Erstellt am 23. Januar 2013, 00:00

schon machen“. Philipp, der mit 23 Jahren bei der Austria für Aufsehen sorgt.

Alte Bekannte: Harald Hosiner mit einem Zeitungsausschnitt aus dem Jahr 2007. 1860 München gewann in Berlin den DFB-Junioren-Pokal, Philipp Hosiner traf in der 90. Minute zum 2:1-Sieg gegen Wolfsburg. Der damalige Trainer des Gegners war ein gewisser Peter Hyballa, heute Chefcoach bei Sturm Graz.  |  NOEN, Hafner
Von Bernhard Fenz

21 Tore zur Winterpause der Tipp3 Bundesliga. Vielumjubelter Shooting Star der Austria. Prominent. Voll im Profigeschäft angekommen.

Fußball-Österreich kennt Philipp Hosiner seit Sommer 2010, als er bei der Vienna durchstartete. So richtig prägend wurde der zurückhaltende Knipser überhaupt erst in den letzten eineinhalb Jahren, nachdem er von Döbling in die Südstadt gewechselt war, dem Traum-Premierenjahr der Admira in der Bundesliga seinen Stempel aufdrücken konnte und ab September als Stürmer für Violett noch erfolgreicher ins Schwarze traf.

Spielen in München,  Lernen in Sandhausen

Was der Eisenstädter davor gemacht hat, wissen außerhalb des Burgenlands bis auf interessierte Szene-Experten die wenigsten. Hierzulande hat man den Werdegang des rot-goldenen Exports hingegen sehr wohl verfolgt: Spielgemeinschaft Eisenstadt/St. Georgen, BNZ Burgenland, A-Jugend 1860 München, Amateure 1860 und schließlich Sandhausen in der dritten Deutschen Bundesliga stehen auf der Karriere-Liste. Das ist bekannt. Weiter in die Tiefe gehen können trotzdem nicht viele.

Harald Hosiner ist einer davon – er weiß als stolzer Vater und Unterstützer, wovon er spricht. Dass sein Sprössling bereits im Alter von fünf Jahren mit dem Kicken begonnen hat und seitdem den Traum des Profifußballers anstrebt. Und dass es die alleinige Entscheidung des damals 17-Jährigen war, Österreich zu verlassen und nach München zu gehen.

„Er wollte das immer schon machen. Wir haben ihm weder geraten zu bleiben noch zu gehen, sondern lediglich unterstützt.“ Bei „Wir“ meint der gebürtige St. Margarethener sich und seine Frau Maria, die in weiterer Folge praktisch kein 60er-Heimspiel versäumten und vor Ort dem Sohnemann die Daumen drückten.

Der wusste auch nach drei Jahren in München, was er wollte, und entschied sich gegen die Löwen und für Sandhausen. „1860 wollte ihn behalten und für zwei weitere Jahre verpflichten, allerdings sollte er das erste Jahr noch bei den Amateuren bleiben. Philipp strebte aber den erweiterten Kader an und wollte schon bei den Profis zumindest trainieren. Das hat dann nicht mit seinem nächsten geplanten Sprung zusammengepasst.“

Ob dann das Jahr in Sandhausen sportlich Sinn machte, sei dahingestellt. Noch heute zieht Philipp Hosiner, der damals als Jungspund nur wenig zum Zug kam, positive Lehren und sagt: „Es war eine sinnvolle Zeit, weil ich von den arrivierten Spielern profitiert habe.“
 

„Bislang hatte ich nicht ein einziges Mal auch nur den Eindruck, dass er abheben könnte.“
Harald Hosiner auf die Frage über die mögliche Gefahr, dass seinem Sohn Philipp der Erfolg zu Kopf steigen könnte

 

Der Rest ist bekannt. Vienna, Admira, Austria, alles im Ein-Jahres-Rhythmus. Das ist, wenn man so will, auch der einzige Punkt, über den Harald Hosiner nicht ganz glücklich ist: „Er spielt im vierten Jahr beim vierten Verein, andererseits ist es nach Sandhausen immer aufwärts gegangen.“

Der Trend richtete sich so gesehen nach Hosiners Leistungen. Erst Abstiegskampf Erste Liga (Vienna), dann Premierenjahr Bundesliga (Admira), jetzt Titelkampf Bundesliga (Austria). Auffallend: Überall traf der mittlerweile 23-Jährige wie am Schnürchen. Geht alles trotzdem zu schnell?

Sein Vater verneint: „Warum soll man das bremsen, wenn es gut läuft für ihn?“ Mögliche Antwort: Um die Gefahr einzudämmen, frühzeitig abzuheben, ohne gefestigt zu sein. Das sieht der Postbus-Chauffeur aber nicht so. Zu klar und geordnet sei die Persönlichkeitsstruktur seines Sohnes: „In dieser Hinsicht mache ich mir überhaupt keine Gedanken, im Gegenteil. Bislang hatte ich nicht ein einziges Mal auch nur den Eindruck, dass er abheben könnte. Philipp ist sehr bodenständig, hinterfragt vieles, ist selbstkritisch und genießt vor allem nur den Moment.“

Berater und Spieler, aber vor allem Vater und Sohn

So ist es auch nur naheliegend, dass der Vater nicht die verbale Keule schwingt, wenn es um Zukunftspläne geht. „Jetzt muss er einmal die Leistungen vom Herbst bestätigen – das Ziel ist der Titel mit der Austria und in weiterer Folge der Einsatz im Europapokal.“ Harald Hosiner selbst würde es übrigens begrüßen, wenn sich Philipp auch noch in der nächsten Saison für die Wiener Austria zerreißen würde. Im gleichen Atemzug fällt freilich auch der Absicherungs-Standardsager: „Im Fußball kann es natürlich auch schnell gehen. Früher oder später will er schließlich wieder im Ausland spielen.“

Dabei darf der Vater übrigens mitreden. Harald H. – der sich für Philipp ein Comeback in Deutschland gut vorstellen kann – zählt schließlich, wie er selbst mit einem Schmunzeln bestätigt, „zum Kreis seiner sogenannten Berater“ (vertreten wird der Stürmer von Rechtsanwalt Wolfgang Rebernig) dazu.

Als solcher ist er aber nicht vordergründig ein Geschäftsmann an der Seite eines erfolgreichen Profifußballers, sondern vor allem Vater seines Sohnes, der pragmatisch denkt und nur das Beste will. Ein Beispiel: „Ich zeichne jedes Spiel von ihm auf. Wir halten dann nach jeder Partie Rücksprache und analysieren gemeinsam, was gut und was weniger gut war. Wenn er am Sonntag in Eisenstadt ist, schauen wir uns das Match auch oft noch einmal gemeinsam an.“ Apropos pragmatisch. So fällt auch die Antwort auf die Frage aus, wann Goaleador Hosiner unter Teamchef Marcel Koller erstmals einberufen werde. „Ich sage ihm da immer, er soll sich keinen Druck machen: Einfach spielen, so wie er es kann, dann wird es schon klappen.“