Erstellt am 04. Mai 2011, 00:00

Auf dem Weg zurück. 2. KLASSE A SÜD / Rainer Ulreich (36) über seine schwere Krankheit und darüber, was ihm in dieser Zeit Halt gab.

Kämpfernatur. Rainer Ulreich hat eine schwere Zeit hinter sich. Der langjährige Kicker in Mariasdorf und Oberschützen hat in Bernstein seine fußballerische Heimat gefunden. Seinem Ziel, noch einmal in der Kampfmannschaft zu kicken, ist er nach erfolgreicher Chemotherapie wieder ganz nah. ARCHIV  |  NOEN
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VON PATRICK BAUER

Vor neun Monaten kam der Schock für Rainer Ulreich: Diagnose „Lymphom am Schlüsselbein“. Nach einer überstandenen Chemotherapie gab Ulreich, der auch in Mariasdorf und Oberschützen kickte, am Wochenende sein Comeback in der Bernsteiner Reserve-Mannschaft.

 

BVZ: Herr Ulreich, wie war Ihre erste Reaktion auf die Diagnose?

Rainer Ulreich: Es war nach einem Vorbereitungsspiel gegen Bad Tatzmannsdorf. Zuerst dachte ich, es sei eine Zerrung, aber als mich der Arzt mit der Diagnose konfrontierte, war es natürlich ein Schock. Im ersten Moment weißt du gar nicht, was mit dir passiert.

 

BVZ: Was hat Ihnen in dieser Zeit Kraft gegeben?

Ulreich: Natürlich in erster Linie die Familie und meine Arbeitskollegen bei der Polizei in Wien. Aber auch der Fußball hat mir geholfen. Ich habe viele Spiele in dieser Zeit besucht und mein Wunsch war es, noch einmal auf dem Platz zu stehen, obwohl ich meine Karriere eigentlich schon beenden wollte. Aber so wollte ich nicht aufhören.

 

BVZ: Wie haben Sie sich zurückgekämpft?

Ulreich: Ich bin dann selber laufen gegangen. Beim ersten Mal bin ich 200 Meter gelaufen und fast verzweifelt. Wenn man dann zwei Tage später 300 Meter schafft, freut das. Ich möchte den Jungen vielleicht ein wenig Mut machen und daran appellieren, dass man alles schaffen kann.

 

BVZ: Am Wochenende feierten Sie Ihr Comeback in der Reserve. Wann sehen wir Sie in der „Ersten“ wieder?

Ulreich: Mein Ziel ist es schon, wieder in die Kampfmannschaft zurück zu kommen. Aber erst im nächsten Jahr, da schon noch eine gewisse Unsicherheit mit dabei ist.

 

BVZ: Wie haben Ihre Mitspieler in Bernstein auf das Comeback reagiert?

Ulreich: Sie haben mich immer unterstützt und mir immer das Gefühl gegeben, dass ich zur Mannschaft gehöre. Viele haben gesagt, dass sie es super finden, dass ich zurück bin und sie sagen auch, was ich geschafft habe, gefällt ihnen und motiviert sie.

 

BVZ: In Bernstein verläuft es mit vier Siegen in der Rückrunde sehr positiv. Wie sehen Sie die derzeitige Entwicklung?

Ulreich: Ich freue mich mit. Die Rückrunde läuft super, auch wenn ein bisschen Glück dabei war. Aber ich will nicht mehr nur zuschauen, sondern selbst mitspielen.

 

BVZ: Genießen Sie den Fußball jetzt intensiver?

Ulreich: Ich habe mir im Allgemeinen sehr viele Spiele angesehen und mir ist aufgefallen, dass viele Junge nicht mehr mit Spaß dabei sind, sondern es für viele nur mehr ein Muss ist. Ich weiß erst jetzt, wie es ist, zusehen zu müssen. Ich genieße den Fußball deswegen jetzt umso mehr.