Erstellt am 23. Oktober 2012, 13:58

150.000 Euro sind offen. Michael Knopf wurde vor der Österreich-Rundfahrt 2010 suspendiert – rechtswidrig, wie er per Anwaltsschreiben an Sportminister Norbert Darabos nun feststellt.

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Von Bernhard Fenz

Am 6. Jänner 2014 endet die Sperre von Ex-Profi Michael Knopf, dessen Fall am 28. Juni 2010 begonnen hat. Ab diesem Tag stand er offiziell unter Doping-Verdacht. Als Basis diente der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) damals ein von der Polizei abgehörtes Telefonat, aufgrund dessen Knopf der Besitz, die Einnahme und die Weitergabe von Dopingmitteln vorgeworfen wurde.

Der Zillingtaler beteuerte stets seine Unschuld. Knopfs Verteidigung: Er habe noch nie eine positive Dopingprobe abgegeben, zudem habe besagter Telefonzeuge (ein ehemaliger Teamkollege) beim polizeilichen Verhör Falschaussagen getätigt, außerdem sei dieser nicht zu den NADA-Verhandlungsterminen erschienen. Fazit: Nur die Telefonprotokolle seien in diesem Kontext eine dünne Beweislage.

Suspendierung laut Anwalt rechtswidrig

Per Anwaltsbrief fordert Knopf nun Schadenersatz in der Höhe von 150.000 Euro ein. Hintergrund: An besagtem 28. Juni 2010 wurde aufgrund des oben angeführten Verdachts über einen Prüfantrag ein Dopingverfahren vor der Rechtskommission der NADA gegen ihn eingeleitet. Am 2. Juli 2010 wurde der damalige KTM-Fahrer schließlich bis zum Abschluss des Dopingverfahrens suspendiert. Somit verpasste Knopf die am 4. Juli beginnende Österreich-Rundfahrt, für die er sich sportlich gute Chancen ausgerechnet hatte und finanziell konkrete Zusagen von 13 Sponsoren im Gesamtausmaß von 150.000 Euro hatte.

Knopfs Rechtsanwalt Johannes Krauss: „Dieser Suspendierungs-Beschluss ist rechtswidrig. Die Bestimmungen sind klar: Nur wenn eine positive Dopingrobe vorgelegen wäre, hätte eine Suspendierung vor Verfahrensbeendigung erfolgen können.“

Am 23. Juli 2010 wurde die Entscheidung der Rechtskommission in der nächsten Instanz von der unabhängigen Schiedskommission übrigens wieder aufgehoben. Da war die Österreich-Rundfahrt 2010 bekanntlich aber schon Geschichte.

Nach einem zähen Hin und Her bestätigte die unabhängige Schiedskommission der NADA in weiterer Folge schließlich im Juli 2011 die Sperre aufgrund des Vorwurfs des Besitzes mehrerer verbotener Substanzen. Pikanterweise wurde, wie ein inoffizielles Beratungsprotokoll dieser Verhandlung – das der BVZ vorliegt – belegt, die Glaubwürdigkeit des Zeugen in Frage gestellt (was im offiziellen Protokoll in so expliziter Form nicht mehr aufschien). Letztlich blieb für die Schiedskommission der Verdacht des Besitzes aufrecht.
Im Zuge eines Anspruchsschreibens an Sportminister Norbert Darabos begründete Johannes Krauss jetzt in sieben Punkten die Schadenersatzforderung. Diese richtet sich an die Republik Österreich, als Rechtsträger der NADA.
Aus dem Büro von Darabos hielt man sich noch bedeckt. Inhaltlich könne man sich vor Abschluss der internen Prüfung des Schreibens dazu nicht äußern. Es bestehe gemäß Paragraph acht des Amtshaftungsgesetzes (AHG) eine Frist von drei Monaten zur Beantwortung des Anspruchsschreibens. Diese werde in Absprache mit der Finanzprokuratur (Anwalt der Republik, Anm.) zeitnah erfolgen.
Vorerst spielt sich die Thematik also noch im außergerichtlichen Bereich ab. Sollte es zu keiner Einigung kommen, wird Knopf seine Ansprüche aber wohl gerichtlich einklagen.

Weiterer Ton-Mitschnitt als baldiger Aufreger?

Ob vor einem Richter in Bezug auf Schadenersatzforderungen die Handhabe der (in ihrer alten Besetzung mittlerweile ihres Amtes enthobenen) Rechtskommission der NADA unter dem Vorsitzenden Gernot Schaar thematisiert wird, bleibt fraglich. Heißes Material hätte Knopf, wie er verrät, allemal im Talon. Zur Erinnerung: Im Zuge des Verfahrens gegen den Ex-Langläufer Christian Hoffmann geriet ein akustischer Mitschnitt der Beratungen an die Öffentlichkeit, aufgrund dessen die Seriosität der Kommission schwerst in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Der Burgenländer verfügt ebenfalls über eine, wie er sagt, höchst pikante Aufnahme von einem Verfahren gegen einen anderen Sportler, das er zwar noch nicht jetzt, aber früher oder später verwenden will.

Bei seinem eigenen Verfahren vor der NADA-Rechtskommission dachte Michi Knopf übrigens nicht daran, mittels „vergessenem“ Handy einen (unerlaubten) Mitschnitt aufzunehmen. „Erlaubt oder nicht erlaubt: Im Nachhinein würde ich wirklich gerne die Strafe dafür zahlen. Ich könnte mir dafür in den Hintern beißen, dass ich damals nicht daran gedacht habe.“