Erstellt am 30. Oktober 2015, 05:32

von Bernhard Fenz

Bürger: Mit einem Tor ins doppelte Glück. Patrick Bürger traf beim Comeback zum Sieg und beschenkte sich selbst, sagt aber: „Zurück bin ich noch nicht.“

Wieder am Ball: Am Samstag wurde Patrick Bürger erstmals in dieser Saison eingetauscht - der wiedergenesene Langzeitverletzte war gegen Altach sofort hellwach und erzielte im Finish das Siegestor.  |  NOEN, Martin Ivansich
Ein Eintausch, ein Kopfball, und alles war wieder so wie früher. Quasi. Patrick Bürger war am Samstag im Spiel gegen Altach endlich wieder bei einem Mattersburger Pflichtspiel im Einsatz – ganz so, wie ihn die Fans in Erinnerung hatten.

Der Bad Tatzmannsdorfer ging nach seiner Einwechslung in Minute 77 bei den Zweikämpfen da hin, wo es weh tun kann, erkämpfte sich Chancen und stand bei der Flanke von Karim Onisiwo goldrichtig – sein Kopfball besiegelte den 2:1-Arbeitssieg.

BVZ.at hatte berichtet:



Danach? Der typische Jubel des Kämpfers, wie man ihn kennt. So, als ob der Stürmer nie weggewesen wa
Tatsächlich war er übermäßig lange von der Bildfläche verschwunden. Bürgers emotionales Highlight vom Wochenende darf als Belohnung betrachtet werden – für die Ausdauer und Hartnäckigkeit des 28-Jährigen.

Im August 2013 riss im Training erstmals das Kreuzband, am 25. April 2014 auswärts gegen die Vienna in der Ersten Liga beim Comeback gleich noch einmal.

Seitdem erlebte Patrick Bürger eine emotionale Hochschaubahn, die ein Comeback in Aussicht stellte (so kam er im Frühjahr der jüngsten Aufstiegssaison dreimal zu Kurzeinsätzen, etwa auch in den letzten beiden Runden Ende Mai 2015), die ihn aber immer wieder an der normalen Rückkehr hinderte.

Das Knie schwoll nämlich bei Belastung immer wieder an, also war er auch weit mehr als ein Jahr nach dem zweiten Kreuzbandriss noch nicht voll auf der Höhe.

„Jetzt springen auch die Muskeln an“

„Diese Zeit war für mich die schlimmste“, blickt der Ex-Teamspieler auf die lange Phase der mentalen Unsicherheit zurück. „Ich habe ja nicht gewusst, was los ist. Du probierst es immer wieder, dann schwillt das Knie erneut an – all das war schwer. Ich wollte aber unbedingt zurück.“

Also entschloss sich der Südburgenländer schließlich zu einer Therapie beim deutschen Reha-Spezialisten des österreichischen A-Teams, Mike Steverding, in Herxheim bei Karlsruhe. „Der hat sich das genau angesehen und auf Basis dessen noch einmal eine Reha gemacht. Die Zeit in Deutschland war sehr gut für mich.“

Leicht sei es aber nicht gewesen, vor allem „wenn du eigentlich denkst, du kannst wieder spielen – und dann sagt dir jemand, dass das jetzt nicht gehen wird.“

Steverding hat Bürger letztlich aber damit, wie er berichtet, „ganz runtergeholt und das Knie durch die Therapie auch völlig stabilisiert. Die Schwellungen wurden immer weniger, seit rund einem Monat ist nichts mehr passiert. Jetzt habe ich auch nicht mehr die Panik, dass das wieder schlechter wird.“ Und: „Nun springen die Muskeln auch wieder an – das war vom Gefühl her, wie wenn man nicht richtig anspannen kann.“

Zudem kann der Stürmer auch dann und wann die Intensität drosseln, sollte es nötig sein. „Das macht das Trainerteam sehr gut. Die sehen mich täglich und wissen, wie ich eingesetzt werden kann – hier besteht ein gegenseitiges Vertrauen.“

Pucher: „Dafür haben wir ihn ja auch“

Dieses Vertrauen schenkte ihm auch der Verein, wie etwa Trainer Ivo Vastic nach dem 2:1 klarstellte: „Mit seinem Willen macht er viel wett, trotzdem darf man nichts überstürzen. Es ist toll, dass der SVM in schwierigen Zeiten stets zu ihm gehalten hat, das muss man auch erwähnen.“

Im Verein entscheidet Big-Boss Martin Pucher. Er weiß, was er an dem außergewöhnlich ehrgeizigen Profi hat: „Das freut mich für ihn, auch die Geschichte mit der Einwechslung und dem Tor – aber dafür haben wir ihn.“

Soll heißen: Die Erwartungen an Patrick Bürger können wieder steigen. Was der Naturbursch selbst will? „Langsam wieder zurückkommen. Da war das Tor gegen Altach ein Schritt in die richtige Richtung, ein super Gefühl, etwas nicht Alltägliches. Mein Ziel ist es aber, dass ich auch wieder über 90 Minuten zum Einsatz komme. Jetzt stehe ich erst am Anfang, richtig zurück bin ich noch lange nicht.“

„Am Platz spüre ich das Knie nicht“

Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Rückkehr hat er trotzdem geschaffen. Körperlich sei Bürger auf einem sehr guten Niveau („Das muss aber in meiner Situation ohnehin so sein“), mental ist der Wille zudem stärker als etwaige Ängste vor einer weiteren Verletzung. „Das muss man ausblenden, sonst braucht man gar nicht wieder anzufangen. Ich fühle mich am Platz wohl, gehe voll in die Zweikämpfe, da ist das alles nicht präsent für mich.“

Das alles? Damit meint Bürger Dinge, die mittlerweile zum Alltag gehören. Ein Wetterumschwung, zu langes Sitzen oder dergleichen können nun Gründe sein, um das Knie zu spüren. „Das kann sich nur einer vorstellen, der das selbst erlebt hat.“ Wesentlich sei aber, bei der eigentlichen Arbeit fit zu sein. „Das bin ich – und das freut mich auch sehr.“ Was am Spielfeld noch besser werden muss: „Das nötige Timing. Das kommt aber mit jedem weiteren Einsatz.“

Bis zur Winterpause will Bürger also Praxis sammeln, um danach beruflich weiter durchzustarten.
Dazwischen wird sich auch noch ein privates Highlight dazugesellen. Kein Geheimnis mehr: Mitte Jänner erwarten der Bad Tatzmannsdorfer und seine Freundin Bernadette ihren ersten Nachwuchs. Ob es ein Bub oder Mädchen wird? Stopp. Das verrät Patrick Bürger vorerst noch nicht.