Erstellt am 23. Mai 2011, 12:33

Austria von Derby-Gewaltakten schockiert. Vertreter der Austria haben tief betroffen auf die schweren Randale im Wiener Fußball-Derby gegen Rapid reagiert. Die Vorstände Thomas Parits und Markus Kraetschmer sowie Trainer Karl Daxbacher zeigten sich am Sonntag im Hanappi-Stadion erschüttert von den Gewaltakten, der Kampf um den Meistertitel rückte zumindest vorläufig in den Hintergrund. Auch für Innenministerin Mikl-Leitner ist das Verhalten der Fans "völlig inakzeptabel".

Daxbacher fehlte jegliches Verständnis für die Randalierer, die sogar die eigenen Spieler attackierten. "Es kann nicht sein, dass man zum Freiwild wird, wenn man eine Misserfolgsserie hat. Es hat fast so ausgesehen, als ob sich die radikalen Fans ein 0:2 gewünscht haben, um diese Plattform zu bekommen", kritisierte der 58-Jährige.

Die erste Schrecksekunde erlebten Daxbacher und seine Spieler schon bei der Anreise ins Hanappi-Stadion, als der Mannschaftsbus mit Steinen beworfen wurde und zwei Scheiben zu Bruch gingen. "Das alles ist für den Fußball eine Katastrophe. Wie weit können Fans eigentlich gehen? Ich habe so etwas noch nie gesehen und hatte wirklich Angst um die Spieler, und dass es noch zu ärgeren Sachen kommt, wenn wir weiterspielen", sagte Parits.

Der Sport-Vorstand weiß aus eigener leidvoller Erfahrung, zu welchen Vandalenakten verärgerte Fans imstande sind. Erst im Dezember 2009 liefen zahlreiche Schlachtenbummler während des Europa-League-Heimspiels gegen Athletic Bilbao aufs Feld und sorgten fast für einen Abbruch.

Aufgrund der problematischen Vergangenheit hielt sich auch Kraetschmer mit Schuldzuweisungen an Rapid zurück. "Ob genug gemacht wurde, um so etwas zu verhindern, kann ich nicht sagen. Leicht ist es auf jeden Fall nicht, das haben wir gegen Bilbao erlebt", kalmierte der Wirtschaftsvorstand, forderte Rapid aber auch zum energischen Handeln auf. "Jetzt muss rigoros gegen die Rädelsführer vorgegangen werden, es gibt ja Videoüberwachung im Hanappi-Stadion."

Für Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (V) ist das Verhalten jener Rapid-Anhänger, die am Sonntagnachmittag im Wiener Gerhard-Hanappi-Stadion beim Derby gegen die Austria den Platz gestürmt haben, "völlig inakzeptabel". Im Gespräch sagte sie am Montag: "Es muss Konsequenzen geben." Ziel sei es, dass in Zukunft normale Fußballfans und Familien ohne Belästigung und Gefährdung durch Störenfriede die Spiele genießen können.

Sie habe an den Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit den Auftrag erteilt, mit den Vereinen und der Bundesliga gemeinsam geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um Ausschreitungen aus den Stadien zu verbannen, so Mikl-Leitner. Dabei sagte sie: "Unser Vorbild ist England."

Nach mehreren schweren Katastrophen - Stichwort Hillsborough, Heysel-Stadion - hatten die Briten Anfang der 1990er Jahre mit rigorosen Maßnahmen wie Stadionverboten, massiver Videoüberwachung und drakonischen gesetzlichen Maßnahmen reagiert und damit in der Premier League die Gewalt aus den Stadien verbannt. Experten betonen allerdings, dass die Gewalt nicht weg sei, sondern sich nur in die unteren Ligen verlagert habe.

Mikl-Leitner betonte unter anderem, dass die Maßnahme des Stadionverbotes wichtig ist. Bei der von Experten immer wieder kritisierten Durchsetzung dieser Verbote verwies die Ministerin auf die Zuständigkeit der Vereine. Hier Verbesserungen zu erreichen, werde Teil der Gespräche mit der Bundesliga und den Clubs sein. Allerdings hält man im Innenministerium dem Vernehmen nach wenig von der Verhängung von Stadionverboten als behördliche Maßnahme. In England beispielsweise kann die Exekutive von sich aus solche Maßnahmen anordnen.

Die Innenministerin äußerte sich auch zu möglichen Gesetzesänderungen. "Das muss man sich ansehen, wo man hier an den Schrauben drehen kann und welche Maßnahmen auch sinnvoll sind." Konkret erwähnte sie hier die Bestimmungen zur Pyrotechnik bei Großveranstaltungen: Diese ist seit Jänner 2010 verboten. Allerdings kann auch das neue, verschärfte Verbot in Ausnahmefällen - etwa bei besonders wichtigen Spielen - aufgehoben werden, sollte die Sicherheitsbehörde (Polizei oder Bezirkshauptmannschaft) einen dementsprechenden Antrag genehmigen. Eine diesbezügliche Genehmigung hatte laut Wiener Polizei beim Derby bestanden.

Praktische Auswirkungen hatten die Bestimmungen so oder so bisher wenig: Nicht nur im Hanappi-Stadion waren am Sonntag bengalische Feuer zu sehen, sondern auch in Wiener Neustadt vom Sturm-Graz-Anhang.