Erstellt am 15. August 2012, 00:00

Dachverbände außer Frage?. SPORTFÖRDERUNGS-DEBATTE / Die effizientere Unterstützung im Spitzensport steht im Fokus. Bei den Dachverbänden dürften die Fördermechanismen unverändert bleiben.

Burgenlands Dachverbandspräsidenten unter sich: Christian Illedits (ASKÖ), Karin Ofner (Sportunion) und Robert Zsifkovits (ASVÖ) verteidigen die Funktion ihrer Verbände, sind aber Veränderungen gegenüber nicht völlig verschlossen.  |  NOEN
x  |  NOEN

VON BERNHARD FENZ

Österreichs Medaillen-Debakel bei den Olympischen Spielen in London war der Stein des Anstoßes, warum Sportminister Norbert Darabos die stets als heiße Kartoffel gehandelte Reform der „Sportförderung“ zur Sprache brachte. Das Thema ließ die Wogen schäumen, als Darabos unter anderem das Wort „Olympia-Touristen“ in den Mund nahm und vom falschen Fördersystem sowie von Reformblockierern in den Sportverbänden sprach. Tatsächlich geht es im Zuge der Diskussion um eine gezielte Verbesserung der Spitzensportförderung.

Ob die gesamte Sportförderungs-Schiene völlig neu überarbeitet wird, bleibt abzuwarten. So ein Schritt würde schließlich auch bedeuten, dass weitere heiße Themen behandelt werden müssten – eines davon wäre auch die künftige Rolle der drei Dachverbände ASVÖ (Allgemeiner Sportverband Österreichs), ASKÖ (Arbeitsgemeinschaft für Sport und Körperkultur in Österreich, SPÖ-nahe) sowie Sportunion (ÖVP-nahe) – und wie man diesen Apparat effizienter gestalten könnte. Ein Diskussionsansatz: die Dachverbände zusammenlegen, um den Verwaltungsaufwand zu straffen.

Christian Illedits, Präsident der ASKÖ Burgenland, glaubt durchaus, dass dieses Thema zumindest diskutiert werden könnte: „Natürlich wird wohl auch die Struktur der Dachverbände hinterfragt werden. Dass wir unsere Existenzberechtigung haben, ist aber klar – sowohl in der Breite, als auch in der Spitze. Es geht um die Aufteilung der Mittel.“

Umverteilung der Kosten  als möglicher Vorschlag

 

Robert Zsifkovits, Präsident des ASVÖ Burgenland, könnte sich jedenfalls eine Zusammenlegung vorstellen: „Ich wäre Verfechter eines einzigen Dachverbandes.“ Nachsatz: „Von Seiten der politischen Parteien besteht hier aber kein Interesse.“

Dass die Dachverbände eine wichtige Funktion einnehmen, stellte Zsifkovits im selben Atemzug klar. „Wir nehmen auch eine ganz wichtige beratende Funktion ein, die vor allem kleinere Fachverbände nicht haben können.“ Daher stelle sich auch nicht die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Dachverbänden, sondern nach der Sinnhaftigkeit der zur Verfügung stehenden Mittel: „Nach wie vor werden sämtliche Gesundheits- und Bewegungsprogramme, auch integrativer Natur, vom Sportbudget abgedeckt. Das sind Kosten, die eigentlich die Gesundheits- oder Sozialtöpfe betreffen würden. Die dafür freien Mittel könnten dann optimaler eingesetzt werden – hier geht es auch um den Leistungs- und Spitzensport sowie die nötige Infrastruktur.“

Sportunion-Präsidentin Karin Ofner wiederum sieht bei einer möglichen Effizienzsteigerung vor allem übergreifende Projekte bei den Dachverbänden, „wie wir das bereits mit dem ASVÖ getan haben“. Eine Zusammenlegung sei aber kein kurzfristiges Szenario: „Hier besteht auch das Problem, dass bei drei Dachverbänden unterschiedliche Philosophien vorherrschen, es sind eigenständige Verbände. Fakt ist auch, dass es trotzdem noch immer insgesamt 14.000 Vereine gibt, die betreut gehören. So würde man sich vielleicht ein paar Geschäftsführer einsparen, die Lösung für die Probleme im Sport wäre das aber auf gar keinen Fall.“

Und der Sportminister? Norbert Darabos (SPÖ) sieht jedenfalls keinen zwingenden Grund für so einen Schritt, der Burgenländer stellt zudem klar: „Eine Zusammenlegung ist nur möglich, wenn das die Dachverbände selbst wollen.“

Außerdem gehe es vorwiegend darum, die Fördermittel im Sinne der Leistungsförderung effizient, transparent und wirksam einzusetzen. „Die derzeitige Debatte betrifft die Spitzensportförderung, also die Fachverbände. Hier geht es um einen Paradigmenwechsel weg von der Gießkanne.“

Welche Rolle die Dachverbände für Darabos künftig spielen sollen? „Sie erfüllen mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten vor allem eine wichtige Funktion im Breitensport. Ich sehe die künftige Hauptaufgabe in der Kooperation mit den Schulen und in der Nachwuchsförderung in den Vereinen.“