Erstellt am 04. Juni 2011, 14:30

Constantini nach Topleistung nur halb zufrieden. Dietmar Constantini durfte nach dem ehrenhaften 1:2 in der EM-Qualifikation gegen Deutschland mehr Gratulationen entgegennehmen als nach seinen bisher sechs Siegen als Teamchef der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft.

"Schön, dass die Leistung besser als erwartet war. Davon kann ich mir aber nichts kaufen. Ich hätte lieber schlecht gespielt und gewonnen", meinte der Tiroler am Samstag.

"Man sieht aber, dass Potenzial da ist und was möglich ist", fügte Constantini hinzu. Auf die Diskussion, warum die rot-weiß-roten Fans dieses Potenzial nur sehr sporadisch zu sehen bekommen, wollte sich der 56-Jährige nicht wirklich einlassen. "Jedes Spiel ist anders. Wenn wir immer auf diesem Standard spielen würden, wären wir nicht nur die Nummer 74 der Welt." Constantini brachte dafür lediglich die immer wieder hinzunehmenden Ausfälle von einzelnen Spielern als Argument.

Manchmal laufe es eben gut, mal schlechter. "Es ist wie im alten Rom. Du musst die Leistung am Punkt X bringen. Da sind die Zuschauer da und da wirst du beurteilt. Wenn es schlecht ist, bist du der Wedel. Wenn es gut ist, dann bist du der Kaiser", verwies Constantini auf alte Gesetzmäßigkeiten. Diesmal durfte sich Constantini ein wenig als Kaiser fühlen, schließlich brachte man den dreifachen Welt- und Europameister phasenweise an den Rand der ersten Pflichtspielniederlage gegen Österreich seit 1978. Ob nun die Fortsetzung seiner Teamchef-Ära winke, wollte Constantini nicht kommentieren.

Die Rolle des krassen Außenseiters war für die Österreicher natürlich kein Nachteil. "Das ist überall im Spitzensport so", so Constantini. Zudem absolvierte die ÖFB-Auswahl in Bad Tatzmannsdorf eine perfekte Trainingswoche und wirkte gegen Mesut Özil und Co. taktisch sehr gut eingestellt. "Es stimmt, dass es beim letzten Mal etwas chaotisch zugegangen ist, diesmal waren alle Spieler charakterfest."

So kam die Leistung seiner Schützlinge für Constantini, der "null Respekt und einen Schuss Wahnsinn" gefordert hatte, nicht überraschend. "Ich habe so eine Leistung erwartet. Wir haben genügend Typen, die im Ausland ihren Mann stehen. Wir haben das durchgezogen, dass wir keinen Respekt zeigen und auf uns schauen wollten. Den Schuss Wahnsinn haben wir auch gehabt", so Constantini, der mit dem Aufbieten der schnellen Spieler wie Martin Harnik, Erwin Hoffer oder David Alaba goldrichtig lag.

Dass die Deutschen müde und überspielt wirkten, wollte der Nationaltrainer nicht geltenlassen. "Die Deutschen waren so schwach, weil wir so stark waren." Trotzdem hat Österreich seit dem 4:4 in Belgien fünf Spiele in Folge verloren, und die vom ÖFB angestrebte EM 2012 ist bereits vier Spiele vor Schluss fast unerreichbar. "Die Quali ist somit erledigt", stellte Constantini, der nach wie vor dem 0:2 im Schlüsselspiel daheim Belgien nachtrauert, klar.