Stotzing

Erstellt am 30. September 2016, 05:20

von Bernhard Fenz

Fußball-Diplomatie: „Eine harte Nuss“. Ist die Reform verhandelbar? Georg Pangl, EPFL-Generalsekretär: „Wir wollen die UEFA in die Pflicht nehmen.“

 „Reden wir mal drüber…“: UEFA-Generalsekretär Theodore Theodoridis, Martin Wagner ( Team Marketing – die Schweizer Vermarktungsfirma der UEFA Champions League), EPFL-Generalsekretär Georg Pangl und Neo-UEFA-Präsident Aleksander Ceferin (v.l.). Foto: Cunningham/UEFA  |  Cunningham/UEFA, zVg/

Die ersten zwei Wochen von Aleksander Ceferin als neuer Präsident der europäischen Fußball-Union UEFA sind schon wieder Geschichte. Der 48-jährige Slowene setzte sich im Zuge der Wahl beim außerordentlichen Kongress in Athen bekanntlich gegen seinen um 20 Jahre älteren Konkurrenten Michal van Praag aus den Niederlanden klar durch.

Ob der Rechtsanwalt aus Laibach tatsächlich die besseren Ideen für die Zukunft hat, ist spekulativ und Ansichtssache. Fakt ist, dass ihm in Fußball-Europa eine breitere Unterstützung zuteil wurde.

Kleineren Verbände hoffen auf Rückkehr

Parallel brennt das Thema Champions-League-Reform, die noch vor Ceferins Amtsantritt Ende August vom UEFA-Exekutivkomitee beschlossen und davor von Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern München vorangetrieben wurde – er ist Vorsitzender der europäischen Club-Vereinigung ECA.

Die Erhöhung auf vier Fixstartplätze für Spanien, Deutschland, England und Italien sowie ein finanzielles Upgrade bei der Dotierung der Besten bedeuten ab 2018 vereinfacht gesagt noch mehr Einfluss für die Top-Klubs und einen schwierigeren Zugang für die breite Masse darunter.

Gerade die vielen kleineren und mittleren Verbände hoffen aber nach wie vor auf die Rückkehr an den Verhandlungstisch und im besten Fall auf eine Umkehr des Beschlusses. Der Stotzinger Georg Pangl ist da als Generalsekretär der europäischen Profiligen (EPFL) quasi aktiv in der Kernzone. Er sagt: „Ziel ist und bleibt, die Verhandlungen neu aufzurollen. In jedem Fall wird das aber eine harte Nuss.“

Anfang Oktober findet jedenfalls ein Treffen zwischen EPFL-Präsident Lars-Christer Olsson, Georg Pangl, Neo-Boss Ceferin und UEFA-Generalsekretär Theodore Theodoridis statt. Unabhängig davon beriet bereits eine Arbeitsgruppe mit Vertretern nationaler Verbände.

16 Fixplätze sind wohl nicht verhandelbar

Was im Zuge der Fußball-Diplomatie tatsächlich bewegt werden kann, wollte der 51-jährige Burgenländer nicht prognostizieren, denn: „Die Gesamtlage ist kompliziert, da steckt viel Strategie dahinter. Ceferin selbst hat jedenfalls den Druck der Großen und auch den Druck der Kleinen.“

Pangl habe den neuen UEFA-Machthaber zumindest beim entspannten Plauscherl bislang als „sehr umgängliche Person“ kennengelernt. „Er ist Jurist und Pragmatiker, der als Slowene sicher ein Ohr für die mittleren und kleinen Verbände haben wird.“ Gleichzeitig aber gibt es eben eine Entscheidung über die Reform der Königsklasse, die noch vor dem Amtsantritt von Aleksander Ceferin gefällt wurde. Gut möglich also, dass am Ende gar nicht erst neu verhandelt wird – auch wenn etwa einige nordeuropäische Länder mobil machen und diverse mögliche Allianzen im Raum stehen.

Zu gewichtig scheinen die vier Fixplätze für die vier Top-Ligen, als dass die Zugangsbestimmungen für den großen Rest doch wieder aufgeweicht würden. Bleibt ein Kompromiss-Puffer über die finanzielle Schiene, die sogenannten Solidaritätszahlungen an nationale Ligen.

Das scheint auch für Georg Pangl die realistischste Variante. „Eventuell kann es eine Art Paket geben, das man den Ligen anbietet. Wir wollen jedenfalls mit der UEFA verhandeln und diese in die Pflicht nehmen, um hier noch eine gute Lösung zu erzielen.“