Erstellt am 17. Juni 2013, 10:46

Bisheriger WAC-Coach Bjelica neuer Austria-Trainer. Austria Wien ist am Montag auf der Suche nach einem Nachfolger für den zum 1. FC Köln abgewanderten Meistertrainer Peter Stöger fündig geworden.

Nenad Bjelica, bisher Trainer des Wolfsberger AC, ist der neue Coach der Wiener. Der WAC gab in einer Presseaussendung bekannt, dass Bjelica den Club verlässt und Trainer der Austria wird. Der 41-Jährige Kroate war ab Mai 2010 Trainer des WAC und führte die Wolfsberger von der Regionalliga zunächst in die Erste Liga (2010) und im vergangenen Jahr in die Bundesliga. In der abgelaufenen Saison belegte der Aufsteiger aus Kärnten Rang fünf. Davor hatte Bjelica den FC Kärnten (2007 - 2009) und den FC Lustenau (März bis Dezember 2009) trainiert.

Mit dem Wechsel zu Fußball-Meister Austria Wien hat Bjelica den bisherigen Höhepunkt seiner rund sechsjährigen Trainerkarriere erreicht. "Es ist immer aufwärts gegangen", sagte der 41-Jährige, der bei den Favoritnern einen Vertrag für ein Jahr erhielt und ein weiteres bleiben kann, sollte ein Europacupplatz erreicht werden. "Ich bin stolz, dass es funktioniert hat", meinte der Nachfolger des zu Köln abgewanderten Peter Stöger.

Aus den kolportierten Engagements etwa von Ralph Hasenhüttl oder Niko Kovac ist nichts geworden, nun schlägt also Bjelicas Stunde. "Es hat am Samstag den ersten Kontakt gegeben, um 20.00 Uhr waren wir uns dann einig", erklärte Bjelica.

Er habe nicht lange überlegen müssen, in die großen Fußstapfen von Stöger treten zu wollen. "Er war ein starker Charakter, ich bin auch so einer", sagte er. Seine sportlichen Pläne für die Wiener? "Wir haben beim WAC ähnlich spielen lassen. Es wird wieder ein 4-3-3-System und eventuell auch ein 4-2-3-1 geben", meinte Bjelica, der sich vorerst noch nicht zu Personalia äußern wollte. Vom WAC werde er jedenfalls keine Spieler mitnehmen: "Weil ich sie nicht schwächer machen will."

Noch am 26. Mai hatte Bjelicas Welt ein bisschen anders ausgesehen. "Bitter, schade", sagte er da geknickt in die Kameras, kurz nachdem der WAC in der letzten Runde der Bundesliga nach einer dramatischen Partie Innsbruck mit 3:4 unterlegen war und so den 70 Minuten lang sicher geglaubten Europacupplatz noch verspielt hatte. Drei Wochen später ist es für den Kroaten Gewissheit, doch international zu spielen und sogar um einen Platz in der Gruppenphase der Champions League zu kämpfen. Für die "Veilchen" fühlt sich Bjelica gerüstet: "Ich habe beim WAC einiges geleistet. Es war wunderschön und da waren super Momente dabei."

Bjelica ist ein Verfechter der Politik der kleinen Schritte. Sein erster Trainerjob war ein Engagement beim FC Kärnten von 2007 bis 2009, danach fungierte er von März bis Dezember 2009 als Coach des FC Lustenau, ehe im Sommer 2010 der Wechsel zum damaligen Regionalligisten WAC/St. Andrä erfolgte. Mit den Wolfsbergern schaffte der neunfache kroatische Teamspieler auf Anhieb den Aufstieg in die Erste Liga. Im Vorjahr folgte der Aufstieg in die Bundesliga, in der die Kärntner eine starke Saison spielten und nur hauchdünn den Einzug in die Europa-League-Qualifikation verpassten.

Als Coach hat Bjelica kein bestimmtes Vorbild. Sein persönliche Trainerphilosophie bastelte sich der Kroate im Laufe seiner Spielerkarriere zusammen, die ihn über Kroatien (Osijek) nach Spanien (Albacete, Betis Sevilla, Las Palmas), Deutschland (Kaiserslautern) und schließlich Österreich (Admira, FC Kärnten) führte.

Besonders einprägsam war die Bekanntschaft mit Luis Aragones bei Betis Sevilla. "Er war eine echte Vater-Figur, der für seine Spieler gestorben wäre. Alle Spieler haben ihn sehr geschätzt", sagte Bjelica über den mittlerweile 74-Jährigen, der Spanien 2008 zum Europameistertitel geführt hatte.

Großen Einfluss auf den WAC-Betreuer hatten auch Eric Gerets und Kurt Jara jeweils bei Kaiserslautern sowie Benito Floro bei Albacete. Am Ende entwickelte sich laut Bjelica nicht nur eine Vorliebe zum Angriffsfußball. "Ich habe auch gelernt, richtig mit Spielern umzugehen - mit freundlicher Autorität", meinte der 41-Jährige, der seine längerfristige Zukunft abseits der österreichischen Liga sieht. "Mein großes Ziel ist es, in die deutsche Bundesliga zu kommen", hat Bjelica im März erklärt.