Erstellt am 31. August 2011, 00:00

heißer Tipp“. London 2012 und den Status quo des ÖOC.

 |  NOEN
x  |  NOEN

VON BERNHARD FENZ

BVZ: Sie sind seit Juni 2010 im Amt – seither ist das Österreichische Olympische Comité bemüht, nach den Skandalen transparent, glaubwürdig und offen zu wirken. Hätten Sie beim Blick zurück auf die vergangenen 15 Monate trotzdem gerne etwas anders gemacht?

Mennel: Nein. Wir haben alle Möglichkeiten, die uns wieder auf Kurs gebracht haben, ausgenützt. Sowohl im formalen, als auch im sportlichen Bereich – wie etwa dem Solidarity Found vom IOC, der sechs österreichische Sportler direkt unterstützt, um sich für London qualifizieren zu können. Wir haben auch andere markante Punkte gesetzt, etwa die Olympischen Jugendwinterspiele in Innsbruck. Und bei der Abstimmung für die Olympischen Jugendspiele 2015 haben wir mit Montafon/Liechtenstein mit einer Stimme Mehrheit gegen Sarajevo gewonnen.

 

BVZ: Wie viel Prozent ist hier Solidarität, wie viel Prozent ist Überzeugung?

Mennel: Ein Großteil der Nationen stimmt im Block ab, der Balkan etwa hat hier einige Stimmen. Bestimmte Staaten kooperieren sehr stark und stimmen zusammenhängend ab.

 

BVZ: Sehen Sie das negativ?

Mennel: Es kann negativ sein, dass man gute Chancen vertut oder tolle Projekte verhindert. Auf der anderen Seite ist Partnerschaft immer gut – das kann man schon auch positiv sehen. Uns muss es eben gelingen, auch Nachbarn zu finden, mit ihnen Kooperationen einzugehen und zu versuchen, auch solche Dinge umzusetzen. Da ist Montafon/Liechtenstein ein Paradebeispiel. Erstmals in der olympischen Bewegung ist eine olympische Veranstaltung grenzüberschreitend.

 

BVZ: Hatten Sie bei der Bewerbung mit Vorurteilen zu kämpfen? Schließlich ist der ÖOC-Ruf seit Bekanntwerden des Finanzskandals aus der Vergangenheit angeschlagen.

Mennel: Es war in den paar Monaten möglich, das Vertrauen der anderen Verbände und anderen olympischen Comités zu gewinnen und sie davon zu überzeugen, dass Österreich einen neuen Weg bestritten hat.

 

BVZ: Wie oft werden Sie eigentlich immer noch auf die Vergangenheit angesprochen?

Mennel: In der olympischen Bewegung selbst werde ich nicht mehr angesprochen, mit Ausnahme im IOC. Für mich ist die Vergangenheit etwas, was da ist und was bewältigt werden muss – aber das hindert mich nicht daran, über die Zukunft nachzudenken. Das ist mir wichtiger.

 

BVZ: Was fällt Ihnen zum Thema Sport im Burgenland ein?

Mennel: Ganz fasziniert war ich Ende Mai vom Tag des Sports im Burgenland, als tausende Kinder begeistert vor Ort waren und sich bewegt haben.

 

BVZ: Ein Event nach Ihrem Geschmack?

Mennel: Es war eine perfekte Veranstaltung. Sehr gefreut hat mich auch, dass die Innsbrucker gekommen sind und sich hier präsentiert haben.

BVZ: Entwickelt sich Österreich zum Land des Sports?

Mennel: Im Großen und Ganzen funktioniert das System ganz gut. Speziell im Sommersport könnte man aber noch aktiver werden. In der Breite setzt Peter Kleinmann jetzt eine tolle Initiative mit School Olympics, das ist eine Initiative mit den Sommerverbänden. Dabei lernen die Kinder, dass Bewegung keine Belastung, sondern Freude ist. Die Hürde, da drüberzukommen, muss früh gemeistert werden.

 

BVZ: Im Mai 2012 erfolgt die erste Kadernominierung für die Olympischen Spiele in London.

Mennel: Wir beschreiten hier mit einer zweiteiligen Kadernominierung Neuland. Der Grund ist, dass sich jene Athleten, die sich gemäß den internationalen Richtlinien qualifizieren, so zwei bis drei Monate ganz professionell auf den Tag X vorbereiten können. Wir werden uns da auf den Willen der Athleten verlassen, dass sie bei den Olympischen Spielen ihre persönlichen Bestleistungen abrufen wollen.

 

BVZ: Wann sind die Olympischen Spiele in London aus österreichischer Sicht ein Erfolg? Mennel: Wenn es uns gelingt, dass jeder Athlet nach den Spielen in London sagen kann, er hat seine persönliche Bestleistung unterboten, dann haben wir – unabhängig von Medaillen – perfekt und gut gearbeitet.

 

BVZ: Aus burgenländischer Sicht haben nächsten Sommer vor allem die Segler gute Chancen.

Mennel: Die Segler sind für mich immer ein heißer Tipp. Wir haben hier in Österreich nicht nur eine tolle Historie, sondern leisten auch eine hervorragende Jugendarbeit, die uns bei Olympischen Spielen in der Zukunft noch viel Freude bereiten wird.

 

BVZ: Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang das Bundesleistungszentrum in Neusiedl?

Mennel: Jedes Leistungszentrum ist ein wichtiger Mosaikstein im Spitzensport, um sich in einer professionellen Umgebung professionell vorzubereiten.

 

BVZ: Medaillenchancen hätte das Burgenland wohl durch Nicole Trimmel im Kickboxen – das ist aber nicht olympisch. Werden noch Sportarten in das Programm aufgenommen?

Mennel: Es bestehen Möglichkeiten im Jugendbereich. Insgesamt wird es im Sommer aber äußerst schwierig, neue Sportarten hereinzunehmen, denn dann müssten andere raus. Bei den Sommerspielen nehmen über 10.000 Athleten teil, da gibt es logistische Grenzen.

 

BVZ: Müsste nicht im Sinne der Attraktivität einmal ausgemistet und getauscht werden?

Mennel: Die Tendenz ist, dass einzelne Sparten, die nicht so gut ausgestattet und verbreitet sind, reduziert werden und dafür andere, moderne Sportarten hereinkommen oder auch wieder alte neu aufgesetzt und modernisiert werden. Beispiel Biathlon: Wo war Biathlon vor zehn Jahren, und wo ist Biathlon heute? Es ist ein medial perfekt und gut aufbereiteter Sport geworden, der irrsinnig spannend ist und perfekt umgesetzt wird.

 

BVZ: Was wäre tauschwürdig?

Mennel: Das Gehen in der Leichtathletik etwa ist für mich ein sehr schwieriges Thema – wenn ich bei 20 Kilometer Gehen plötzlich 100 Meter vor dem Ziel disqualifiziert werde, weil ich ins Laufen komme.

BVZ: Sie sind Vorarlberger, leben nun in Wien und arbeiten im ÖOC in Oberwaltersdorf. Bei diesen flachländischen Gegebenheiten müssten Sie eigentlich verzweifeln.

Mennel: Überhaupt nicht. Ich war schon ein paar Mal auf der Rax. Dort gehe ich auf die Otto-Hütte rauf – das ist eine Tour, die man in der Früh schnell absolvieren kann und die gut tut. Am Wienerberg kann ich gut laufen und beim Formel I-Rennen sitze ich am Ergometer.

 

BVZ: Kein Fußball?

Mennel: Zumindest bin ich kein ausgeprägter Fanatiker und sehe es etwas kritisch, dass im Fußball schon sehr früh Gelder im Spiel sind – im Gegensatz zu anderen Sportarten. Niemand wird einen Skifahrer finden, der mit 14, 15, 16 Jahren schon etwas bezahlt bekommt. Der muss froh sein, wenn er seine Ausrüstung erhält. Das ist der große Unterschied. Ich sehe es problematisch, wenn ein Jugendlicher mit 15 Jahren irgendwo eine Prämie dafür bekommt, dass er Fußball spielt.

 

BVZ: Mittlerweise wird das Thema Bezahlung im Fußball bereits zumindest kritischer gesehen.

Mennel: Nur kritisch sehen ist aber zu wenig. Das Problem zu lösen, ist Sache des Fußballverbandes.

Geld für die Kicker schon in jungen Jahren – mit dieser Praxis kann Mennel gar nichts anfangen …