Erstellt am 18. April 2012, 00:00

DAS BFV-STRAFWESEN. STRUMA-DEBATTE / Laufen die Verfahren des Straf- und Meldeausschusses für alle gerecht ab? Die BVZ fragte nach.

 |  NOEN
VON BERNHARD FENZ

Der burgenländische Meisterschaftsbetrieb ist voll im Gang – wie auch die Abwicklung der Ausschlüsse und Anzeigen. Dafür ist beim Verband in erster Instanz der Straf-, Melde- und Kontrollausschuss, kurz gesagt die STRUMA (korrekt eigentlich der STRUMA, ausgesprochen ist im Burgenland aber das „die“ üblich), verantwortlich.
Zuletzt mehrte sich seitens einiger Vereine aber Kritik. Inhalt: Es werde zu einseitig verfahren – die Urteilsfindung stütze sich vor allem auf den Schiedsrichterbericht. Gegenargumente und Gegendarstellungen von strittigen Situationen blieben, wie Kritiker betonen, zu wenig berücksichtigt.

Nikolaus Sauer, STRUMA-Vorsitzender, kann die Aufregung nicht nachvollziehen. „Wir bemühen uns, so objektiv wie möglich zu sein und das Ganze in richtige Bahnen zu lenken. In 80 Prozent der Fälle wird die Mindeststrafe ausgesprochen – wir sind ja nicht sadistisch veranlagt.“
Am Donnerstag und Freitag (im Südburgenland) tagt die STRUMA, dabei werden alle Fälle der vergangenen Runde aufgerollt. Vor dem nächsten Spieltag sollte Klarheit herrschen, ein Verhandlungsmarathon ist schon aus zeitlichen Gründen nicht drin. Karl Schmidt, BFV-Sekretär und STRUMA-Schriftführer: „Das ist ein Schnellgericht. Würde vier Wochen lang prozessiert werden, wäre auch der Spieler vier Wochen lang suspendiert und könnte nicht auflaufen.“
Größtes Gewicht hat bei der nötigen Beweisfindung demnach auch das geschriebene Wort des Unparteiischen – der Schiribericht. Sauer: „Wir vertrauen den Unparteiischen und wollen sie auch schützen. Wenn das nicht der Fall wäre, hört es sich auf.“

Schnellgericht STRUMA: Was wird berücksichtigt?

Das sieht auch BFV-Präsident Gerhard Milletich so, wiewohl er die heikle Thematik an sich bestätigt: „Es ist nicht einfach, schließlich zählt eine gute Balance zwischen den Klubs und den Unparteiischen.“
Auf einen Aspekt weist auch der STRUMA-Obmann hin: „Wir beurteilen schon, welcher Schiri einen Bericht schreibt und sind vorsichtig, je tiefer die Klasse ist.“

Dass die Referees bei der Verhandlung übrigens nicht anwesend sein müssen, sieht der Neufelder nüchtern: „Uns muss ihr Bericht reichen. Zudem hat der Angeklagte natürlich das Recht, gegen das Urteil zu berufen.“
Vor dem Protestsenat (laut BFV maximal zehn- bis 15-mal pro Jahr) wird der Fall dann komplett neu behandelt – auch der Unparteiische wird vorgeladen. Dieses Vorhaben geht speziell bei kleineren Delikten (die nur geringfügige Sperren nach sich ziehen) in der Praxis ins Leere. Bis die zweite und letzte BFV-Instanz – der Protestsenat – nach dem Einspruch, der Begründung desselbigen und dem Termin einer Verhandlung zu einem Urteil kommt, ist so manche Strafe bereits abgebüßt. In der Praxis machen also Einsprüche nur bei längeren Sperren Sinn.

„Zu kompliziert sollte es nicht werden“

Fest steht für Bertl Hausmann – er betreut die Baumgartener Kampfmannschaft und ist im Zivilberuf Rechtsanwalt –, dass das Thema „kein rein burgenländisches Problem ist. Als Jurist stellt es mir grundsätzlich bei Verfahren die Haare auf, wenn nicht auf alle Beweismittel Bedacht genommen wird.“
Oder wenn sich das Urteil nur auf den Bericht des Schiedsrichters stützt: „Im Strafrecht muss man sich einen tatsächlichen Überblick verschaffen – die Unmittelbarkeit sollte in den Vordergrund gestellt werden. Es gibt ja auch andere Beweismittel, wie etwaige Zeugen – um nur ein Beispiel zu nennen.“ Dass sich Einrichtungen wie die STRUMA nicht mit einem Ordentlichen Gericht vergleichen lassen, ist dem Anwalt freilich klar: „Zu kompliziert sollte es nicht werden. Aber es wäre kein Fehler, mehr auf beide Seiten Rücksicht zu nehmen.“

DAS BFV-STRAFWESEN
ERSTE INSTANZ
STRUMA – BVZ BURGENLANDLIGA,
GRUPPE NORD, GRUPPE MITTE: Nikolaus Sauer (Vorsitzender), Hannsjörg Strauch, Josef Bucsic, Erich Schöll
STRUMA – GRUPPE SÜD: Hermann Sagmeister (Vorsitzender), Josef Kristaloczi, Ewald Dragosits, Christian Drobits

ZWEITE INSTANZ
PROTESTSENAT: Dietmann Potzmann (Vorsitzender), Heinz Manninger, Rainer Porics, Peter Fuith

Als weitere Instanz bleibt danach noch der Weg zum ÖFB-Rechtsmittelsenat