Erstellt am 16. April 2014, 09:48

von Patrick Bauer

Benkö: „Hut ab, Kemal!“. Kurz vor dem Ende schaukelten sich die Emotionen beim Spiel zwischen Deutsch Kaltenbrunn und Buchschachen (3:2) hoch. Der Grund war ein Elfmeterpfiff in letzter Minute.

Schwere Aufgabe. Schon nach dem ersten Elfmeter in Halbzeit eins waren die Buchschachener Akos Seper (m.) und Dominik Hofmann-Wellenhof mit der Entscheidung von Schiri Kazanci nicht zufrieden. Das steigerte sich in der Schlussphase noch einmal und die Partie stand kurz vor dem Abbruch.  |  NOEN

Diesen Tag wird Kemal Kazanci so schnell wohl nicht vergessen. Der junge Schiri, der sein erstes Spiel in der 2. Liga leiten durfte, hatte eigentlich bis zur 90. Minute einen eher ruhigen Nachmittag. Dann gingen die Gemüter hoch. Was war passiert?

„Er hat den Pfiff nur schlecht verkauft“

Kurz vor dem Ende beim Stand von 2:2 wollten beide Mannschaften den Sieg. Die Hausherren spielten einen Konter, bei dem Windisch einen Pass durchsteckte und Christian Resetarits im Strafraum gelegt wurde. Der Unparteiische pfiff und zeigte zumindest laut Kaltenbrunner-Meinungen sofort auf den Elferpunkt. Diese Version bestätigte auch Schiedsrichter-Beobachter Günter Benkö, der ebenfalls anwesend war.

„Er hat seinen Pfiff schlecht verkauft. Kemal hätte sofort zum Punkt gehen müssen.“ Das tat er aber nicht, sondern konzentrierte sich auf eine Aktion, die in seinem Rücken passierte. Kurze Zeit wusste niemand, was nun passieren sollte. Elfmeter oder doch Freistoß? „Elfer, kein Elfer – keiner kannte sich mehr aus“, so Buchschachens Sportlicher Leiter Ludwig Tuba. Plötzlich standen Verantwortliche und Trainer am Platz und bedrängten Kazanci.

Dieser konnte aus seiner Haut nicht mehr heraus und wusste nicht, was er tun sollte. „Er war dann mit der Aktion komplett überfordert und hat sich eine gute Leistung komplett zerhaut“, so Kaltenbrunns Coach Christian Maier.

„Hut ab vor meinem Kollegen, dass er es zu Ende brachte"

Es dauerte rund zehn Minuten, ehe der Strafstoß ausgeführt werden konnte und Jürgen Hütter den späten 3:2-Siegtreffer sicherstellte.

Benkö ließ unterdessen kein gutes Haar an den Beteiligten: „Das Spiel stand am Rande eines Abbruchs. Hut ab vor meinem Kollegen, dass er es zu Ende brachte. So ein Verhalten von beiden Mannschaften habe ich in meiner langen Karriere noch nicht erlebt. Selbst das Halbfinale bei der Europameisterschaft zwischen Frankreich und Portugal war da ein Kinderspiel dagegen.“

Benkö glaubt nicht an vorzeitiges Karriereende

Noch am vergangenen Montag bat Benkö den Schiedsrichter in sein Büro. Dort wurde die Begegnung aufgearbeitet. Dabei musste sich Kazanci nur einem Kritikpunkt stellen, dass er seinen Pfiff nicht konsequent durchdrückte.

An ein vorzeitiges Karriereende nach diesem Vorfall glaubt Benkö nicht. Ganz im Gegenteil. Schon am kommenden Wochenende wird Kazanci seine nächsten Partien leiten. „Kemal ist eine starke Persönlichkeit. Ich wäre froh, wenn ich 20 von solchen Schiedsrichtern hätte. Nach dem Schlusspfiff war er zwar total fertig, aber wir werden seine Leistung analysieren und dann wird es ganz normal für ihn weitergehen.“