Erstellt am 11. Mai 2011, 00:00

„Dancing Stars wäre zu viel“. AUS SICHT DES JAHRHUNDERTFUSSBALLERS / Herbert Prohaska über Mattersburg, „seine“ Erste Liga, Burgenlands Legionäre und das stressfreie Leben im Fußball.

Entspannt: Am 28. Mai ist Herbert Prohaska im Zuge des Champions-League-Finales für den ORF im Einsatz - wie immer als Chefanalytiker.  |  NOEN
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VON BERNHARD FENZ

BVZ: Sie sind Schirmherr des Fußballcamps im VIVA Steinbrunn: Wie viel Burgenland steckt in Herbert Prohaska?

Prohaska: Der Bezug ist relativ groß, weil wir während meiner siebenjährigen Tätigkeit als Teamchef in den letzten Jahren durch die Burgenland-Kooperation öfter dort einkaserniert waren und uns auch erfolgreich für die WM in Frankreich vorbereitet haben. Ich schätze das Burgenland auch für seinen Wein und die Weinverkostungen (lacht).

BVZ: Wie schätzen Sie den SVM mittlerweile ein?

Prohaska: Die Mattersburger wissen jedes Jahr, dass sie kämpfen müssen, um in der Liga zu bleiben – das ist ein Vorteil. Und es wird sehr gut gearbeitet. Martin Pucher hat viel auf die Beine gestellt, es gibt keine Lizenzprobleme, das passt alles. Dass der SVM in Zukunft um die Europa-League-Plätze mitspielt, das wird es aber eher nicht geben.

BVZ: Warum nicht?

Prohaska: Rein von der Region her wird es schon schwer, um noch mehr zu erreichen. Hinzu kommt ein österreichisches Problem: Ich kann mich noch gut an meine Zeit bei der Austria erinnern: Damals haben wir uns beinahe zu Tode gesiegt. Die Sensation „Mattersburg in der obersten Liga“ ist eben auch vorbei. In den ersten Jahren wollten noch alle die Spiele sehen, das hat sich geändert.

BVZ: Wer wird Meister?

Prohaska: Ganz oben ist es eine Lotterie. In der Ersten Liga ist es ebenfalls schwer zu sagen. Aber egal ob Admira oder Altach: Der Aufsteiger wird in jedem Fall eine Bereicherung sein.

BVZ: Weiter unten – in der Regionalliga – strebt Parndorf wieder nach oben. Wo sehen Sie als Erste-Liga-Schirmherr Probleme am Bundesliga-Dasein?

Prohaska: In Parndorf wird seriös gearbeitet, die Sache läuft. Grundsätzlich stellt sich für mich aber oft die Frage, was ein Verein will. Für einige Klubs wäre es gut, würden sie sich als Spitzenmannschaft in der Regionalliga bekennen, das Geld mehr auf den eigenen Nachwuchs setzen, etwas Gutes nachbringen und sich so selbst finanzieren. Beispiel Gratkorn: Die haben mit Sturm Graz, Kapfenberg, Hartberg und dem GAK – wenn sie aufsteigen – enorme Konkurrenz. Wo sollen da Sponsoren bleiben?

BVZ: Stichwort Nationalteam: Geht defensiv ein Spieler wie Martin Stranzl ab?

Prohaska: Ihm ist halt scheinbar irgendwann irgendetwas auf die Nerven gegangen, dann hat er seinen Rücktritt erklärt. Wenn ich als Teamchef sage: Wer nicht will, soll nicht, ist das verständlich. Brauche und will ich ihn aber, dann wäre ein vernünftiges Gespräch nötig. Ich glaube schon, dass Martin Stranzl dann umdenken würde.

BVZ: Stranzl will nicht mehr, Andi Ivanschitz darf nicht mehr. Hätte ihn der Teamchef einberufen sollen?

Prohaska: Vor einem Jahr, als er in Mainz so stark gespielt hat, hätte es sich Didi Constantini selbst einfacher machen können. Da hätte er Ivanschitz eine Chance geben und sich überzeugen lassen können. Hätte er nicht entsprochen, hätte ihn der Teamchef in der Folge immer noch weglassen können. Fakt ist, dass er diese Chance nicht bekommen hat – warum auch immer.

BVZ: Als ORF-Chefanalytiker sprechen Sie nicht nur über die Länderspiele, sondern auch über die Champions League. Ab der Saison 2012/2013 hat der ORF die Übertragungsrechte nicht mehr – müssen Sie dann leisertreten?

Prohaska: Nein, im Gegenteil. Der ORF überträgt dann ja die Europa League, das könnte für mich wirtschaftlich sogar besser sein – ich bekomme pro Match bezahlt. Aus sportlichen Gründen hätte ich schon lieber die Champions League – weil da die ganz Großen spielen. Andererseits hat es schon seinen Reiz, wenn sich ein, zwei Österreicher qualifizieren.

BVZ: Der ORF bleibt also ein Fixpunkt. Und sonst? Gibt es Termine und Angebote, die sie ablehnen?

Prohaska: Viele. Ich will beispielsweise nicht bei Dancing Stars mitmachen. Da kannst du gutes Geld verdienen, aber vom Zeitaufwand her wäre mir das viel zu viel. Es muss schon zu mir passen und darf nichts sein, wo ich das Gefühl habe, da prostituiere ich mich – oder da mache ich mich lächerlich.

BVZ: Demnach können Sie bei Terminanfragen sondieren?

Prohaska: Ja, zum Glück muss ich mich nicht vom Geld leiten lassen. Bis auf das ORF-Engagement bin ich mein eigener Herr und kann über meine Termine selbst bestimmen. Dazu bin ich weiter mitten im Geschehen, habe kaum Verantwortung und schlafe gut. Der wirkliche Stress im Fußball ist weg.