Erstellt am 23. Juli 2015, 06:56

von Bernhard Fenz

Sprangler: "Habe nun genau das, was ich wollte". Sven Sprangler, Markus Kuster und Philipp Erhardt stehen im SVM-Kader – und haben die Matura.

Sven Sprangler, aktuell Profi beim SVM.  |  NOEN, Michael Weller

Die Theorie klingt gut. Ein bissl Fußball und ein bissl Schule macht am Ende aus einem halbwegs talentierten Kicker der Fußballakademie Burgenland einen gestandenen Profi mit einer abgeschlossenen Schulausbildung – alles im Vorbeigehen, versteht sich.

Mehr als die Hälfte im Fußballzweig maturiert

Tatsächlich sind die Aufgaben eines Youngsters in der Akademie (AKA) Burgenland schwer und vielschichtig. Im Regelfall will ein Spieler Profi werden und muss sich entsprechend fokussiert auf seine sportliche Entwicklung konzentrieren. Parallel dazu gilt es aber auch, die Schule positiv zu meistern. Mittlerweile ist es zwar ebenso möglich, im Zuge einer laufenden Lehre Fußball-Akademiker zu sein, der überwiegende kickende Teil steigt aber nach wie vor im Fußballzweig der HAK Mattersburg ein, der „AKA-Hausschule“.

Dort beträgt die Quote derer, die am Ende auch tatsächlich die Matura absolvieren, etwas mehr als die Hälfte. Direktor Andreas Hackstock: „Wenn 25 Schüler beginnen, maturieren am Ende zwischen 13 und 17. Das ist ein normaler Schnitt.“ Besagte Quote unterscheide sich demnach nicht wesentlich von normalen Schulzweigen.

Im heurigen Jahr allerdings kratzte die Fußballklasse an der unteren Grenze – gerade einmal zwölf Schüler maturierten. Einer davon: Sven Sprangler, 20 Jahre alt und Profi beim SV Mattersburg. Eine Woche vor der mündlichen Matura jubelte er noch mit seinen Kollegen über den Meistertitel in der Ersten Liga, danach schloss er auch noch seine schulische Reife ab. „Es war eine sehr aufregende, aber auch heftige Zeit, vor allem deshalb, weil ich mich neben dem Fußball voll auf die Schule konzentriert habe.“

„Du benötigst ein sehr gutes Zeitmanagement“

SVM-Tormanntrainer Markus Böcskör kann das gut nachvollziehen. Er arbeitet als Erzieher im Internatsbetrieb der Fußballakademie und weiß: „Für die Burschen ist es nicht leicht, alles unter einen Hut zu bringen. Wer während des Trainingsbetriebs die schulischen Aufgaben daneben nicht schafft, wird es schwer haben. Gleichzeitig erfahren Spieler, denen es in der Schule gut geht, oft auch parallel dazu ein sportliches Bergauf.“ Wichtig sei dafür aber auch „ein sehr gutes Zeitmanagement. In dieser Hinsicht war Sven Sprangler als aktuellstes Beispiel ganz stark. Er hat immer gewusst, was zu tun ist.“

Mittlerweile ist Erntezeit für den Steirer in Diensten des SVM: „Jetzt habe ich genau das Leben, das ich wollte“, meint er einerseits den erfolgreichen Schulabschluss und andererseits die Karriere als Profifußballer. Beim Blick zurück überwiegt für Sprangler jedenfalls das Positive: „Mir ist es in der Schule gut gegangen und ich habe mir immer alles gut aufgeteilt. Die Lehrer haben mich außerdem stets unterstützt, ich kann auf eine wirklich schöne Zeit zurückblicken.“

Die Nummer 15 der Grün-Weißen hat schon mit Freundin Kerstin eine eigene Wohnung in Mattersburg bezogen – das Leben „danach“ hat also begonnen.

"Basis für ein zweites Standbein geschaffen"

x  |  NOEN, Fenz
Einer der besten Kumpels von Sprangler durfte schon vor zwei Jahren die Glücksgefühle einer erfolgreichen Matura erleben: Markus Kuster (21), mittlerweile unumstrittene Nummer eins des SVM. Auch er weiß, dass im Lauf einer Akademie-Entwicklung die immer größere Einbindung in einen Profimannschafts-Betrieb immer größere Disziplin fordert, um alle Aufgaben zu meistern: „Als Profi darfst du bei keinem Training fehlen, darum wird es am Weg zur Matura dann auch immer schwerer. Für mich war es aber auch eine schöne Zeit, vor allem bin ich einfach froh, mir die Basis für ein zweites Standbein geschaffen zu haben.“

An Kusters Seite haben übrigens auch Christian Gartner und Marvin Potzmann maturiert. Letztere haben sich danach für andere Klubs entschieden und stehen aktuell bei Fortuna Düsseldorf (Gartner) und bei Sturm Graz (Potzmann) unter Vertrag.

Viele Zusatz-Kilometer in Kauf genommen

Neben Sprangler und Kuster hat mit Philipp Erhardt (21) ein dritter Akteur aus dem aktuellen Mattersburger Profikader die Akademie-Schulausbildung durchlaufen. Der Mörbischer entschied sich allerdings für die zweite Kooperationsschule – die liegt nicht gerade ums Eck, sondern in Oberschützen. Erhardt besuchte im Südburgenland das Burgenländische Schule & Sport Modell des BORG Oberschützen, kurz BSSM, und schloss im Sommer 2013 die Matura mit gutem Erfolg ab.

„Dieses Modell hat mich angesprochen, weil ich dadurch auch andere Sportarten kennengelernt habe.“ Schulisch hat sich der Defensivakteur gespielt, lediglich die räumliche Entfernung zu Mattersburg sei problematisch gewesen, viele Fahrten zum Training und retour waren die Folge. Aber auch hier zeigt sich – angesichts der abgeschlossenen Schulausbildung und der positiven Erfahrung – der gleiche Rückblick wie bei Sprangler und Kuster: „Die Erinnerungen sind sehr schön, das war eine super Zeit."


Bekannte Absolventen

Sie haben die Fußballakademie Burgenland mit der Matura positiv abgeschlossen und haben parallel dazu im Profifußball Fuß gefasst:

  • Markus Kuster (Matura 2013): Aktuell Einsergoalie beim SV Mattersburg.

  • Christian Gartner (Matura 2013): Ex-SVM-Jungprofi und mittlerweile Legionär bei Fortuna Düsseldorf

  • Marvin Potzmann (Matura 2013): Ex-SVM-Profi und mittlerweile bei Sturm Graz

  • Sven Sprangler (Matura 2015): Aktuell Profi beim SV Mattersburg

  • Philipp Erhardt (Matura 2013): Aktuell im Profikader des SV Mattersburg.