Erstellt am 04. Februar 2014, 23:59

Der doppelte Auftrag. Erste Liga / Parndorf-Neuzugang Jürgen Prutsch will nach vier Jahren in Italien neu durchstarten, um mit dem SC/ESV den Abstieg zu verhindern und selbst in Österreich wieder Fuß zu fassen.

 |  NOEN
Von Bernhard Fenz

Was haben Inter Mailand, Lazio Rom, Udinese, Sampdoria Genua, FC Genua und FC Parma gemeinsam? Allen sechs italienischen Oberhaus-Klubs stand Jürgen Prutsch bereits am Platz gegenüber. Es war im Frühjahr 2010, als der damals 20-jährige gebürtige Grazer im ersten halben Jahr zum Einstand beim späteren Absteiger Livorno sechsmal in der Serie A eingesetzt wurde. Der Gang in die Serie B stoppte den Steirer nicht („Ich habe viel gespielt“), dafür ein Mittelfußknochenbruch. „Das war der Knackpunkt“, erinnert sich Prutsch, der nach dem Comeback und nach drei Jahren bei Livorno letztlich in der Serie C1 von Jänner 2013 an ein schwaches Jahr beim südostitalienischen Verein Barletta im Einsatz war, ehe er seine Sachen gepackt, den Vertrag aufgelöst und heimgefahren ist.

„Die vier Jahre kann 

„Es hat dort mit dem Sportdirektor und dem Trainer nicht mehr gepasst. Trotzdem: Die vier Jahre in Italien kann mir keiner nehmen – sie haben mir irrsinnig viel gebracht. Der Großteil davon war sportlich und privat wirklich super.“ Vor allem die Ruhe am Ball und das nötige Sicherheitsspiel habe er im Land des Weltmeisters von 2006 („Fußballerisch läuft alles schon viel professioneller ab“) laufend automatisiert.

Eine Tugend, die klarerweise auch in Österreich gefragt ist. Da traf es sich gut, dass der 24-Jährige, der aus dem GAK-Nachwuchs kommt und danach bei Sturm und bei Altach engagiert war, in der Heimat wieder Fuß fassen wollte. Parndorf machte das Rennen. „Ich habe mich mit den Verantwortlichen getroffen. Es hat gepasst und ich habe dann gar nicht mehr lange herumgetan.“

Bis zum Sommer soll er nun im zentralen Mittelfeld die sportlichen Geschicke des SC/ESV in der Ersten Liga lenken. „Jetzt heißt das Ziel, gut zu spielen und mit Parndorf nicht abzusteigen. Alles Weitere wird sich danach zeigen.“

Alles Weitere? Dass Prutsch, der durch Einsätze in der U20- und U21-Nationalmannschaft auch Teamerfahrung aufweisen kann, früher oder später in der Tipp3 Bundesliga landen möchte, ist ein offenes Geheimnis. Sturm wäre für den Grazer eine räumlich naheliegende Adresse. „Natürlich ist das ein Ziel. Aber man kann nichts planen, sondern muss einmal abwarten. Ich bin komplett offen, jetzt zählt einmal nur Parndorf.“

Wie er das Team des Aufsteigers einschätzt? „Die Qualität ist vorhanden, außerdem sind hier super Typen – und die Mannschaft lebt von der Gruppe. Das sieht man, und das ist auch wichtig und gut. Es war nicht schwer für mich, in diese Elf hineinzufinden.“ Nur der Umstand, dass in Parndorf wegen des Halbprofitums vorwiegend nur einmal am Tag trainiert wird, ist für den Profi eine Umstellung. „Ich bin das nicht gewöhnt und werde einfach selbst ein zweites Mal pro Tag arbeiten. Dann passt das schon.“

Ballverliebt: Nach vier Jahren in wärmeren Gefilden ist Jürgen Prutsch nun im kalten Heimatland gelandet. Der gebürtige Steirer hat seine Zelte in Italien abgebrochen und will sich nun bis zum Sommer beim SC/ESV Parndorf in der Ersten Liga weiterempfehlen.Bernhard Fenz