Erstellt am 27. Februar 2013, 00:00

Auf Kompromiss-Linie. Brennpunkt Erste Liga / Es scheint, als ob sich der ÖFB und die Bundesliga langsam annähern und nun einen gemeinsamen Weg bei den Auf- und Abstiegsbestimmungen einschlagen.

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Von Bernhard Fenz

Präsident Leo Windtner, Generaldirektor Alfred Ludwig, je ein Vertreter der Landesverbandspräsidenten für Ost (BFV-Boss Gerhard Milletich), Mitte und West stehen auf der einen Seite. Sie sind bei der installierten Arbeitsgruppe (AG) rund um eine mögliche Veränderung des Ligaformats die Vertreter des ÖFB. Ihnen gegenüber sitzen jene der Bundesliga: Präsident Hans Rinner, Vorstand Georg Pangl, Markus Kraetschmer (Vertreter der Vereine/Austria), Erste-Liga-Boss Gerhard Stocker und Karl Heinz Kopf (Vertreter der Vereine/Altach).

Doch die zehn Personen umfassende Arbeitsgruppe hat, wie das nach außen im Match ÖFB gegen Bundesliga vermuten ließ, längst nicht mehr die offene Konfrontation im Visier.

Schließlich wurde die Runde betraut, an einer gemeinsamen Lösung zu basteln, nachdem ÖFB und Bundesliga in den vergangenen Monaten höchst plakativ zur Schau gestellt hatten, wie unterschiedlich die Herangehensweisen bei den Auf- und Abstiegsbestimmungen der Ersten Liga sind. Zur Erinnerung: Ausgehend von den Diskussionen um ein mögliches Ende der Relegationsspiele für die Regionalliga-Meister und den Direktaufstieg in die Erste Liga brachte das ÖFB-Präsidium Bewegung ins Spiel, als es (gegen die Stimmen der Bundesliga) am 14. Dezember den Direktaufstieg ab 2014/2015 beschloss.

Die Bundesliga – sie ist für die Ligaformate selbst verantwortlich, muss sich aber trotzdem klarerweise nach der Zahl der Aufsteiger richten – einigte sich im Konstrukt ihrer Zehnerliga daraufhin auf eine Erhöhung, sprich zwei Absteiger. Ein Klub blieb für eine gemeinsame Lösung auf der Strecke.

Seitdem wird getüftelt (einige Varianten – siehe unten). Mitten im Geschehen befindet sich auch Gerhard Milletich. Der BFV-Präsident blieb, was mögliche Lösungen betrifft, noch zurückhaltend, stellte aber klar: „Es geht darum, dass der ÖFB und die Bundesliga einen vernünftigen Kompromiss finden, um die Durchlässigkeit zu bewahren und eine gute Schnittstelle für die Infrastruktur und die sportliche Entwicklung zu finden.“

Diesbezüglich verlaufen die Gespräche konstruktiv, wie der burgenländische Verbands-Boss festhielt. In eine ähnliche Kerbe schlug auch Bundesliga-Vorstand Georg Pangl, der „überzeugt ist, dass wir einen Kompromiss im Sinne des Fußballs finden – die AG wird etwas Gescheites herausbringen.“ Wann es zu einer Lösung kommt, konnte der Stotzinger freilich nicht prognostizieren. Ein Ergebnis müsste dann jedenfalls von den Bundesliga-Klubs und dem ÖFB abgesegnet werden.

Amateur-Mannschaften nach wie vor umstritten 

Verhärtet sind die Fronten allerdings auch noch bei der Frage, wie künftig mit den Amateur-Teams der Bundesligisten umgegangen wird. Seit dem Ende der Zwölferliga (2009/2010) und dem Abstieg der Bundesliga-Fohlen aus der zweithöchsten Spielklasse ist für sie bei der Regionalliga Schluss. Seitens des ÖFB ist eine Mehrheit für die erneute Erste-Liga-Öffnung, die Bundesliga hingegen will die bestehende Regelung beibehalten. Milletich: „Schon alleine von der sportlichen Entwicklung her ist es nötig, dass die Amateurmannschaften in der Ersten Liga spielen dürfen.“



Bundesliga-Formate: Wahrscheinliche und unwahrscheinliche Varianten

VARIANTE A
Der ÖFB hat drei Aufsteiger beschlossen, die Bundesliga zwei Absteiger. Eine Möglichkeit in diesem mathematisch unlogischen Spiel wäre, dass die Bundesliga das Lizenzierungsverfahren weiter verschärft und so unterm Strich nur zwei Meister grünes Licht erhalten, um auf „Gerade“ zu kommen. Nach Kompromiss riecht das aber nicht.
Wahrscheinlichkeit: 20 Prozent

VARIANTE B
Die Bundesliga hat sich mit der Erhöhung auf zwei Absteiger ein wenig bewegt, der ÖFB könnte sich nun auf zwei statt drei Aufsteiger verständigen – etwa durch ein jährlich wechselndes Direktaufsteiger-Rad und ein Relegationsduell der beiden anderen Regionalliga-Meister. Diese Variante würde einem Kompromiss schon sehr nahe kommen.
Wahrscheinlichkeit: 70 Prozent

VARIANTE C
Die Bundesliga könnte sich doch noch dem ÖFB-Beschluss von drei Aufsteigern beugen und die Erste Liga – da drei Absteiger bei einer Zehnerliga nicht infrage kommen – auf 16 Vereine aufstocken. Gleichzeitig erhalten die Amateurteams der Bundesliga grünes Licht und dürfen aufsteigen. Die Variante ist unrealistisch – ein Kompromiss sieht anders aus.
Wahrscheinlichkeit: 10 Prozent

VARIANTE D
Auf www.ostliga.at tauchte das Thema 1-3-9 als mögliches neues Ligamodell auf. Demnach könnte die Bundesliga auf 16 Vereine aufgestockt und die Erste Liga aufgelöst werden. Unterhalb der Bundesliga würden drei Regionalligen und darunter neun Landesligen installiert. Dieses Modell steht bei der Arbeitsgruppe aber nicht zur Diskussion.
Wahrscheinlichkeit: 0 Prozent