Erstellt am 27. September 2011, 10:48

Andreas Ivanschitz gibt Comeback im ÖFB-Team. Andreas Ivanschitz steht nach über zweieinhalb Jahren wieder im Kader der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft.

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 Nach über zweieinhalbjähriger Abwesenheit kehrt Andreas Ivanschitz in die österreichische Fußball-Nationalmannschaft zurück. Der Mainz-Legionär wurde am Dienstag von Interims-Teamchef Willi Ruttensteiner für die abschließenden EM-Qualifikationsspiele am 7. Oktober in Baku gegen Aserbaidschan und am 11. Oktober in Astana gegen Kasachstan nominiert. "Er gehört für mich zu den 23 besten Spielern Österreichs", erklärte Ruttensteiner.

   Eine Stammplatz-Garantie gibt es für Ivanschitz aber nicht. "Es gibt keinen Freibrief", betonte Ruttensteiner. Ob der Burgenländer gegen Aserbaidschan zum Einsatz kommt, hänge allein von den Trainingsleistungen ab. Der Ex-ÖFB-Kapitän hatte im Februar 2009 beim 0:2 in Graz gegen Schweden unter Karel Brückner sein 49. und bisher letztes Ländermatch bestritten, danach wurde er von Dietmar Constantini nicht berücksichtigt.

   Auch ein Comeback von Martin Stranzl scheint nicht mehr gänzlich ausgeschlossen. "Wir haben in der vorigen Woche in einem vernünftigen Gespräch alle Punkte ausgeräumt. Ob er wieder für die Nationalmannschaft spielt, obliegt dem neuen Teamchef", behauptete Ruttensteiner. Entgegen seiner Ankündigung, nicht mehr für die ÖFB-Auswahl einlaufen zu wollen, habe sich der Gladbach-Innenverteidiger "ein kleines Hintertürl offengelassen". Auch mit dem von Constantini ebenfalls ausgebooteten Italien-Legionär György Garics habe der ÖFB bereits Kontakt aufgenommen.

   Als einen Bruch mit der Ära seines Vorgängers sieht Ruttensteiner diese Vorgehensweise aber nicht. "Ich baue auf dem auf, was Constantini aufgebaut hat. Ich habe in die Basis, die er gelegt hat, meine Überlegungen einfließen lassen", sagte der Interimscoach und bedankte sich ausdrücklich beim Tiroler für dessen geleistete Arbeit.

   Allerdings holte Ruttensteiner auch Conditioning Coach Roger Spry, der von Constantini entfernt worden war, wieder zurück zum A-Team. "Er ist einer der besten Fitness-Trainer Europas, deswegen ist er dabei", meinte der Kurzzeit-Nationaltrainer, der außerdem einen zweiten Zeugwart dazuholt. "Damit wird die Professionalität erhöht", erklärte Ruttensteiner. Auch die Beiziehung eines Mentaltrainers sei ein Thema gewesen. "Ich bin ein Verfechter davon, aber das wäre kurzfristig zu viel gewesen."

   Dabei ist hingegen wieder Paul Scharner, der zuletzt mit seiner sarkastischen Bewerbung als "Spieler-Teamchef" für Aufregung gesorgt hat. Nach einem Gespräch mit dem West-Bromwich-Legionär am Samstag sei jedoch alles geklärt. "Ihm geht es um den Erfolg des Nationalteams. Doch solche Aussagen bringen in Österreich wenig, die will ich nicht mehr haben", meinte Ruttensteiner.

   Der hauptberufliche Technische Direktor des ÖFB holte Christopher Trimmel (Rapid) zurück und berief Philipp Hosiner von Sensationsaufsteiger Admira erstmals in den Kader, um laut eigenen Angaben seine Wertschätzung für die österreichische Liga zu dokumentieren. Hosiner, Führender der Torschützenliste, wurde zuletzt bei seinem Doppelpack gegen Salzburg von Assistent Manfred Zsak beobachtet. "Er ist dort, wo es gefährlich wird", analysierte der Niederösterreicher.

   Der zweite Team-Neuling ist Jörg Siebenhandl von SC Wiener Neustadt. "Er hat die Chance genützt, seine letzten Auftritte waren in Ordnung", so die Einschätzung von Goalie-Trainer Franz Wohlfahrt, der Siebenhandl beim 2:2 am Samstag gegen Ried auf die Hände sah.

   Der 21-Jährige profitierte auch von der Verletzungsmisere unter den ÖFB-Keepern: Jürgen Macho, Helge Payer und Christian Gratzei fallen aus, weswegen das Tormann-Trio aus Siebenhandl, Düsseldorf-Legionär Robert Almer (bereits einmal im Kader, doch ohne Länderspiel-Einsatz) und Austrias Pascal Grünwald (ein Länderspiel) gebildet wird. Letzterer dürfte gegen Aserbaidschan und Kasachstan im Tor stehen. "Grünwald ist die vermeintliche Nummer eins, Almer und Siebenhandl seine Partner", formulierte Wohlfahrt.

   Nicht nominiert wurden diesmal Admira-Verteidiger Christopher Dibon und Hannover-Flügelspieler Daniel Royer, die Andreas Herzog für die U21-EM-Qualifikation am 6. Oktober in Innsbruck gegen die Niederlande und vier Tage später in Paisley gegen Schottland zur Verfügung gestellt werden. "Ich habe als Sportdirektor oft kritisiert, dass der eine oder andere Spieler dem U21-Teamchef in einem wichtigen Match nicht abgestellt worden ist. Es ist mir wichtig, den U21-Kapitän (Anm.: Dibon) abzustellen, statt dass er im A-Team auf der Bank oder auf der Tribüne sitzt", erklärte Ruttensteiner.

   Laut dem Oberösterreicher war Herzog auch ein Kandidat für den Job des Interims-Teamchefs. "Er war ein Thema, aber wir sind dann zu der Meinung gekommen, dass die U21-Quali-Spiele wichtiger als die Partien gegen Aserbaidschan und Kasachstan sind. Dass Herzog bei der U21 bleibt, hat den Vorteil, dass nicht kurzfristig etwas zerstört wird", erzählte Ruttensteiner.

   So liegt die Verantwortung bei dem 48-Jährigen, für einen versöhnlichen Abschluss einer verkorksten EM-Qualifikation zu sorgen. "Wir wollen Österreich würdig vertreten, den vierten Platz verteidigen und beide Spiele gewinnen. Das wird aber eine schwierige Aufgabe unter schwierigen Rahmenbedingungen."

   Sowohl das Spiel in Baku als auch jenes in Astana wird auf Kunstrasen gespielt. Deshalb wird der Interims-Teamchef seine Auswahl voraussichtlich am Dienstag auf einem Plastik-Grün in Hartberg gegen die Kunstrasen-erprobte Truppe von Gratkorn testen lassen. Bei der Wahl des richtigen Schuhwerks seien die Spieler gefragt, betonte Ruttensteiner.

   Der Technische Direktor, der auf bessere Kommunikation innerhalb der Mannschaft setzt ("Wir werden organisieren, dass die Spieler nach den Mahlzeiten nicht gleich aufs Zimmer gehen"), wird am Montag in Bad Tatzmannsdorf seine erste Einheit leiten - mit Spry und Mike Steverding als Fitnesstrainer. "Wir müssen viel an der Regeneration und an der individuellen Betreuung arbeiten. Da ist es ein Vorteil, mehrere Coaches zu haben."

   Ob Spry auch unter dem künftigen Teamchef beim A-Team zu sehen sein wird, entscheidet Ruttensteiners Nachfolger - wer das sein wird, ließ der Oberösterreicher offen. Zu den bisher mit Franco Foda, Andreas Herzog, Paul Gludovatz, Lars Lagerbäck und Christoph Daum geführten Gesprächen wollte sich der Interims-Betreuer nicht äußern und meinte lediglich: "Meine Aufgabe ist es, den Boden für den neuen Teamchef zu bereiten."

   Der neue Teamchef könnte eventuell in der kommenden Woche präsentiert werden und würde in diesem Fall theoretisch für Aserbaidschan und Kasachstan zur Verfügung stehen. "Sollte er vor den Partien präsentiert werden und die Spiele machen wollen, ist das kein Problem für mich. Ich glaube aber nicht, dass das jemand machen will", vermutete Ruttensteiner.



Der Kader der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft für die abschließenden EM-Qualifikationsspiele am 7. Oktober in Baku (18.00 Uhr MEZ) gegen Aserbaidschan und am 11. Oktober in Astana (18.00 Uhr MEZ) gegen Kasachstan:


 Tor: Robert Almer (Fortuna Düsseldorf/0 Länderspiele), Pascal Grünwald (Austria/1), Jörg Siebenhandl (Wiener Neustadt/0)
 Abwehr: Ekrem Dag (Besiktas Istanbul/8), Aleksandar Dragovic (Basel/12), Christian Fuchs (Schalke/44/1 Tor), Florian Klein (Austria/10), Manuel Ortlechner (Austria/7), Emanuel Pogatetz (Hannover/46/2), Sebastian Prödl (Werder Bremen/29/3), Franz Schiemer (Salzburg/21/4)
Mittelfeld: David Alaba (Bayern München/13), Julian Baumgartlinger (Mainz/16), Martin Harnik (Stuttgart/27/6), Andreas Ivanschitz (Mainz/49/7), Jakob Jantscher (Salzburg/9/1), Zlatko Junuzovic (Austria/14), Paul Scharner (West Bromwich/36), Christopher Trimmel (Rapid/3)
Angriff: Marko Arnautovic (Werder Bremen/13/5), Philipp Hosiner (Admira/0), Marc Janko (Twente Enschede/21/7), Stefan Maierhofer (Salzburg/18/1)

 Auf Abruf: Heinz Lindner (Austria/0) - Christopher Dibon (Admira/1/1), Markus Suttner (Austria/0), Stefan Kulovits (Rapid/4), Veli Kavlak (Besiktas Istanbul/13), Manuel Weber (Sturm Graz/1), Daniel Royer (Hannover/5), Erwin Hoffer (Eintracht Frankfurt/27/4), Roland Linz (Austria/39/8).