Erstellt am 19. August 2015, 06:42

von Daniel Fenz

Hitzefrei als Ausweg? Neue Reform gefordert. BFV-Geschäftsführer Simon Knöbl weiß über die schwierige Situation nach der Hitzewelle Bescheid.

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Das beinahe schon unerträglich warme Wetter machte in den letzten Tagen und Wochen nicht nur den „Normalsterblichen“ zu schaffen. Noch schlimmer erwischte es die Fußballer, die teilweise bei 50 Grad in der prallen Sonne zur Unzeit von beispielsweise 15 Uhr kicken mussten.

Jetzt erreichte die BVZ ein Leserbrief von Rudersdorfs Funktionär Werner Damhösl (siehe unten), der seinem Ärger Luft machte.

Späterer Meisterschafts-Start wird angeregt

Der Grund? Eine Nachverschiebung von 17 auf etwa 18 Uhr war laut BFV nicht möglich, um der ärgsten Hitze zu entgehen. Dabei regte der Schriftführer-Stellvertreter auch an, die Meisterschaft später zu starten, da die Winter möglicherweise milder werden und auch im November ein regulärer Betrieb möglich wäre.

Das soll in naher Zukunft auch passieren, wie BFV-Geschäftsführer Simon Knöbl versicherte: „Diese Thematik wurde in den Gruppensitzungen im Norden und im Süden bereits angegangen.“ Mit Erfolg, da etwa die Gruppe Nord schon eine Woche später seine Spielzeiten begann.

Knöbl: „Wer misst die 35 Grad am Sportplatz?“

Laut Knöbl sei das im Süden aber nicht so einfach möglich. „Sowohl die Vereinsanzahl – 17er-Meisterschaft – sowie die Thematik des Feiertages am 15. August müssen berücksichtigt werden. Und auch das Wetter ist ein großer Faktor dabei.“

So wäre ein regulärer Ablauf vor zwei Jahren nicht möglich gewesen, da sich das Wetter im Oktober sehr wechselhaft präsentierte. Aber erste Schritte wurden unterdessen eingeleitet. So soll beim nächsten Spielausschuss die Thematik „Hitzefrei“ auf den Tisch kommen. Aber: „Wer misst die 35 Grad? Ab wann zählt es? Zwei Stunden vor Spielbeginn?“



Zwei Vorschläge aus dem Norden und Süden sind ebenfalls schon im Verband eingelangt. „Es gibt verschiedene Ansätze, wir schauen uns alle an und denken darüber intensiv nach.“

Zum Abschluss befragte die BVZ den BFV-Geschäftsführer auch nach einem Gerücht, dass zuletzt herumkursierte, bei der die letzten Klassen ganz aufgelöst werden sollen. „Die Frage dabei ist, was passiert, wenn wir die 2. Klassen auflösen und drei 1. Klassen einführen? Wenn wir das machen würden, gäbe es 45 Vereine in einer Spielklasse.“


Leserbrief: „Denkanstoß für den Fußballverband“

Extreme Hitzeperiode im Sommer: Spätere Beginnzeiten oder ein späterer Meisterschaftsstart – ein Denkanstoß, diese Thematik greift jetzt ein Rudersdorfer Funktionär auf. „Derzeit ist die Verschiebung eines Meisterschaftsspieles von 17 auf 18 Uhr nur möglich, wenn eine kommissionierte Flutlichtanlage vorhanden ist, obwohl es während der Hitzeperioden in der ersten Augusthälfte bis 20.30 Uhr hell war. Es wird selten früher dunkel, und dies meist nur, wenn Unwetter aufziehen. In solchen Fällen kann ohnehin nicht gespielt werden. Eine Flutlichtanlage hat nicht jeder Verein. Ein Spiel der U23 um 15 Uhr bei mehr als 35 Grad im Schatten und bei etwa 40 oder mehr auf dem Spielfeld ist für die Akteure eine Zumutung. Es besteht durch die intensive Sonneneinstrahlung und die extreme Hitze Hautkrebsgefahr und es kann zu Kreislauf- und Herzproblemen kommen. Experten warnen vor Sportausübung unter derartigen Bedingungen! Bau- und Straßenarbeiter müssen bei solchen Temperaturen oft gar nicht mehr arbeiten. Abgesehen davon halten sich Fußballfans um 17 Uhr noch im Freibad auf, also auch ein wirtschaftlicher Verlust für die Vereine. Da durch den Klimawandel laut Klimaexperten die extremen Hitzeperioden immer öfter auftreten und die Herbst- und Winter immer milder werden, wäre es doch angebracht, mit dem Meisterschaftsbetrieb im Amateurbereich erst Mitte August zu beginnen und dafür länger im November zu spielen. Derzeit ist die Herbstmeisterschaft bei 16 Vereinen Anfang November beendet. Es ist nicht mehr zumutbar, dass ab Mitte Juli – heuer war zu diesem Zeitpunkt die Übertrittszeit noch gar nicht beendet – die ersten zwei Runden des BFV-Cups gespielt werden. Die Sommerpause war derart kurz, dass für Cupteilnehmer der 2. Liga Süd oder anderer Klassen nur ein Monat Pause war. Zwei Wochen nach Ende der Frühjahrsmeisterschaft musste wieder mit dem Training begonnen werden.

Viele Aktive – obwohl Amateure – haben kaum mehr die Möglichkeit, einen Sommerurlaub zu genießen. Noch schwieriger ist es für Familienväter, die mit ihren Kindern in den Ferien nicht mehr Urlaub machen können, wenn sie die Trainingseinheiten und Aufbauspiele ernst nehmen. Einen Unterschied zwischen Profi- und Amateurfußball sollte es doch noch geben! Zwischen 2000 und 2010 war der Meisterschaftsbeginn bei 16 Vereinen immer zwischen 8. und 14. August festgelegt, in den 90er-Jahren ebenfalls bei 16 Vereinen zwischen 10. und 21. August, die Meisterschaft endete zwischen 10. Und 20. November. Heuer begann die Meisterschaft bei 16 Vereinen bereits am 1. August.

Warum war es früher möglich, länger in den Herbst hinein zu spielen, obwohl es damals noch „die vier normalen Jahreszeiten“ ohne extreme Hitzeperioden und viel längere und strengere Winter gegeben hat? Ich glaube nicht, dass bei 10 Grad im November weniger Zuschauer zu den Spielen kommen, als bei 35 bis 40 Ende Juli oder Anfang August. Die Gefahr eines Wintereinbruchs Mitte November war in den letzten Jahren kaum bis gar nicht gegeben.

Vielleicht ist dieser Leserbrief ein Denkanstoß für den Burgenländischen Fußballverband, bei Beginnzeiten etwas Flexibler zu sein oder über einen späteren Beginn des Meisterschaftsbetriebes nachzudenken.“

Schriftführer-Stellvertreter Werner Damhösl, Rudersdorf