 24 Punkte stehen am Konto der Mittelburgenländer.

Richard Slezak schaut sich das alles nur noch aus der Entfernung an. Anfang Juni schrammte der 42-Jährige mit dem Ostliga-Team – er führte davor die 1b zum Meister in der BVZ Burgenlandliga und wurde im Tausch mit Paul Hafner dann im vergangenen Herbst hochgezogen – im dramatischen Relegationsduell gegen Austria Klagenfurt erst in der Verlängerung am Erste-Liga-Aufstieg vorbei.

Vor etwas mehr als zwei Wochen wurde dem Slowaken bekanntlich nach der 14. Runde – der 2:4-Niederlage in Horn – die Trennung mitgeteilt. In den letzten beiden Heimspielen (1:3 gegen Stadlau, 1:0 gegen Sportklub) war Co-Trainer Christian Ivantschitz interimistischer Chef.

Slezak selbst sagt gegenüber der BVZ heute noch: „Wir haben in Horn ein sehr gutes Spiel abgeliefert, unsere Formkurve hat nach oben gezeigt. Ich war hundertprozentig davon überzeugt, dass wir aus den letzten beiden Heimspielen sechs Punkte machen und nach der Hälfte der Saison Platz drei fixieren könnten – unser Saisonziel war ein Platz bis fünf.“

Da das Ziel aber von Platz eins bis fünf reicht, war angesichts der Parndorfer Ansprüche die durch eine Punkteflaute hervorgerufene Kurve nach unten ein Alarmsignal. Also setzte Obmann Gerhard Milletich ein Zeichen und entschied sich zur Trainerablöse vor den beiden wichtigen letzten Heimspielen. Gerade die bis dahin schwache Bilanz im Heidebodenstadion sprach nicht für den (ehemaligen) Chefcoach. Dieser sagt aber: „Wir haben im Sommer Christian Thonhofer verloren und lediglich Dominik Silberbauer gegen Patrick Kienzl getauscht, sonst wurden nur junge Spieler hochgezogen. Trotzdem haben wir sehr attraktiven Fußball gezeigt. Daheim waren die jungen Spieler aber mehr unter Druck, auch der Zustand unseres Platzes war für die Art von Fußball nicht optimal – auswärts waren wir schließlich die beste Mannschaft der Liga.“

Negativ-Startschuss gegen Neusiedl/See

Lange Zeit sah es auch danach aus, als ob Parndorf den „großen Zwei“ der aktuellen Saison – Horn und Vienna – ernsthaft Paroli bieten könne. Der SC/ESV mischte ganz vorne mit und zeigte die Anwartschaft auf die Spitze auf.

Letztlich läutete aber die 1:3-Niederlage im Derby gegen Neusiedl/See den Negativlauf des SC/ESV – und so auch die Ablöse von Slezak – ein. 11. Runde 1:3 gegen Neusiedl/See, 12. Runde 0:3 bei den Admira Juniors, 13. Runde 2:2 gegen die Austria Amateure, 14. Runde 2:4 in Horn. Zu viel. Für den ehemaligen Fußballprofi (dessen aktive Karriere übrigens im Burgenland – bei den SVM Amateuren, in Steinbrunn und Apetlon ausgeklungen ist) ist jedoch auch diese Phase erklärbar:

„Angesichts der dünnen Personaldecke war das ganz normal, wenn Verletzungen, Sperren und Müdigkeit hinzukommen. Das ist keine Profimannschaft, sondern ein Team, das aus vielen Jungen besteht und sich erst entwickeln muss.“ Auch das Stürmerproblem sei ein permanent mitschwingender Umstand gewesen. Hier stellt Gerhard Milletich aber klar: „Slezak wollte etwa Mario Rasic unbedingt. Das hat eben in der Form ganz vorne nicht wie gewünscht geklappt.“

Neben dem Problem in der Offensive sind für Slezak dann auch noch „unglaubliche Individualfehler in der Abwehr passiert: von Spielern, die eigentlich Leistungsträger sind. Aber auch das gehört zum Fußball, wir hätten das gemeinsam ändern können.“

„Großes Danke an Gerhard Milletich“

Dazu kam es aber nicht mehr, die (Trainer-)Mechanismen im Fußball griffen früher und Richard Slezak wurde entlassen. Dieser bekräftigt nach wie vor, wie schwer ihm der Abschied gefallen sei: „Mir tut das unglaublich weh, dass ich gehen musste. Ich glaube nicht, dass nur das sportliche Abschneiden dafür ausschlaggebend war. Natürlich bin ich nicht blauäugig und weiß, dass meine Arbeit nicht jedem hier gefallen hat, aber das Ganze wirft ein komisches Licht auf meine Trainertätigkeit in Parndorf.“

Er selbst werde den SC/ESV jedenfalls in guter Erinnerung behalten, wie er abschließend klarstellte: „Hier habe ich schließlich eine Chance erhalten. Mein großer Dank gilt Obmann Gerhard Milletich, der unglaublich viel Energie und Geld in den Fußball investiert. Hut ab.“