Erstellt am 24. Juli 2013, 00:00

Unterschiedliche Wege zum Glück. Erste Liga / Parndorf will den Auftakt-Schwung nach Kapfenberg mitnehmen. Bei Mattersburg sollen körperliche Schmerzen helfen.

Haarscharf: Lustenau-Goalie Christopher Knett lenkte einen Hechtkopfball von Parndorf-Legionär Martin Mikulic (r.) an die Stange und ins Torout. Der Aufsteiger gewann beinahe, Endstand 0:0.Bernhard Fenz  |  NOEN
Von Bernhard Fenz

Auf einer Skala von null bis zehn – null ist katastrophal, zehn hervorragend – legte sich Parndorf-Obmann Gerhard Milletich nach dem 0:0 zum Auftakt gegen Austria Lustenau auf einen Wert „zwischen sieben und acht“ fest. Für den Boss des Aufsteigers waren Ablauf, Zuspruch und sportliche Leistung also durchaus zufriedenstellend.

Trainer Paul Hafner wiederum lag mit einer „Sechs“ eine Nuance tiefer. Warum? „Die Leistung der Mannschaft war ok, trotzdem: Wenn man X spielt, kann ich nicht sagen, dass ich völlig zufrieden bin.“ Mehr drin war für den 36-Jährigen vor allem deshalb, weil der SC/ESV den Sieg bei zwei Großchancen von Martin Mikulic und Martin Marosi vor Augen hatte – beide Male rettete Goalie Christopher Knett.

Körperliche Stärke als positive Erkenntnis 

Aber: Davor vereitelte Parndorfs Schlussmann Udo Siebenhandl („Der Unterschied von der Ostliga zur Ersten Liga ist spürbar, du stehst als Goalie viel mehr auf dem Prüfstand, bist öfter eingebunden“) gegen Jailson und Thiago zweimal bravourös einen Rückstand. Hafner: „Siebenhandl hat uns im Spiel gehalten und Knett hat dann das Unentschieden für Lustenau gerettet.“ Besonders zufrieden registrierte der Cheftrainer übrigens den Umstand, dass seine Mannschaft im Finish körperlich am Drücker blieb. „Laufarbeit und Kraft haben absolut gepasst.“

Mit dem Schwung des Auftakts soll es nun auch am Freitag (18.30 Uhr) in Kapfenberg mit einem Punktezuwachs klappen – vor allem, wenn man schon eine Runde weiter blickt. „Wir wollen etwas mitnehmen, schließlich sind wir danach noch einmal auswärts bei Liefering im Einsatz. Und das wird verdammt schwer.“ Aber auch die Aufgabe in der Obersteiermark ist nicht von schlechten Eltern, zumal der KSV das 0:4 in St. Pölten vergessen machen möchte, wie Hafner betont: „Es ist eine gefährliche Situation, auf die wir uns einstellen müssen. Für Kapfenberg ist das jetzt ein geforderter Pflichtsieg. Ich glaube aber schon, dass man nach einem 0:4 ein bisschen nachdenken muss.“

Personell sollte der zuletzt angeschlagene Matthias Lindner (Zerrung) wieder fit sein. Patrick Baumeister (Beckenprobleme in Folge eines Bändereinrisses) könnte ebenfalls wieder zur Verfügung stehen.

Zu wenig Druck – jetzt soll es weh tun 

Beim SV Mattersburg hat sich der Stimmungsbarometer nach dem 0:3 bei Aufsteiger Liefering nur unweit des Gefrierpunkts bewegt. Klar: Ein Auftakt nach Maß war die Pleite im EM-Stadion Wals-Siezenheim nicht. Statt den engagierten Aufsteiger unter Druck zu setzen und zu verunsichern, flüchteten sich die Burgenländer zu sehr in die Alibi-Ecke. Trainer Alfred Tatar: „Im Spiel nach vorne haben wir einfach zu wenig Nachdruck erzeugt, defensiv waren wir zu wenig aggressiv.“ Was beim Absteiger nun möglichst rasch funktionieren muss, ist eine veränderte Denk- und Handlungsweise, wie der Chefcoach betonte. „Die Tugenden, mit denen der SVM in der Tipp3 Bundesliga gut durchgekommen ist, reichen eine Liga weiter unten nicht, um auch Meister zu werden. Dort könnten auch die Teams auf den Plätzen zwei und drei problemlos ganz oben mitspielen, daher muss viel mehr investiert werden. Wir müssen den Schalter umlegen und arbeiten längst daran.“

Ein Schlüssel liegt dabei auch in der nötigen Belastbarkeit: „Körperliche Schmerzen beim Training erleiden und erdulden, dazu muss jeder bereit sein.“ Es wird also auch im Alltag ordentlich krachen, damit sich Grün-Weiß im Match nicht nur spielerisch, sondern vor allem auch aggressiv präsentiert.

Diese Wucht, gepaart mit Spielwitz und dem Willen zum Kampf, wird am Freitag (18.30 Uhr) im Pappelstadion gegen Tabellenführer St. Pölten auch notwendig sein. Tatar: „Eine frech spielende und extrem bewegliche Truppe.“