Erstellt am 13. April 2015, 07:25

von Alexander Wastl und Wolfgang Wallner

Drama mit Happy-End. Seine Überlebenschance lag bei einem Prozent. Doch Basketballer Markus Pinezich kämpft sich zurück ins Leben – und zurück in seinen geliebten Sport.

An Schläuchen hängend, zwischen Leben und Tod: Markus Pinezich vor einem Jahr. Foto: privat  |  NOEN, privat
Neben den leuchtend blauen Augen strahlt auch etwas Anderes: die Lebensfreude. Sitzt man dem Traiskirchner Basketballer Markus Pinezich heute gegenüber, kann man sich nur schwer vorstellen, was dem 27-Jährigen vor etwas mehr als einem Jahr widerfahren ist. Ein septischer Schock ließ Pinezich um sein Leben kämpfen.

Zunächst Entwarnung, dann kam das Fieber zurück

Markus Pinezich hat einen unbändigen Willen, in allem, was er tut. Hätte er den nicht, würde er wohl nicht mehr am Leben sein. 40 Prozent beträgt die Überlebenschance bei einem septischen Schock. Nicht mehr als ein Prozent betrug sie bei Pinezich, als er im März 2014 in den künstlichen Tiefschlaf versetzt wurde.

Pinezich leidet nämlich an der seltenen Krankheit ALPS, einer Fehlsteuerung des Abwehrsystems. Beinahe hätte sie ihn das Leben gekostet.

An jenen Tag im März erinnert sich der gebürtige Burgenländer noch gut: „Ich hatte keine Kontrolle mehr über meinen Körper.“ Mit Schüttelfrost und extrem hohem Fieber wurde Pinezich von Freundin Janine ins Landesklinikum Baden gebracht. Da die Körpertemperatur des Point Guard wieder zurückging, wurde er entlassen.

Lange währte Pinezichs Genesung nicht. Das hohe Fieber kam zurück, fast 41 Grad, der Schüttelfrost wurde noch schlimmer. Pinezich lag auf der Couch, sah fern, „plötzlich wurde alles dumpf“.

„Will nicht sterben“: Monatelang durch Therapien gequält

Mit dem Notarzt ging’s wieder ins Spital. Pinezichs Blut zirkulierte nicht mehr richtig, die Ärzte erwogen Amputationen – Nase, Hände, Füße. Markus werde die Nacht nicht überleben, sagten die Ärzte Freundin Janine. Sie hatten den Kämpfer in Markus Pinezich unterschätzt.

„Ich will nicht sterben“, sagte er zu Janine, ehe sie das zweite Mal Richtung Krankenhaus aufbrachen. Pinezich kämpfte sich zurück, ließ den Überlebenswillen über Statistik siegen.

Acht Wochen verbrachte der in Kottingbrunn Wohnende im Krankenhaus. Sitzen, gehen: Alles musste neu erlernt werden. Nicht mehr als 55 Kilogramm brachte Pinezich auf die Waage.

Monatelang quälte sich der 27-Jährige durch Therapien, mit einem Ziel vor Augen: Wieder Basketball spielen zu können. „Als mir mein Onkel einen Ergoball ins Krankenhaus mitbrachte, wollte ich sofort wieder spielen“, so Pinezich.

Der Weg zurück: „Wieder auf meinem Kampfgewicht“

Die Fortschritte seit seiner Entlassung sind immens, dennoch ging es Pinezich oft zu langsam. „Ich habe mich einmal gegenüber meinen Therapeuten geweigert, mit dem Rollstuhl zu fahren, bis sie mich gehen ließen“, erinnert sich der studierte Volksschulpädagoge.

Mittlerweile bereitet das Gehen kaum noch Probleme, mehrmals wöchentlich trainiert Pinezich in der Kraftkammer. „Ich bin wieder auf meinem Kampfgewicht von 82 Kilogramm“, freut sich der Ballkünstler.

Zwar bleibt das erklärte Ziel, wieder als Profi spielen zu können, ein zweites Standbein ist für den 1,90-Hünen dennoch wichtig. Der Job als Volksschullehrer bereitet Pinezich viel Freude, besser gefallen würde ihm aber etwas Anderes: „Ich möchte Basketballtrainer werden.“

Erste Schritte in diese Richtung machte der 27-Jährige bereits, der die B-Lizenz schon in der Tasche hat. Auf den Spuren seines Vaters Christoph, der früher Trainer bei den Traiskirchner Lions war. Bei den Profis von Bayern München durfte Markus bereits hospitieren.

Privat ist Pinezich längst angekommen. Aus Freundin und Lebensretterin Janine wird im Sommer 2016 Frau Pinezich. Markus gewohnt ungeduldig: „Wurde eh Zeit!“ Und er lächelt.