Erstellt am 05. März 2014, 10:36

13 als Glückszahl für Österreich bei Paralympics. Im Schatten der Ukraine-Krise werden am Freitag (17.00 Uhr MEZ) in der russischen Schwarzmeer-Stadt Sotschi die XI. Paralympischen Winterspiele eröffnet.

Für Österreich soll die 13 zur Glückszahl werden, denn so groß ist das kleine aber schlagkräftige Team, das von Samstag bis 16. März in Krasnaja Poljana um Medaillen kämpft. Richten sollen es vor allem die gleich elf Alpinskifahrer im ÖPC-Team.

Mehr als 700 Sportler- und Sportlerinnen aus 45 Nationen kämpfen an neun Tagen und in sechs Sportarten in drei Kategorien (stehend, sitzend, sehbehindert) um Medaillen. Die Hoffnungen von Österreichs Alpinen tragen auf den gleichen Pisten, auf denen vor zwei bis vier Wochen Matthias Mayer und Co. geglänzt hatten, vor allem Matthias Lanzinger, Markus Salcher und Claudia Lösch. Der ehemalige Weltcup-Teilnehmer Lanzinger, der nach seinem Sturz 2008 in Kvitfjell und nachfolgender Unterschenkel-Amputation sein Paralympics-Debüt gibt, hat ebenso wie Salcher im Weltcup bewiesen, dass er zu den Mitfavoriten gehört.

"Fahren in jeder Disziplin um Medaillen mit"

"Praktisch jeder unserer Starter war im Weltcup auf dem Podest. Wir fahren daher in jeder Disziplin um Medaillen mit, es ist einiges zu erwarten", weiß auch Cheftrainer Manuel Hujara, dass die Latte hoch liegt.

Elf Medaillen hat Österreichs Team vor vier Jahren bei den Vancouver-Paralympics geholt. Das war die bisher schwächste Ausbeute Österreichs. In der ewigen Medaillenwertung jedoch rangiert Österreich mit 314 Stück Edelmetall, davon 102 Goldene, hinter Norwegen (134 Gold) und Deutschland (121) und vor den USA (96) immer noch auf Platz drei. Es war aber auch ein Zeichen der extremen Professionalisierung, die im Behindertensport gerade stattfindet.

Lanzinger will sich "Kindheitstraum erfüllen"

"Man hat sich entschlossen, die Latte hoch zu legen und nur noch Medaillen-Kandidaten mitzunehmen", erklärte Hujara die Zusammensetzung des Sotschi-Teams. Die Mannschaft profitiert auch vom Know-how des Skiverbandes und besteht inklusive der Vierfach-Weltmeisterin und Doppel-Titelverteidigerin Lösch aus elf Alpinen, einem Nordischen und einen Para-Snowboarder. Lösch als dreifache Behindertensportlerin des Jahres ist nach Verletzung und Rücktritt von Danja Haslacher die einzige ÖPC-Dame vor Ort. Die von vier Tonnen Übergepäck begleitete ÖPC-Mission kostet 790.000 Euro, die je zur Hälfte mit öffentlichen und Sponsoren-Geldern finanziert wird.

Vor allem Lanzinger geht mit vielen Emotionen an den Start seiner ersten und womöglich auch letzten Paralympics. "Es hat mich nicht los gelassen und ich möchte mir hier meinen Kindheitstraum erfüllen", hat der 33-jährige Salzburger daher große Erwartungen.

Konkurrenz ist extrem stark

Der frühere Weltcup-Teilnehmer hat mit seiner Entscheidung, nochmals wettkampfmäßig Skirennen zu fahren, dem Behindertensport in Österreich mediale Aufmerksamkeit verschafft. Eine "gemähte Wiese" fand er deshalb aber nicht vor: "Ich musste zu meinem Leidwesen erkennen, dass die Konkurrenz extrem stark und dicht ist. Gott sei Dank ist Markus aus dem eigenen Team mein stärkster Rivale."

Während Lanzinger in der Vorbereitung alles den Sotschi-Paralympics untergeordnet hat, hat der elf Jahre jüngere und von Geburt an halbseitig gelähmte Salcher den Weltcup erst ganz zum Schluss an Alexej Bugajew verloren. Der Russe ist einer aussichtsreichen Vertreter des Gastgeberlandes, das wie bei Olympia auch nach den Paralympics als erfolgreichste Nation dastehen will.

Para-Snowboarden feiert Premiere

Para-Snowboarden ist in Sotschi erstmals dabei, ins Alpin-Programm eingebettet und vorerst nur für Menschen mit Behinderung unter der Hüfte offen. Der Mödlinger HTL-Lehrer Georg Schwab (48) vertritt Österreich im Snowboard ebenso als "Solist" wie Michael Kurz (40) im Langlauf und Biathlon.

Auf dem Papier fahren Österreichs Alpine in Krasnaja Poljana in allen Bewerben um Medaillen mit, der Slalom ist zuletzt allerdings zur Schwachstelle geworden. Speziell hier gilt Bugajew als Favorit. "Wir hatten zuletzt eine sensationelle Weltmeisterschaft und trauen uns in Sotschi viel zu", gab sich Hujara zuversichtlich. Der Schwiegersohn des scheidenden FIS-Renndirektors Günter Hujara versprach: "Alles ist möglich, wir werden Vollgas geben."

Die Sotschi-Paralympics haben wie der große Bruder Olympia auch ihre Maskottchen, mit Namen Snezhinka (Schneeflocke) und Luchik (Lichstrahl). Dazu einen originellen Fackellauf und natürlich Eröffnungs- und Schlussfeier. 1.500 Medienvertreter verfolgen das Geschehen vor Ort.