Erstellt am 02. Juli 2014, 07:01

von Bernhard Fenz, Hannes Bürger und Alfred Wagentristl

„Der Zuspruch fehlte“. Aus für ASK Baumgarten | Obmann Stefan Hausmann und sein Team stellten den Betrieb ein.

Bild aus besseren Tagen: Ende Juli 2002 wurde die neue Tribüne am Franz Kovacsich-Platz in Baumgarten eröffnet. Zwölf Jahre später - Ende Juni 2014 - wurde nun der Spielbetrieb eingestellt. Foto: Franz Baldauf  |  NOEN, Franz Baldauf
Seit Montag ist es fix: „Per sofort“ (siehe Faksimile rechts) hat der ASK Baumgarten den Spielbetrieb eingestellt. Zuletzt häuften sich die Gerüchte, beim Klub aus der 890-Seelen-Gemeinde würde es entsprechende Tendenzen geben – dass nun tatsächlich Nägel mit Köpfen gemacht wurden, stieß innerhalb der burgenländischen Fußballszene trotzdem auf kollektive Überraschung.

Stinatz als „verhinderter Lucky Loser“

Auch von Seiten des BFV wurde die Info natürlich mit Bedauern zur Kenntnis genommen (BFV-Präsident Gerhard Milletich: „Das ist traurig.“). Der geregelte Meisterschaftsbetrieb der BVZ Burgenlandliga wird durch das ASK-Ende auch Konsequenzen haben, konkret in der neuen Saison.

x  |  NOEN, Faksimile/König
BFV-Geschäftsführer Simon Knöbl: „Hätten wir den Beschluss innerhalb von fünf Tagen nach Ende der Meisterschaft erhalten, hätte das Auswirkungen auf die Abstiegsfrage haben können – so bleibt alles beim Alten.“

Nutznießer wäre der ASK Stinatz gewesen. Die Südburgenländer stiegen als Drittvorletzte der Tabelle in die 2. Liga Süd ab – im Falle des Falles wäre Baumgarten an die letzte Stelle gerutscht – und Platz 14 hätte für den Klassenerhalt gereicht. So wird der Klub in der neuen Saison automatisch an die letzte Stelle gereiht (und ist Fixabsteiger), die eigentliche Meisterschaft wird mit 15 aktiven Klubs gespielt.

Comeback? 2. Liga ist möglich – theoretisch

Würde der Traditionsklub – seit 1972 spielte Baumgarten durchgehend in der Burgenlandliga oder noch höher in der Regionalliga Ost – in der neuen Saison den Spielbetrieb wieder aufnehmen, dann könnte laut Knöbl ein Antrag auf Wiederaufnahme in der 2. Liga Mitte eingebracht werden. Die Möglichkeiten eines sportlichen Comebacks reichen von der 2. Liga bis ganz runter in die 2. Klasse.

Wenn überhaupt, dann wird es aber die letzte Klasse, wie Obmann Stefan Hausmann sagt: „Wir werden versuchen in der Saison 2015/16 von ganz unten noch einmal zu starten, wobei das aber noch nicht sicher ist.“

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Für den Klubboss, der lange Jahre auch erfolgreich als Spieler bei seinem Verein tätig war, waren die letzten Tage alles andere denn einfach: „Wir haben uns die Sache immer und immer wieder überlegt. Es wäre aber fahrlässig gewesen, den Verein unter diesen Rahmenbedingungen weiterzuführen. Möglicherweise haben wir den Klub die letzten Jahre auch künstlich am Leben erhalten. Der Zuspruch in der Region ist nicht mehr so wie in der Vergangenheit, was womöglich auch daran liegt, dass wir immer sehr hoch oben spielten und die Leute auch relativ verwöhnt waren.“

„Wenn, dann ein echter Neuanfang“

Dass die Rollbalken jetzt einmal fallen, war bis Sonntagabend noch nicht fix. Hausmann: „Am Wochenende wollten wir die Sache mit Hilfe eines Hauptsponsors noch retten, leider ist es nicht gelungen.“ Neu starten wolle man in der übernächsten Saison nur, wenn „garantiert ist, dass der Verein deutlich besser im Ort verwurzelt ist und dass auch motivierte Helfer zur Verfügung stehen. Jeder ist herzlich eingeladen mitzuhelfen.“

Die Spieler des ASK werden übrigens nicht nur für ein Jahr verliehen, sondern können gehen. „Wenn, dann soll es ein kompletter Neuanfang sein“, so der Obmann.



 

Reaktionen:

„Es wundert mich, dass ein Verein wie Baumgarten tatsächlich den Spielbetrieb einstellt – das ist traurig.“
Gerhard Milletich, BFV-Präsident

„Wir wussten, dass Baumgarten personelle Probleme hat. Aber dass der Spielbetrieb wirklich eingestellt wurde, kommt doch sehr überraschend. Die Auslosung ist bereits vollzogen, jetzt müssen wir mit 15 Klubs spielen – das ist natürlich ungut.“
Franz Granabetter, Ligaobmann

„Auch wenn ich mich gefreut hätte, wenn es noch weitergegangen wäre, so verstehe ich die Funktionäre eines so kleinen Dorfvereins wie Baumgarten. Dieselben Personen sind seit Jahren am Werk, da nutzt sich einiges ab und man hat nicht mehr die Kraft, die komplette Freizeit aufzubringen. Finanziell ist es auch nicht gerade einfach, auf diesem Niveau den Betrieb aufrechtzuerhalten. Mittlerweile kosten auch schon die Einäugigen sehr viel Geld …“
Bernd Dallos, Geschäftsführer VIVA Landessportzentrum, langjähriger Spieler und Sportdirektor beim ASK Baumgarten

„Schade für uns, aber was will man machen, wenn das in den Statuten drinsteht? Jetzt ist der Zug für uns abgefahren.“
Stinatz-Manager Andreas Stipsits – hätte Baumgarten innerhalb von fünf Tagen nach Saisonende den Spielbetrieb eingestellt, wären die (abgestiegenen) Südburgenländer in der BVZ Burgenlandliga geblieben

„Ich bin der Meinung, dass man das früher wissen hätte können. Da hätte Stinatz in der BVZ Burgenlandliga bleiben können. Aber es ist jetzt nun mal so. Leider geht damit auch ein sehr brisantes Derby verloren. Das ist für uns und die Fans in der Region natürlich sehr schade.“
Ernst Baumeister, ASV Draßburg-Trainer

„Wenn man Trainer bei einem Verein ist, geht das einem schon richtig nahe. Es ist für mich sehr enttäuschend. Ich weiß nicht, ob das mit dem Wiedereinstieg nächstes Jahr klappen wird. Die alten Funktionäre werden nicht mehr weitermachen – und Neue zu finden ist sehr schwer, wegen der großen Aufgaben.“
Hans Schöll, ASK Baumgarten-Trainer, der von der BVZ über die Einstellung des Spielbetriebs informiert worden war …

„Vom Gefühl her befürchte ich, dass wir nicht der letzte Verein in naher Zukunft sind, der den Spielbetrieb einstellen muss. Die Rahmenbedingungen haben sich für einen Funktionär leider drastisch geändert.“
Stefan Hausmann, Obmann des ASK Baumgarten