Erstellt am 22. Juni 2011, 00:00

„Das ist ein Quantensprung“. TIPP3 BUNDESLIGA / Mattersburg-Trainer Franz Lederer spricht über Themen wie die alte und die neue Saison, Didi Kühbauer, Schiedsrichter und die lernwilligen Jungprofis.

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BVZ: Die abgelaufene Saison war extrem. Hatten Sie irgendwann Zweifel?

Lederer: Nein. Erstens war es vor zwei Jahren schwieriger. Zweitens habe ich spätestens mit dem Start der Frühjahrsvorbereitung keinen Gedanken mehr daran verschwendet, dass da noch etwas passieren könnte – weil ich gesehen habe, wie gut das Gefüge funktioniert hat. Die Vorbereitung im Winter hat mir so viel Energie und Mut gegeben, das war schon enorm.

BVZ: Im Herbst müssten aber einige Spiele Grund zum Zweifeln gegeben haben.

Lederer: Ich war nur ernüchtert, weil ich die Spieler jeden Tag beim Training sehe und wusste, sie können es viel, viel besser. Das stimmte nachdenklich.

BVZ: Umso schöner musste dann etwa der 1:0-Sieg im April bei der Austria gewesen sein.

Lederer: Unmenschlich, was dort geleistet wurde. Sechs Spieler waren von Krämpfen gebeutelt und sind trotzdem weitergelaufen. Da war ich unheimlich stolz auf die Mannschaft.

BVZ: Stimmt die Substanz, sodass in der neuen Meisterschaft ein Abstiegskampf vermieden werden kann?

Lederer: Ja. Trotzdem ist es von vielen Faktoren abhängig, wie die Saison verläuft. Fakt ist, dass die Mannschaft definitiv gefestigter und homogener ist.

BVZ: Wie lautet die Marschroute für die neue Saison? Wäre ein wenig Losglück hilfreich?

Lederer: Schön wäre ein Heimspiel, auch wenn das natürlich noch keine Garantie ist, dass es dann gleich dahingeht. Wir müssen einfach unbeschwert auftreten, so wie wir das zuletzt bereits einige Male gut geschafft haben.

BVZ: Ried, aber auch Aufsteiger Innsbruck waren als Außenseiter große Überraschungen. Hat auch der SVM das Zeug dazu?

Lederer: Sicher – noch dazu, wo wir den Generationenwechsel bereits vollzogen haben. Der Großteil der Mannschaft befindet sich in einem sehr guten Alter. Da haben wir gegenüber anderen Vereinen wahrscheinlich einen Vorteil, weil bei uns viele junge Spieler am Werk sind, die sich entwickeln lassen.

BVZ: Wie groß ist die Gefahr, dass Talente abgeworben werden und sich die Truppe nicht festigen kann?

Lederer: Die jungen Spieler verfügen alle über längerfristige Verträge, wir haben daher gewisse Sicherheiten. Wenn es dann einer wirklich schafft – ich vergönne es jedem, dem ein Sprung wie Christian Fuchs gelingt –, dann sind wir natürlich stolz darauf.

BVZ: Wenn’s passt, ziehen lassen, aber nicht zu jedem Preis?

Lederer: Eine Sternschnuppe ist gleich einmal da, ebenso wie die schlauen Leute, die dann raten, wohin die jungen Spieler gehen sollen. Hier sind sie in einem Nest, wo wir sie fördern und auch Rückhalt geben, wenn es einmal nicht so gut läuft.

BVZ: Wie erleben Sie die Arbeit mit den jungen Spielern?

Lederer: Niemand braucht animiert werden. Es gab schon auch Zeiten, in denen Spieler aufgemuntert werden mussten. Vieles hängt hier auch mit der Kinderstube zusammen. Die Jungen sind lernwillig und diszipliniert. Es ist schön zu sehen, wenn etwa alle am Platz wieder in die Formation zurückkommen. Das ist ein Quantensprung.

BVZ: Was muss Ihre Mannschaft künftig besser machen?

Lederer: Wir brauchen mehr Spieler, die Tore schießen. Zu viel bezieht sich auf Patrick Bürger.

BVZ: Die Spieler gäbe es: Neben Robert Waltner kann Ilco Naumoski Tore schießen.

Lederer: Ilco ist ein Stimmungsfußballer, der natürlich auch Tore braucht – ein Treffer und ein Assist sind für seine Qualität zu wenig. Seine Aufgabe wird sein, noch mehr im körperlichen Bereich zu arbeiten. Fußballspielen braucht man ihm nicht lernen.

BVZ: Was haben Sie aus der vergangenen Saison gelernt?

Lederer: Man kann mit einer gewissen Entspanntheit und dem Vertrauen in die eigenen Spieler – wenn man sie das spüren lässt – viel bewerkstelligen. Und es hat sich gezeigt, was man mit einer hohen taktischen Disziplin schaffen kann.

BVZ: Wie bewerten Sie die kommenden Duelle mit Ex-Spieler Didi Kühbauer, der als Trainer mit Admira aufgestiegen ist?

Lederer: Es wird sicher etwas eigenartig. Fakt ist aber, dass es für mich, sobald angepfiffen wird, nur Mattersburg gibt. Da ist mir absolut egal, wer drüben steht.

BVZ: Durch den Altacher Nicht-Aufstieg erspart ihr euch zwei weite Auswärtsfahrten.

Lederer: Das stimmt. Andererseits wird es für uns durch die örtliche Nähe nicht leichter, die Leute im Großraum zu mobilisieren, wieder zu uns zu kommen.

BVZ: Stichwort Schiedsrichterentscheidungen: Befindet sich der SVM nach 36 Runden wieder in der Balance?

Lederer: Mit einem Phantomtor bei der Austria starten und dann ein Abseitstor daheim im ersten Spiel bekommen, ist bitter. Mich stört beim Schiedsrichterthema grundsätzlich, dass wir immer – ich unterstelle niemandem, das bewusst zu machen – ein wenig schief angeschaut werden.

BVZ: Ist das nicht ein gewisser Minderwertigkeitskomplex – nach dem Motto: Der benachteiligte kleine Provinzklub?

Lederer: Nein. Ich will das auch gar nicht auf Mattersburg reduzieren. Es ist nur so, dass den Kleineren sicher nicht so begegnet wird, wie wenn ein Großer spielt. Das mag auf der ganzen Welt gleich sein, es kommt aber eben auf das Ausmaß drauf an.

BVZ: Sie gehen in Ihre siebente volle Saison als Cheftrainer. Wie groß ist die Gefahr der gegenseitigen Abnützung?

Lederer: Man muss immer wieder neue Reize zu setzen, um zu viel Routine zu verhindern. Dazu gehören auch neue Methoden, sowohl im körperlichen, wie auch im taktischen Bereich. Das funktioniert gut, denn wir haben hier eine junge Truppe am Werken, die gierig auf Neues ist.

Franz Lederer bei der Arbeit – der Coach des SV Mattersburg ist nach wie vor mit Leib und Seele bei der Sache.FRANZ BALDAUF