Erstellt am 02. Juni 2011, 11:04

Cordoba ist vor Duell mit Deutschland ein Tabuwort. Cordoba ist im Camp der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft ein Tabuwort. Wer es ausspricht, erntet extrem genervte Blicke.

Cordoba ist im Camp der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft ein Tabuwort. Wer es ausspricht, erntet extrem genervte Blicke. "Ich kann dieses Wort nicht mehr hören, es hängt einem schon bei den Ohren raus. Cordoba zeigt doch nur, wie erfolglos wir gegen Deutschland sind. Es ist eigentlich traurig, dass man noch immer davon spricht", meinte etwa Martin Harnik vor dem EM-Qualifikations-Duell.

Der gebürtige Deutsche und VfB-Stuttgart-Legionär hat vollinhaltlich recht: Österreich hat zuletzt 1986 (4:1 in Wien) gegen die Deutschen gewonnen, seitdem gab es ein Unentschieden und fünf Niederlagen. Der letzte Pflichtspielsieg ist sogar 33 Jahre her und gelang eben bei der WM 1978 mit 3:2 in Cordoba. "Wir würden Cordoba sehr gerne mit einem Sieg am Freitag überschreiben", sagte Harnik, der so wie alle anderen aktuellen ÖFB-Kadermitglieder 1978 noch nicht geboren war.

Die deutsche Fußball-Größe Paul Breitner meinte zum Thema Cordoba sogar: "Cordoba war der Sargnagel des österreichischen Fußballs." Der Erfolg über die DFB-Auswahl habe damals nicht nur den Fans, sondern auch so manchem Funktionär den Blick getrübt, nötige Reformen oder Weiterentwicklungen seien nicht in Angriff genommen worden. "Viel zu viele in Österreich haben mit dem Abpfiff in Cordoba geglaubt: Wir sind jetzt Weltmeister und bleiben es für alle Zeiten", kritisierte der Weltmeister 1974.

In Cordoba, der zweitgrößten Stadt Argentiniens, gelang einer von insgesamt acht ÖFB-Siegen gegen Deutschland, ansonsten gab es sechs Unentschieden und 21 Niederlagen. Die jüngste, ein 0:1, setzte es bei der Heim-EM 2008 im Wiener Happel-Stadion, wo auch am Freitag gespielt wird. Damals knallte Michael Ballack in der 49. Minute einen 121 km/h schnellen Freistoß ins Tor und beendete damit die österreichischen Viertelfinal-Träume. Ballack wird diesmal nicht gefährlich werden, der 34-Jährige wurde von Teamchef Joachim Löw mittlerweile aussortiert.