Erstellt am 11. April 2011, 20:00

Barisic bis Saisonende Rapid-Interimscoach. Barisic, der unter Pacult fast drei Jahre als Assistenzcoach gearbeitet hatte, soll nun die derzeit fünftplatzierten Hütteldorfer in den verbleibenden acht Runden noch auf einen Europacupplatz führen.

Zoran Barisic fungiert bis Saisonende als Trainer des österreichischen Fußball-Rekordmeisters SK Rapid. Dies gab Clubchef Rudolf Edlinger am Montagnachmittag, wenige Stunden nach der fristlosen Entlassung von Peter Pacult, bekannt.

"Das ist für mich eine große Ehre, ich bin dem Präsidenten für das Vertrauen sehr dankbar", erklärte Barisic, der im Sommer 2009 auf Betreiben von Pacult von der Kampfmannschaft entfernt worden war und seither als Individualtrainer beim Rapid-Nachwuchs arbeitete. Über Pacult verlor Barisic öffentlich kein schlechtes Wort und gab sogar zu Protokoll, die Spieler seien "konditionell in einem Top-Zustand. Jetzt geht es darum, dass sie ihr Potenzial zu 100 Prozent ausschöpfen". Dabei sollen Robert Haas (bisher bei den Amateuren) und Thomas Bogendorfer (zuletzt im Nachwuchs) mithelfen.

"Barisic ist eine gute Lösung. Er kennt den Großteil der Mannschaft, hat im Nachwuchs hervorragende Arbeit geleistet und genießt das Vertrauen der Vereinsführung bis Saisonende", betonte Edlinger. Ein Engagement des 40-Jährigen über diese Saison hinaus ist laut Edlinger nicht gänzlich ausgeschlossen. Allerdings machte der Ex-Finanzminister klar, bis Sommer eine "dauerhafte Lösung" zu suchen. Von Pacult zeigte sich der Rapid-Präsident enttäuscht und sprach in diesem Zusammenhang von einem "massiven Vertrauensbruch".

Nach der Darstellung von Edlinger wurde ihm und General Manager Werner Kuhn am Samstagabend von Pacult glaubhaft vermittelt, dass an den Gerüchten um einen Wechsel zu Red Bull nach Leipzig nichts dran sei. Als dies am Sonntagvormittag per Presseaussendung kommuniziert wurde, wehrte sich Pacult gegen diese Version. "Er hat dagegen massiven Einwand erhoben gegenüber einem Rapid-Mitarbeiter, und mir hat er es auch auf Band gesprochen. Das lässt den Umkehrschluss zu, dass es sehr wohl Verhandlungen mit Red Bull gegeben hat."

Im Laufe des Sonntags beriet sich Edlinger telefonisch mit seinen Präsidiumskollegen und fasste den Entschluss, Pacult zu entlassen. "Es war klar, dass unter derartigen Voraussetzungen eine gedeihliche Arbeit nicht mehr möglich ist. Wir stehen in einer entscheidenden Phase der Saison, da ist volle Konzentration gefordert."

Die sportliche Talfahrt sei nicht für den Trainerwechsel verantwortlich gewesen. "In erster Linie waren es die sich zuspitzenden Probleme, die das Vertrauen, das ich in den Trainer haben muss, massiv erschüttert haben", sagte Edlinger. Das dadurch zerrüttete Verhältnis sei "nicht mehr kittbar".

Telefonisch war der Trainer für den Präsidenten weder am Sonntag noch am Montag zu erreichen, also wurde Pacult anderwertig von seiner Entlassung in Kenntnis gesetzt. "Das SMS ist das Kommunikationsmittel der Minderjährigen. Wir haben ihm Montagfrüh einen eingeschriebenen Brief und ein Mal geschickt", erzählte Edlinger.

Zu diesem Zeitpunkt war Pacult nicht zum Rapid-Training erschienen. Das unentschuldigte Fernbleiben wird laut Edlinger aber nicht als Grund für die fristlose Entlassung angegeben, sollte Pacult vor das Arbeitsgericht gehen. In diesem Fall würde man das fehlende Vertrauensverhältnis geltend machen.

Dass die viereinhalbjährige Zusammenarbeit mit einem derartigen Getöse zu Ende geht, wäre laut Edlinger nicht notwendig gewesen. "Wenn er zu uns gekommen wäre, hätten wir den Vertrag auch freundschaftlich lösen können." Nun erspart sich Rapid - vorbehaltlich gerichtlicher Schritte von Pacult - die weiteren Gehaltszahlungen an den Wiener, fällt aber möglicherweise um eine Ablösesumme um. Immerhin wäre Pacults Vertrag noch bis Sommer 2012 gelaufen.

Sofern unter Barisic keine Siegesserie hingelegt wird, könnte Pacults langfristiger Nachfolger Andreas Herzog (U21-Teamchef), Dietmar Kühbauer (Admira-Trainer) oder Peter Schöttel (Wiener-Neustadt-Coach) heißen. Als Anwärter auf den Sportdirektor-Posten gilt Carsten Jancker. Eine kurzfristige Rückkehr von Alfred Hörtnagl ist nicht realistisch, auch wenn sein Rivale Pacult nicht mehr beim Verein ist. "Das wäre nicht besonders opportun, wenn sich einer entschieden hat, den Verein zu verlassen", meinte Edlinger und ergänzte: "Das Haus wird neu bestellt."