Wolfau

Erstellt am 28. September 2016, 03:53

von Patrick Bauer

Wolfau: Verein steht hinter Flüchtling Abdul. Abdul Shakul Rufai kickt seit Juni beim SV Wolfau und gemeinsam kämpft man nun für einen Verbleib des Ghanaers.

 |  BVZ

Beim SV Wolfau läuft es sportlich rund. Nachdem man im Vorjahr kurz vor Saisonende noch die Rote Laterne an Hochart weitergab, steht man in der noch jungen Spielzeit im Spitzenfeld der 2. Klasse Süd A. Die Gründe hierfür sind vielfältiger Natur.

Im Asylverfahren sieht es nicht gut aus

Zum einen profitiert man vom guten jungen Stamm, der zuletzt einen Sprung nach vorne machte und zum anderen von den starken Legionären Sulaimon Adedoja und Jernej Strelec. Und dann gibt es ja auch noch Abdul Rufai, gebürtiger Ghanaer, der im Mai den Weg in den Ort nahe der steirischen Grenze fand und wie so viele andere in seinem jungen Leben eine wahre Odyssee verlebte, die ihn über verschiedene Stationen nach Österreich brachte.

Dabei könnte seine Geschichte in Wolfau bald vorbei sein, denn im laufenden Asylverfahren sieht es nicht gut aus und das ganze Wolfs-Rudel fragt sich eigentlich: Warum? „Abdul wurde im Mai in unser Heim überstellt und war dann von Beginn weg eigentlich immer am Sportplatz anzutreffen“, sagte Trainer Roman Stelzer, der anfügte: „Er fragte dann, ob er mittrainieren könne. Diesem Wunsch sind wir nachgekommen und er war nicht nur fußballerisch interessant, sondern fand sofort Anschluss. Wir meldeten ihn an, ab Sommer zählte er zun Kader.“

„Skeptiker“ wurden bald ruhig gestellt

Dabei wurde Rufai nicht nur mit offenen Armen empfangen. Sein Trainer nannte sie „Skeptiker“, die aber schnell ruhig gestellt wurden. Umgänglich, keine Scheu kennend, lernwillig und dazu auch noch freundlich, zählt er mittlerweile zu den Lieblingen des Publikums. Stelzer: „Abdul hat sich sofort in die Herzen der Zuseher gespielt.“

Auf der Sechs hält er den Laden defensiv zusammen und ist auch offensiv immer für eine Aktion gut. Einen „richtig guten Fußballer“ nannte ihn sein „Chef“, der „einiges draufhabe“, aber natürlich noch sehr vieles zu lernen. Wenn möglich in Wolfau, wobei das sehr ungewiss ist.

Vor einigen Wochen bekam er nämlich ein Schreiben, worin stand, dass er kein Recht auf einen Asylanspruch in Österreich habe. Rufai suchte danach ein Beratungsgespräch auf, wo ihm auch ein Vereinsvertreter zur Seite stand, dieser aber wenig bewirken konnte, denn Anfang Oktober droht die Abschiebung nach Italien.

„Wirklich fair ist das Ganze nicht, denn einerseits sollen wir als Vereine den Menschen helfen und wenn es passt, werden sie wieder weggeschickt“, haderte Stelzer, um anzufügen: „Wir wollen nur, dass er eine faire Chance erhält. Die war bisher nicht gegeben. Abdul sieht Österreich als Chance, will die Schule abschließen, eine Arbeit finden und Fußball spielen. Auch wenn er sich mit dem Deutschsprechen noch schwer tut, ist er dahinter. Er soll nur wie alle anderen behandelt werden.“

Sollte das nicht passieren, könnte es auch das Ende etwaiger ausländischer Hilfskraft in Wolfau sein, denn Kontinuität kommt so nur schwerlich rein: „Es wurden Freundschaften geschlossen und wenn sie sofort wieder weggeschickt werden, hat es kaum Sinn.“ Noch ist es aber nicht so weit, die Wolfauer kämpfen um Abduls Verbleib.