Erstellt am 21. September 2011, 00:00

Schiedsrichter haben das allerletzte Wort. URTEIL / Der Straf- und Meldeausschuss des Verbands (im Fachjargon die STRUMA) steht immer wieder im Blickpunkt.

Anderer Meinung. Schiedsrichter Albert Wandl sah die Dinge beim Spiel zwischen Oberpullendorf und Klingenbach anders als die Verantwortlichen und Spieler des SC Oberpullendorf.  |  NOEN
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VON OTTO GANSRIGLER

Jeder Ausschluss, jede Anzeige und jeder Schiedsrichterbericht landet bei der STRUMA. Doch nicht in jedem Fall ist das Urteil für alle Beteiligten klar. Zuletzt gab es Wirbel rund um den SC Oberpullendorf, wie Trainer Didi Heger zu Protokoll gab: „So macht Fußball einfach keinen Spaß. Wir fühlen uns von Schiedsrichter Albert Wandl verschaukelt.“

Was war passiert? Grund dieser Aussagen ist laut Heger eine völlig falsche Darstellung der Geschehnisse von Schiedsrichter Albert Wandl beim Heimspiel gegen den ASK Klingenbach. Die Folge: Spielmacher Pavol Kovac fasste neben der harten Ampelkarte nach drei Minuten und der obligatorischen Sperre noch eine zusätzliche Matchstrafe von zwei Spielen aus. Kovac soll Linienrichter Boskovski beim Abgang als Trottel bezeichnet haben. „Das habe ich nie gesagt“, meint der slowakische Spielmacher.

Aussage stand  gegen Aussage

 

Auch Maxi Estl wurde nach dem Abpfiff angezeigt. Er kassierte ein Spiel Sperre von der STRUMA. „Klar war der Spieler aufgebracht. Er hat in unserer Kabine seinem Unmut freien Lauf gelassen. Beim Vorbeigehen hat das der Schiedsrichter gehört und ihn angezeigt“, so Heger. Im Bericht soll Wandl aber geschrieben haben, dass Estl im Kabinentrakt auf ihn wartete, zu ihm sagte, dass er sich beschissen fühlt und sein Dress vor die Beine des Referees warf. Es stand bei der STRUMA-Sitzung also Aussage gegen Aussage. Der Spieler wurde für ein Spiel gesperrt. Oberpullendorf legte gegen das Urteil zwar Protest ein, dennoch musste Estl gegen Oberwart seine Sperre absitzen. Schließlich konnte das Protestkomitee klarerweise nicht so schnell zusammentreten, um den Einspruch zu begutachten.

„Eigentlich unnötig, einen  Protest anzustreben“

 

Denn: Die STRUMA-Sitzungen finden immer am Donnerstag statt, die nächste Partie der Oberpullendorfer ging aber schon am Freitag über die Bühne. Und: Spieler müssen trotz eines schwebenden Verfahrens ihre Strafe absitzen.

Doch was würde passieren, wenn der Spieler freigesprochen wird? Bekommt er dann die Sperre gut geschrieben? Darauf wusste STRUMA-Obmann Nikolaus Sauer eine Antwort: „Eigentlich ist es unnötig, einen Protest anzustreben. Die Strafe ist abgesessen und es wird sich auch vor dem Protestkomitee nichts ändern.“ Weiters stellte der der Neufelder klar: „Was sollen wir machen, wenn wir den Schiedsrichterberichten keinen Glauben mehr schenken? Wir müssen das als die Wahrheit ansehen. Bei undurchsichtigen Anzeigen fällen wir unser Urteil immer so gering wie möglich.“ Einzig der Schiri könnte seine Aussage vor dem Protestkomitee revidieren, aber das wird vermutlich nicht passieren.

STIMMEN ZUR SITUATION

„In 99,9 Prozent aller Fälle sagen die Schiedsrichter, wenn sie vor das Protestkomitee geladen werden, dasselbe aus, was sie auch in der Niederschrift geschrieben haben. Emotionen gehören zum Fußball, aber es muss einfach Grenzen geben. Es darf nie beleidigend werden.“

Karl Schmidt, BFV-Funktionär

„Wenn man am Sportplatz eine stille Messe liest, dann gewöhnt man den Zuschauern den Fußball ab. Es darf aber nie unter die Gürtellinie gehen. Fair Play muss groß geschrieben werden.“

Nikolaus Sauer, STRUMA-Obmann

„Ich kenne mich mit STRUMA-Geschichten gut aus. Der Schiedsrichter hat einfach die oberste Macht. Was im Bericht steht – ob wahr oder unwahr - ist schlussendlich egal. Das ist einfach Gesetz.“

Hannes Marzi, Trainer ASK Horitschon

„Ich verstehe, dass Spieler und Trainer Strafen kassieren, wenn sie sich daneben benehmen, aber man muss einfach bei der Wahrheit bleiben. Es kann nicht sein, dass ein Schiedsrichter einen Spieler mit einem falschen Bericht in Misskredit bringen kann.“

Didi Heger, Trainer SC Oberpullendorf

„Beiden Parteien sollte wie vor Gericht 50:50 geglaubt werden. Vor der STRUMA kann man sich aber nur rechtfertigen. Gültigkeit hat aber immer der Schiedsrichterbericht. Es gibt viele korrekte Referees, aber leider auch einige schwarze Schafe, die ihre Zunft in Verruf bringen und nicht immer bei der Wahrheit bleiben.“

Franz Ponweiser, Trainer SC Ritzing

 „Ich will mich nicht zu diesem Thema äußern. Das ist ein eigenes Kapitel. Meine Meinung würde ja auch nichts ändern.“

Wolfgang Weber, Trainer SC Piringsdorf

„Es ist für die STRUMA keine einfache Situation. Sie kann den Sachverhalt nie wirklich kennen, daher schlägt sie sich auf die Seite des Schiedsrichters. Ich kann aber auch kein besseres System vorschlagen.“

Rainer Hack, Nachwuchsleiter Neckenmarkt