Erstellt am 21. Dezember 2011, 00:00

bringt Bewegung ins Spiel. Sperre nicht abfinden – der BVZ liegen in dem Zusammenhang pikante Details vor.

 |  NOEN
VON BERNHARD FENZ

Anfang des neuen Jahres wollen Michael Knopf und sein Anwalt Werner Johannes Krauss eine Schadenersatzklage gegen die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA einreichen – die BVZ berichtete in der vorwöchigen Ausgabe.

Weil der 31-jährige Ex-Rennfahrer – mittlerweile betreibt er ein Radgeschäft in Mattersburg und ist somit Profi a.D. – aufgrund einer Suspendierung wenige Tage vor der Österreich-Rundfahrt 2010 den Saisonhöhepunkt verpasst hatte, musste er auch einen entsprechenden finanziellen Schaden schlucken. Die Suspendierung wurde dann wieder aufgehoben, weshalb Knopf nun vor einem ordentlichen Gericht klagen wird.

„Vollkommen normal“  hier, „eigenartig“ da

Mit der Sperre als Dopingsünder (Knopf wurde in zweiter Instanz wegen des Besitzes von Dopingmitteln verurteilt) hat diese anstehende gerichtliche Angelegenheit nichts zu tun. Weil aber nun auch von der Verhandlung vor der Unabhängigen Doping-Schiedskommission am 20. Juli dieses Jahres Details auftauchten, steht für Knopf und seinen Anwalt sogar im Raum, auch die Sperre vor einem ordentlichen Gericht zumindest zu thematisieren.

So gibt es neben dem offiziellen Protokoll ein zweites Protokoll, das der BVZ vorliegt und das die Beratung der Schiedskommissions-Mitglieder unter der Leitung von Rechtsanwalt Peter Döller dokumentiert. „Es ist vollkommen normal, dass es neben dem Protokoll auch ein Beratungsprotokoll gibt – allerdings kennen das eigentlich nur die Schiedskommissions-Mitglieder –, es soll für die Kommission intern dokumentieren, wer welchen Gedankengang hat,“ so der Vorsitzende der Kommission.

Interessant ist das interne Protokoll deshalb, weil dabei Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Aussagen jenes Zeugen – eines ehemaligen Teamkollegen von Knopf – gehegt werden, der den Burgenländer vor dem Bundeskriminalamt (BKA) belastete.

Als Schlussfolgerung der Kommission wurde Knopf vom Verdacht der Weitergabe entlastet (siehe Faksimile links). Im an die Parteien ausgehändigten offiziellen Protokoll finden diese Hintergründe zur Causa allerdings keine Berücksichtigung.

Ob das einfach nichts zur Sache tut oder einfach nicht im offiziellen Protokoll stehen soll, bleibt Spekulation.

Fakt ist, dass letztlich die Telefonüberwachungsprotokolle des besagten Zeugen für die Schiedskommission ausschlaggebend waren, um Knopf wegen Besitzes zu sperren. Döller selbst gab zu den Inhalten keine Infos preis und verwies auf seine Verschwiegenheitspflicht. Sehr wohl stellte er gegenüber der BVZ aber klar: „In der Grundaussage gibt es zwischen der schriftlichen Ausfertigung der Entscheidung und den Gedanken, die in einem solchen Beratungsprotokoll stehen, keinen Unterschied.“

Schadenersatzklage sicher,  Sperre als Thema möglich

Große Freude hat Knopfs Anwalt Werner Johannes Krauss mit dieser Optik aber nicht: „Für mich zeigt das einfach, wie eigenartig diese Kommission agiert.“ Nachsatz: „Ein Grundsatz wie „In dubio pro reo“ (Im Zweifel für den Angeklagten) scheint dort nicht berücksichtigt zu werden.“

Vorerst werde es aber nur zu einer Schadenersatzklage kommen. „Die stützt sich darauf, dass die erstinstanzliche Entscheidung, die zu der Suspendierung und der Sperre für die Österreich-Rundfahrt geführt hat, vollkommen falsch war und damit einen Schaden verursacht hat. Ob wir die Entscheidung und die Sperre an sich auch bekämpfen, das wissen wir noch nicht.“

Schließlich gibt es nach der Entscheidung der Unabhängigen Doping-Schiedskommission bekanntlich noch den Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne als letzte (sportrechtliche) Instanz.

Inwiefern dieses Thema also überhaupt vor einem ordentlichen Gericht behandelt wird, bleibt abzuwarten.