Erstellt am 16. Oktober 2012, 09:21

„Das alles ist eine komplexe Sache“. Was ist optimal? | Bundesliga-Vorstand Georg Pangl spricht über die TV-Rechte, über neue Technologien und über neue Stadien.

 |  NOEN
BVZ: Ende Oktober erhalten die Interessenten die Ausschreibung der Bundesliga-TV-Rechte für die Saisonen ab 2013/2014. Aktuell zahlen Sky und ORF insgesamt kolportierte 17 Millionen Euro. Sie wollen am Ende der neuen Verhandlungen die 20-Millionen-Grenze knacken – ein realistisches Ziel?
Georg Pangl: Es ist sicher eine gewagte Aussage, aber ich stehe nach wie vor dazu – das ist auch mein Anspruch an mich. Trotzdem wird es schwer, den Zweier davor zu erreichen.

Mittlerweile zählen neben ORF und Sky auch Servus TV, ATV und Puls4 zu potenziellen Bewerbern. Ein Glück?
Pang: Für uns hat sich der Medienmarkt zum Positiven verändert – es ist Bewegung drin. Jetzt hoffe ich, dass die Sender noch genug Geld in der Kassa haben, um auch in der Liga zu investieren. Fakt ist: Je mehr Wettbewerb vorhanden ist, desto mehr kann man auch monetär erreichen.

Geld ist die eine Seite. Wie wichtig ist das Paket an sich?
Pangl: Es ist meine Aufgabe, das Bestmögliche für die 20 Klubs zu erreichen. Darunter ist nicht nur der finanzielle Aspekt zu verstehen. Die Qualität des Produkts muss stimmen – und die Sponsoren sowie der Fan an der Basis müssen bestmöglich zufrieden sind. Das alles zusammen ist eine komplexe Sache, man wird hier nie überall 100 Prozent Zufriedenheit erreichen.

Wird am 7. Dezember bei der Hauptversammlung und Jahresabschlussfeier schon ein Ergebnis präsentiert werden?
Pangl:  Wenn alles passt, dann ja. Ich bleibe aber realistisch: Das Nachverhandeln wird sich erfahrungsgemäß bis ins neue Jahr hineinziehen.

Könnte sich rein vom zeitlichen Ablauf her – Freitag Erste Liga, Samstag/Sonntag Tipp3 Bundesliga – etwas ändern?
Pangl: Im Prinzip sollte der Spieltag so bleiben, wie er ist.

Würde Ihnen eine Samstagabend-Fußballshow gefallen?
Pangl: Eine qualitativ gute Abendshow würde natürlich Sinn machen. Schön wäre, wenn sich hier auch eine kleine Säule entwickeln könnte – ähnlich wie in Deutschland.

Welche weiteren Vermarktungsmöglichkeiten sehen Sie für die Zukunft?
Pangl: Teilweise werde ich da noch nicht richtig verstanden, es ist aber meine Überzeugung: Wir dürfen den Zug für die kommende Generation nicht verpassen – ich meine den Bereich „New Media“, „Social Media“, oder das „Connected Stadium“, wo man sich mittels W-LAN im Stadion und eigenem App mit dem Smartphone einloggen kann und dann mit sämtlichen Infos, Angeboten und dergleichen versorgt wird.

Permanent online sein, auch im Stadion: Ist das die Zukunft?
Pangl: Die Kids wollen heutzutage nur online sein, über diese Generation könnte man künftig mehr Zuschauer an-locken. In den USA wird das bereits praktiziert, in Europa teilweise – wie etwa bei Real Madrid, im Wembley-Stadion oder in der Amsterdam-Arena, Tendenz steigend. Alles braucht zwar entsprechende Anlaufkosten sowie Verständnis, und derzeit ist bei uns die Zeit scheinbar noch nicht reif dafür. Ich bin aber überzeugt, dass wir in fünf Jahren nicht mehr darüber reden müssen.

Dann wird diese Technologie bei uns selbstverständlich sein?
Pangl: Vielleicht ist das zu sehr Wunsch, aber das ist meine Einschätzung.

Andererseits: Ist es nicht schön, einfach im Stadion zu sitzen und nicht noch zusätzlich virtuell belästigt zu werden?
Pangl: Das ist die andere Seite. Das Stadion ist derzeit noch die letzte analoge Bastion in unserer digitalen Welt. Wenn ich mich am Eingang nicht über den Barcode einlogge, werde ich auch nicht belästigt. Gehöre ich aber dieser Generation an, dann kann ich davon Gebrauch machen.

Wie bewerten Sie unsere Bundesliga-Stadien?
Pangl: Angelehnt an die NV-Arena in St. Pölten oder die Keine-Sorgen-Arena in Ried wäre es schon ein Wunschtraum von mir, dass jeder Klub ein Stadion in ähnlicher Form hat – abhängig natürlich von der Größe.

Sehen Sie zu viel Stückwerk?
Pangl: Schön wäre, wenn wir endlich einmal von den teils provisorischen Tribünen wegkommen könnten.
Was fehlt Ihnen noch?
Pangl: Sky-Boxen oder Business-Sitze würden alle verkauft werden – nur müssten wir einmal dorthin kommen, dass wir die auch anbieten.

Mit welchem Geld sollte das möglich gemacht werden?
Pangl: Alle müssten zusammenhelfen, inklusive der Politik. Ich will uns nicht mit den Großen vergleichen, aber dort gibt es auch private Investoren, die einen Bau mittragen. Und die Bayern etwa zahlen immer noch, man hat ihnen das Stadion nicht geschenkt. Trotzdem ist der Betrieb nun ideal – das bei uns in Relation wäre mein Wunsch.

Beim Thema „Änderung von Ligaformaten“ steht die Bundesliga auf der Bremse – etwa wenn es um eine mögliche Aufstockung der Ersten Liga auf 16 Klubs und die Abschaffung der Relegation geht. Kommt noch einmal Bewegung ins Spiel?
Pangl: Die Gespräche mit dem ÖFB sind noch im Laufen, daher will ich mich dazu derzeit nicht näher äußern.

Mit Beginn der kalten Jahreszeit werden wieder beliebte Themen aufkeimen – etwa die Ganzjahresmeisterschaft.
Pangl: Die Diskussion gibt es in den zwei Runden im Februar, drei Wochen später ist das kein Thema mehr. Fakt ist: Eine Ganzjahresmeisterschaft ist nicht durchführbar. Sogar Russland hat umgestellt, spielt nun Herbst-Frühjahr und hat sich Gesamteuropa angepasst. Das ist kein ernstes Thema.

Die Rasenheizungs-Frage schon? Der SVM konnte bislang alle Spiele ohne eine solche Einrichtung durchbringen. In Innsbruck etwa ist das nicht gelungen, trotz Rasenheizung.
Pangl: Selbst wenn es Klubs durch viel Arbeit schaffen, ein Spielfeld schneefrei zu machen, ist das meist gefroren, es besteht Verletzungsgefahr und der Ball verspringt sich. Für mich wären Rasenheizungen, inklusive der nötigen Fachkenntnis bei der Handhabe, ein Muss. Einerseits aufgrund der Wettbewerbssicherheit, und andererseits, weil einfach ein ganz anderes Spiel aufzuziehen ist, wenn unterhalb des Rasens die Schläuche mit dem heißen Wasser installiert sind.

Interview: Bernhard Fenz