Erstellt am 16. November 2013, 00:00

von Bernhard Fenz

Der Chef überlegt – noch. Erste Liga / Mattersburg-Boss Martin Pucher schwirren drei bis fünf Namen im Kopf, wenn es um den neuen Trainer geht. Der potenzielle Wunschkandidat ist nicht frei, er arbeitet in St. Pölten.

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Von Bernhard Fenz

Mit jedem weiteren Pokalerfolg wurde Martin Pucher aufmerksamer, wenn es um den Namen Gerald Baumgartner ging. Der ehemalige Trainer des Sensations-Cupsiegers (2012/2013) Pasching sprach den SVM-Chef mit der beherzten Spielweise seiner Mannschaft und „guten Analysen“ danach an.

Also war der 48-jährige Salzburger im Juni auch schon eine mögliche Alternative zum mittlerweile beurlaubten (Wunschtrainer) Alfred Tatar.

Und nun? Weil er seit Anfang September neuer Coach des SKN St. Pölten ist, hat sich die Frage eines Engagements erübrigt. Trotzdem gibt Martin Pucher zu: „Wäre er nicht dort gelandet, hätten wir vermutlich bereits einen neuen Trainer.“

25 bis 30 Namen, drei bis fünf machen Sinn 

So bleibt die Frage weiter offen, wer denn nun auf Interimscoach Franz Lederer folgen wird. Nach Ende der Herbstmeisterschaft – also Anfang Dezember – soll die Entscheidung rund um das zuletzt wieder auffallend ruhige Thema bekannt gegeben werden.

Längst vorbei ist der erste Spekulationsschwung mit einem Dementi zu einer möglichen Verpflichtung von Peter Pacult. Fast kein Ende nahmen in der Zwischenzeit aber die zahlreichen Bewerbungen direkter (etwa per E-Mail) oder indirekter (etwa per Empfehlung) Natur.

Auf Puchers Schreibtisch landeten dadurch Namen verschiedenster Nationen, die „ich teilweise noch gar nicht gehört habe“. Da das Anforderungsprofil vorsieht, dass dem Mattersburger Bankdirektor der Kandidat selbst bereits positiv aufgefallen sein sollte, wird es mit für ihn absoluten „No names“ schwer.

Scherb-Vorliebe als offenes Geheimnis

Klarerweise waren und sind aber auch interessante Kandidaten dabei. Pucher grenzt jedenfalls ein: „Drei bis fünf Namen schwirren in meinem Kopf herum.“ Wer es denn sei, bleibt freilich unkommentiert – das ist Teil des Programms.

Dass der in St. Pölten lange erfolgreiche Martin Scherb, Pucher grundsätzlich ansprechen würde, ist ein offenes Geheimnis. Fest steht aber auch, dass der SVM-Boss nicht über ungelegte Eier spricht – und der engste Kandidatenkreis ist ein wahres Nest an solchen.

Und vielleicht kommt überhaupt alles anders, wobei: Dass Franz Lederer, den Pucher fachlich und in seiner neuen Funktion als Sportlichen Leiter sehr schätzt, am Ende gar weiter Trainer bleiben würde, scheint eher unwahrscheinlich. „Da hätten mich die Spiele zuletzt noch mehr überzeugen müssen.“

„Hätte sonst Trainer ins kalte Wasser geworfen“ 

Sicher ist, dass der Langzeittrainer seinen 50. Geburtstag am Montag in einer Woche noch als Interimstrainer feiert – ziemlich sicher scheint, dass er sich dann nach dem Auswärtsmatch in Lustenau am 29. November aber wieder auf seine seit Sommer angestammte Funktion konzentrieren wird.

Dass es richtig war, Lederer zurück auf die Bank zu holen, dazu steht das in Hirm lebende Vereinsoberhaupt: „Warum hätte ich einen Trainer gleich ins kalte Wasser werfen sollen? Die Ausfälle waren und sind enorm. Viele interessieren sich nicht für die Hintergründe, sondern nur für das Hier und Jetzt. Ich wollte aber keinen Schnellschuss.“

Mattersburger Eigenbau steht hoch im Kurs 

Im gleichen Atemzug betonte der ehemalige Bundesliga-Präsident übrigens auch einmal mehr seine Vorliebe für den Mattersburger Eigenbau. So steht Markus Karner (35), unter Alfred Tatar „Co“ und nun unter Franz Lederer gleichgestellt, hoch im Kurs. Er soll unter einem möglichen neuen Coach ein wichtiges Puzzleteil des Betreuerstabs bilden.

„Wäre er schon ein, zwei Jahre weiter, wäre er bereits jetzt eine ernsthafte Überlegung. Seine Entwicklung ist interessant für mich – solche Leute suche ich.“ Aber auch Ex-Profi Max Schmidt (36), zuletzt aufgrund Karners Trainerausbildung an der Seite von Lederer eingesprungen und sonst Nummer zwei bei den Amateuren hinter Chefcoach Heinz Griesmayer, dürfte in Zukunft eine wertvolle grün-weiße Aktie sein.

Pucher sieht „kleine schrittweise Verbesserungen"

Rein sportlich sieht Pucher, der dem Verein seit 1988 vorsteht, übrigens längst wieder Licht. Beim 3:1-Erfolg in Hartberg konnte er zwar kein spielerisches Feuerwerk verfolgen (ist das in der jetzigen Situation der Anspruch?), dafür aber das Umdrehen eines 0:1-Rückstands und letztlich zumindest den zweiten Auswärtserfolg der Saison: „Wir haben die schwächsten Spiele mit dem 1:3 bei der Vienna und dem 0:1 daheim gegen Horn hinter uns. Ich habe schon beim 1:3 in Kapfenberg gesehen, dass die Mannschaft lebt. Es hat kleine, schrittweise Verbesserungen gegeben – auch wenn die Cupniederlage in Amstetten dazwischen sicher ein Rückschlag war.“

Schmunzelnder Nachsatz: „Zum Glück habe ich dieses Spiel nicht gesehen. Vielleicht ist aber jetzt ein kleiner Knoten geplatzt.“