Erstellt am 02. Mai 2016, 21:36

von APA Red

Polizeiboote am Neusiedler See - Die Retter haben wieder Saison. Mit den Hobbysportlern und Freizeitkapitänen haben auf dem Neusiedler See auch die Retter wieder Saison.

Ein Streifenboot der Polizei im Einsatz  |  NOEN, Landespolizeikommando Burgenland

35 zu Motorbootführern ausgebildete Polizeibeamte, die mit vier Booten unterwegs sind, stehen jährlich von April bis Oktober für Patrouillen am mehr als 300 Quadratkilometer großen Steppensee bereit.

Bei Sonne scheinbar harmlos wirkend, birgt das seichte Gewässer bei Unwetter Gefahren. "Unsere Hauptaufgabe ist die Rettung aus Seenot. Wir sind aber auch zuständig für die Überwachung des Neusiedler Sees", erläuterte Kontrollinspektor Wolfgang Bachkönig von der Landespolizeidirektion Burgenland am Montag in Rust.

Dabei wird kontrolliert, ob die Seeverkehrsordnung eingehalten wird. Die Polizeipräsenz diene aber auch dazu, Fischereidiebstählen und Einbrüche in Seehütten hintanzuhalten.

"Wir patrouillieren natürlich auch entlang der Grenze", schildert Bachkönig. Illegale Grenzübertritte am See seien dabei eher die Ausnahme.

Der Neusiedler See sei zwar im Schnitt nur 1,50 Meter tief. Durch einen Wetterumschwung könne sich das ruhige Gewässer aber in "eine Hölle" verwandeln: Binnen einer halben bis einer Stunde folge dann auf strahlenden Sonnenschein ein Gewitter mit Wind von sechs bis sieben Beaufort.

Surfer würden manchmal das Abenteuer suchen und dabei nicht bedenken, dass sie dadurch auch die Retter in äußerste Gefahr brächten, meinte der Polizeisprecher: "Vor allem Freizeitkapitäne überschätzen sich sehr".

Auf dem stürmischen See drohe bei Schlechtwetter rasch der Orientierungsverlust. "Wir können binnen kürzester Zeit fast jeden neuralgischen Punkt am See erreichen", sagte Bachkönig. Im Vorjahr rückten die Polizeiboote von April bis Oktober zu 234 Patrouillenfahrten aus und waren somit mindestens einmal täglich am See unterwegs.

2015 wurden elf Personen aus Seenot geborgen. Zum Vergleich: 2013 waren es 38. Wenn Gefahr in Verzug ist, dürfen die österreichischen Polizisten aufgrund bilateraler Verträge auch auf jenem Fünftel des Sees Hilfe leisten, das auf ungarischem Staatsgebiet liegt.

Nachdem 2014 glücklicherweise am Neusiedler See kein Todesopfer zu beklagen war, forderte im Vorjahr ein Segelunfall ein Menschenleben: Ein Vater und sein Sohn kenterten mit ihrem Katamaran, der 15-jährige Sohn starb.

Bei einem Einsatz mit Menschen in Seenot bestünden meist extreme Ausnahmesituationen, schilderte Gruppeninspektor Friedrich Hartmann, der mit einem 260 PS starken Polizeiboot am See unterwegs ist: "Es geht meist starker Wind, Sturm, Orkanböen - dazu kommt noch der Wellengang am See."

In der Regel fahren zwei kundige Beamte hinaus. Während der Bootsführer fürs sichere Manövrieren verantwortlich ist, führt der zweite Mann die Rettung durch.

Das sei in so einer Situation nicht leicht: Wellengang, extrem starke Windböen und teilweise Regen stellten an den Bootsführer enorme Ansprüche, erzählte Hartmann: "Durch den hohen Wellengang ist es sehr schwierig, das Boot überhaupt an den Einsatzort heranzuführen, um eine effiziente Bergung beziehungsweise Rettung der Personen zu gewährleisten".

Für die Besatzung sei dies meist eine Herausforderung unter Einsatz des eigenen Lebens. "In der Regel ist nicht nur ein Mensch zu retten, sondern es gibt fünf oder sechs Notsituationen gleichzeitig." Dann müsse man nach Dringlichkeit koordinieren, das sei zusätzlich ein Stressfaktor. "Speziell, wenn ein Unwetter naht, ist es in der Regel so, dass die Bootsbesitzer zu spät auf die Wetterwarnungen reagieren", berichtete der Gruppeninspektor.

"Dann kommt es zu solchen Situationen, dass entweder der Mast bricht oder ein Segel zerreißt." Bei Elektrobooten seien manchmal die Akkus zu schwach, um noch den sicheren Hafen zu erreichen. Die würden dann oft irgendwo ins Schilf getrieben.

Mit dem Fernglas eine ruhige Sicht zu haben, sei bei Wellengang schwierig. Unter extremen Bedingungen würden Rettungsaktionen nicht selten turbulent verlaufen. Manchmal gingen dabei auch Retter über Bord.