Erstellt am 11. Oktober 2014, 20:44

von Martin Ivansich und Angela Pfalz

Kurios: Halbturn trat nach vier Roten freiwillig ab. Das Fußball-Spitzenspiel zwischen dem Dritten Zurndorf und dem Fünften Halbturn endete in Minute 69, weil die Gäste nach vier Ausschlüssen gegen sich - drei davon wegen Kritik – genug hatten und beim Stand von 2:1 für Zurndorf selbst das Spielfeld verließen.

Halbturns Trainer Jürgen Bruck hatte Schiedsrichter Albert Wandl und seinem Assistenten Karl Tremmel einiges mitzuteilen, blieb dabei aber immer sachlich.  |  NOEN, Angela PFALZ
Alles war angerichtet für das 1. Klasse-Topspiel der Runde im Nordburgenland. Perfektes Fußballwetter, mit Zurndorf und Halbturn zwei Teams, die im bisherigen Meisterschaftsverlauf mehr als überzeugt hatten und all das vor knapp 600 Zusehern.

Das Match selbst hielt dann aber lange Zeit nicht das, was es versprach. In einer ereignisarmen ersten Halbzeit verwerteten beide Mannschaft eine ihrer wenigen Chancen - Pausenstand 1:1. Nach dem Seitenwechsel musste zunächst Halbturns Routinier Wolfgang Knöbl (48.) nach einem taktischen Foul mit Gelb-Rot vom Feld. Vor der Pause war er bereits wegen Foulspiels verwarnt worden.

Doppel-Ausschluss nach Abseits-Reklamation, obwohl kein Tor fiel … 

Richtig turbulent wurde es dann fünf Minuten später: Halbturn reklamierte nach einem (nicht erfolgreichen) Angriff der Zurndorfer heftig Abseits - zu heftig.

Marek Plichta brachte gegenüber Schiedsrichterassistent Karl Trimmel seinen Unmut zum Ausdruck und ließ dabei auch ein Schimpfwort fallen. Die Konsequenz: Rot. „Wir werden das intern noch einmal besprechen. Den einen oder anderen Spieler muss ich in die Pflicht nehmen“, sagte Halbturns Trainer Jürgen Bruck nach dem Spiel.

Norbert Knöbl hatte in der gleichen Szene wegen Kritik Gelb-Rot gesehen. Zurndorf-Coach Rene Hoffmann kamen die Undiszipliniertheiten der Gäste nicht ungelegen, denn: „Mit Elf gegen Elf hätten wir das Spiel nie gewonnen, mit Elf gegen Zehn hätten wir uns auch noch schwer getan. So ist uns der Sieg, von dem ich ausgehe, am Silbertablett serviert worden.“

„Es ist ja für Halbturn nichts passiert“

Verständnis für die Aufregung hatte er jedenfalls nicht: „Es ist ja für Halbturn nichts passiert. Wir haben diese Aktion schlecht zu Ende gespielt und davon nicht profitiert. Es war mehr als unverständlich, hier derart zu reagieren. Aus meiner Sicht war es auch kein Abseits, sondern gleiche Höhe.“ Eine Meinung, die Bruck nicht teilte: „Aus meiner Sicht war der Spieler zwei bis drei Meter im Abseits.“

 Zu diesem Zeitpunkt überlegte Halbturn bereits abzutreten, dies geschah schlussendlich nach 69 Minuten. Zurndorf hatte in der Zwischenzeit mit drei Mann mehr das 2:1 erzielt. Gerald Talos wurde als vierter Halbturner und als dritter Gästespieler wegen Kritik von Schiedsrichter Albert Wandl frühzeitig zum Duschen geschickt.

Schiedsrichter-Lob für den Ordnerdienst

Die Gäste verließen daraufhin geschlossen den Platz. Gerade die Gelb-Roten Karten für Norbert Knöbl und Gerald Talos seien für Halbturn-Trainer Bruck überzogen gewesen. Referee Wandl, für den es in seiner 14-jährigen Tätigkeit als Unparteiischer übrigens der erste Abbruch war, entgegnete: „Beide Spieler haben kritisiert und dafür jeweils die zweite Gelbe Karte bekommen.“

Trotzdem fand Wandl nach diesem unschönen Ende lobende Worte - einerseits für den Halbturner Trainer, der sehr emotional reagiert habe, dennoch aber stets fair geblieben sei -, andererseits für den Ordnerdienst des Heimvereins: „Es waren ja danach auch einige Zuseher auf dem Feld. Sofort war eine große Anzahl an Ordnern da, hat uns über einen Seiteneingang und die Heimkabine und unter Polizeischutz nach draußen geleitet. Es ist weder zu Handgreiflichkeiten noch zu Bierschütten oder sonstigem gekommen. Es wird deshalb auch keine Anzeige gegen den Ordnerdienst geben. Das ist eigentlich unüblich.“

Wie das Spiel, das letztlich nicht vom Schiedsrichter beendete wurde, gewertet wird, liegt nun beim Straf- und Meldeausschuss (STRUMA) des Fußballverbands. „Das ist  nun nicht mehr mein Aufgabengebiet“, so Wandl. Er gehe aber davon aus, dass Zurndorf der Sieg zugesprochen wird.
 
In der Tabelle liegen die ersten fünf Teams aktuell nur durch zwei Punkte getrennt auseinander. Es ist aber davon auszugehen, dass Zurndorf (18) mit 3:0 am grünen Tisch gewinnen und auf 21 Punkte steigen wird. Dann wäre die Mannschaft Erster. Halbturn hält bei 17 Zählern.

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