Erstellt am 12. Oktober 2011, 00:00

Meisterliche Unsicherheit. REGIONALLIGA OST / Parndorf ist nach der vierten Saisonpleite dem letzten Platz näher als dem ersten. Am Freitag kommt Leader Horn als Favorit ins Heidebodenstadion.

 |  NOEN
VON BERNHARD FENZ

Die neu formierte Mannschaft des SC/ESV hat das Zeug, um vorne mitzuspielen. Das war die einhellige Meinung der Verantwortlichen vor Saisonbeginn. Lediglich die Frage, wann die Truppe nachhaltig zusammenfinden würde, galt als Risikofaktor.

Milletich: „Weit unter  den Erwartungen“

 

Mittlerweile ist klar: Dem Meister der vorigen Saison fehlt nach wie vor die Kompaktheit für einen absoluten Spitzenplatz. Weil sich Siege und Niederlagen munter abwechseln, klafft schön langsam eine deftige Lücke nach oben. Daran ändert auch das nach wie vor offene Nachtragsspiel in Stegersbach nichts. Würden die Nordburgenländer am 25. Oktober im Südburgenland gewinnen, lägen sie trotzdem noch vier Punkte hinter Horn.

Es ist daher nicht so schwer zu kombinieren, welchen Stellenwert das Gastspiel der Waldviertler am Freitag (19 Uhr) hat. Nur ein voller Erfolg bringt die Nordburgenländer mittelfristig wieder in Schlagdistanz zur Spitze, ganz abgesehen davon, dass in weiterer Folge endlich mehr Konstanz einkehren müsste. Angesichts der bisherigen Bilanz (vier Siege, ein Remis, vier Niederlagen) sieht Obmann Gerhard Milletich jedenfalls nicht viele Gründe zur Zuversicht: „Die bisherigen Ziele wurden nicht erfüllt und die erhofften Leistungsträger präsentieren sich weit unter den Erwartungen.“ Nachsatz: „Die Spieler müssen endlich beweisen, dass sie es können.“

Auch Pauli Hafner, der die Mannschaft interimistisch betreut, nimmt die Kicker in die Pflicht: „Die Art und Weise der Niederlage gegen die Admira Amateure tut weh. Da macht man sich Gedanken; alle haben ihre Aufgaben, und dann kommt so etwas heraus. Viel braucht man vor dem Match gegen Horn jetzt nicht sagen. Die Mannschaft sollte ein Zeichen setzen. Worum es geht, muss allen bewusst sein.“

Wemmer: „Wir sind  klarer Außenseiter“

 

Einer, der im Mittelfeld die Fäden ziehen sollte, aber bislang seine großen Qualitäten nur phasenweise andeuten konnte, ist Richi Wemmer. Auch der 30-jährige Steirer findet keine schlüssige Erklärung für das ständige Wellental: „Wir Spieler wollen, jeder gibt Gas, nur bringen wir es am Matchtag nicht rüber – die Mannschaft ist dann zu unkompakt und zu unsicher.“ Mögliche Besserung aus dieser Situation gäbe es laut Wemmer mit dem Start einer Serie. „Wenn wir etwa zweimal hintereinander gewinnen könnten, würde sich vieles lösen.“

Wie soll das aber funktionieren? Ein voller Erfolg gegen den bis dato ungeschlagenen Tabellenführer wäre in diesem Zusammenhang zumindest kein Nachteil, auch wenn die Nummer zehn klarstellt: „Wir sind klarer Außenseiter und haben gegen Horn nichts zu verlieren. Vielleicht gelingt die Überraschung.“

Emotional ist das Duell für den ehemaligen Horn-Kicker übrigens keine große Sache („dafür habe ich nicht lange genug dort gespielt“). Eine interessante persönliche Note hat das Match für den Steirer aber sehr wohl, wie Wemmer schmunzelnd ergänzt– Stichwort Thomas Friess, der im Waldviertel kickt: „Wenn ich in Graz bin, wohne ich mit ihm in einer WG. Wir kennen uns seit gemeinsamen Sturm-Zeiten, da will ich am Freitag natürlich schon gewinnen.“

Auf Seiten der Niederösterreicher gibt es neben den Ex-Parndorfern Slaven Lalic und Miroslav Milosevic vor allem einen Akteur mit besonderem Bezug: Michael Pittnauer. Auch er wanderte im Sommer nach Horn, pendelt seitdem immer von Wien ins Waldviertel und kehrt am Freitag ins Heidebodenstadion zurück. Vier Jahre lang erlebte der Golser, wie er erzählt, „eine sehr schöne Zeit. Für mich ist das schon etwas Besonderes, die Emotionen sind sicher etwas größer als bei meinen Mitspielern – ich freue mich schon sehr auf das Match.“

Ob der 23-Jährige, der Trauzeuge von „Schoko“ Jailson ist, gegen seinen Ex-Klub von Beginn an mitspielen wird, konnte und wollte er zu Wochenbeginn noch nicht sagen: „Das ist Sache des Trainers, wir haben mehrere gleichwertige Stürmer.“ Erwartungen, Herr Pittnauer? „Ich sehe uns nicht direkt als Favorit. Aber natürlich fahren wir nach Parndorf, um zu gewinnen.“

Neuer Trainer? „Der kommt  sicher erst im Winter“

 

Nach aktuellem Stand hat das Match am Freitag übrigens (noch) keine Auswirkungen auf den Zeitpunkt der Bestellung eines neuen Coaches, wie Gerhard Milletich am Montag klarstellte: „So wie es derzeit aussieht, werden wir sicher erst im Winter einen Nachfolger von Simon Knöbl präsentieren.“ Bis dahin obliegt Paul Hafner an der Linie und Andi Hackstock im Hintergrund das Coaching.