Erstellt am 31. Oktober 2012, 08:08

„Der Gesamtweltcup wäre schon sehr lässig“. Snowboard | Julia Dujmovits spricht im großen BVZ-Interview über ihre aktuellen Ziele, ihre aktuelle Verfassung und ihren Olympia-Medaillen-Traum.

PGS World Cup Telluride, CO - Julia Dujmovits (AUT)  |  NOEN
Die Sulzerin Julia Dujmovits blickt vor dem Saisonstart noch einmal auf ihr erfolgreiches abgelaufenes Weltcupjahr zurück. Sie erzählt, wie professionell und synchron ihr Umfeld geworden ist und welche (Zwischen)-Ziele sie sich auf ihren Weg nach Sotchi – dort, wo 2014 das Olympische Feuer brennen wird – steckt.

Mittlerweile haben Sie genug Abstand zur vergangenen Saison gewonnen: Wie sehr waren Sie unterm Strich mit dem Verlauf und den Ergebnissen zufrieden?
Julia Dujmovits: Es war meine erfolgreichste Saison. Zwei Rennen vor Schluss hatte ich noch immer die Chance auf den Gesamtweltcup-Sieg. Das Beste bei den Läufen war mein Speed. Ich habe ein Setup gefunden, mit dem ich mich rundum wohl und sicher fühle und das mich gleichzeitig extrem schnell macht.

Welchen Stellenwert hat(te) für Sie das Sommertraining auf Hawaii? Macht es die Kombination Training und Relaxen „weit weg von daheim“ aus? Was ist das Spezielle daran?
Dujmovits: Reisen gehört zu meinem Leben wie Sport. Beides bedeutet Freiheit, Motivation und pure Energie. Auf ausgetretenen Pfaden zu wandern war noch nie mein Ding, ich suche mir lieber meine eigenen Wege. Diesen Sommer war ich auf Maui. Sechs Tage in der Woche habe ich Kondition, Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit trainiert. Da ich alleine unterwegs war, war ich von nichts und niemanden abgelenkt. Zur Regeneration bin ich Kitesurfen, Wellenreiten oder Hiken gegangen. Hawaii mit seinen vielen Sonnenstunden und „good vibrations“ war für mich heuer der perfekte Platz, um mich physisch und mental auf den Winter vorzubereiten.
Wie war der weitere Fahrplan?
Von Hawaii ging es mit dem Team nach Neuseeland. Wir hatten extrem gute Bedingungen und der Trainingsspaß am Schnee war sofort wieder da.

Und jetzt?
Dujmovits: Derzeit bin ich drei bis vier Tage die Woche auf den Gletschern in Italien und Österreich und arbeite am Feintuning. Im Dezember geht es dann mit den Europacup- und Weltcuprennen los.

Welche Ziele haben Sie sich für den Rennwinter gesetzt? Nach Platz drei im Gesamtweltcup bleibt in dieser Hinsicht nicht mehr viel Luft nach oben.
Dujmovits: Wenn ich am Ende der Saison über den Gesamtweltcup-Sieg jubeln darf, wäre das schon sehr lässig. Im Jänner gibt´s außerdem die WM in Stoneham (Kanada). Dort möchte ich eine Medaille gewinnen.
Ist die WM naheliegenderweise auch der punktuelle sportliche Saisonhöhepunkt?
Dujmovits: Jedes Rennen ist wichtig, aber klar ist die WM das sportliche Highlight. Ich möchte die ganze Saison konstant gute Leistungen zeigen, dann bin ich happy. Im Weltcup gibt es heuer erstmals drei Kristallkugeln zu holen – neben der Gesamtwertung auch jene im Slalom und im Riesentorlauf. Ich finde das gut, weil es eine Aufwertung unseres Sport ist. Mindestens eine Kugel will ich am Ende der Saison mit nach Hause nehmen.

In den letzten Jahren waren Sie immer wieder vom Verletzungspech verfolgt. Schwingt die Sorge vor einem neuerlichen Rückschlag mit, je näher die Olympischen Spiele kommen, oder ist das überhaupt kein Thema?
Dujmovits: Verletzungen kann man nie ausschließen. Aber wenn man täglich Schwung auf Schwung fährt, dann lotet man seine Grenzen schon so aus, dass man am Ende weiß, wo das persönliche Maximum ist. Manchmal geht man auch darüber hinaus und es kann was passieren. In dieser Hinsicht bin ich aber reifer geworden und kann heute Stürze mental besser verarbeiten.

Wie weit sind Sie in der Vorbereitung schon im körperlichen Bereich?
Dujmovits: Ich fühle mich stark und fit – ein motivierendes Gefühl so kurz vor Saisonbeginn. Beim Konditionstraining coacht mich seit diesem Sommer Peter Eichberger. Er ist einer der besten und erfahrensten Konditrainer des Landes, dem ich hundertprozentig vertraue.

Wie weit sind Sie schon, was das Boarden an sich betrifft?
Dujmovits: Die ersten Schneetrainings hab ich genossen, es lief schon ziemlich vielversprechend. Derzeit teste ich noch verschiedene Bindungsplatten, wobei ich sagen muss, dass das Setup vom letzten Jahr sehr gut war.

Seit der letzten Saison werden Sie unter anderem auch vom Forchtensteiner ÖSV-Cheftrainer Tom Weninger betreut. Wie läuft die Zusammenarbeit?
Dujmovits: Ich finde es cool, dass sich mit Tom ein weiterer Burgenländer im ÖSV-Team befindet. Er ist sehr bemüht und macht seine Sache wirklich gut.

Wie würden Sie die Stimmung innerhalb der österreichischen Mannschaft beschreiben? Immerhin kämpft jeder für sich alleine um WM- oder Olympia-Tickets. Ist es ein Konkurrenzkampf unter Freunden, oder ist der Alltag durch die Drucksituation sehr wohl auch immer wieder von Spannungen geprägt?
Dujmovits: Snowboarden ist eine Einzelsportart. Wir verstehen uns alle gut im Team, nehmen aufeinander Rücksicht, aber natürlich gibt es während der Saison auch immer wieder Reibereien und man geht sich auf die Nerven. Ich habe Respekt vor den Leistungen der anderen Fahrerinnen, aber eine Freundschaft während eines Rennes gibt es nicht, da fährt jeder für sich.

Sie sind Partner von World Vision Österreich. Welche Projekte unterstützen Sie dabei und welche Bedeutung hat dieses Engagement für Sie?
Dujmovits: Ich unterstütze das Projekt Swasiland mit einem monatlichen Beitrag. Außerdem schicke ich meine Winterjacken, die ich nicht mehr anziehe, nach Afrika – in kalte Regionen. Ich denke, jeder von uns kann seinen Beitrag leisten, dass es benachteiligten Menschen ein bisschen besser geht.

Snowboard ist nach wie vor auch eine Trendsportart, bei der es auch ums Aussehen geht. Wie wichtig ist für Sie das richtige Outfit auf der Piste?
Dujmovits: Im Rennen bin ich bei der Kleidung an die Sponsoren und den ÖSV gebunden, aber abseits vom Sport entspricht mein Stil nicht einer Otto-Normal-Snowboarderin. Da darf´s ruhig stylish und manchmal auch extravagant sein, wobei der Wohlfühlfaktor immer höchste Priorität hat.

Sotchi 2014 schwingt als langfristiges Ziel mittlerweile immer mit. Die Vorfreude, sich zu qualifizieren und den Olympia-Traum wahr werden zu lassen, ist die eine Seite. Schwingt bei Ihnen auch die andere Seite mit – die Angst, es möglicherweise doch nicht zu schaffen?
Dujmovits: Angst habe ich keine. Ich werde mich bestmöglich auf die Olympischen Spiele „Sotchi 2014“ vorbereiten und vertraue dabei auf mein perfektes Umfeld. Läuft die heurige Saison ähnlich wie die vergangenen, stehen meine Chancen für die Qualifikation gut. Es wäre ein großer Traum für mich, wenn ich als erste Burgenländerin eine Medaille bei Winterspielen gewinnen könnte.

Bei den Olympischen Spielen sind Sie 26 Jahre alt. Snowboard wird Sie wohl noch länger prägen. Trotzdem: Haben Sie schon Pläne, welche Berufung Sie nach Ihrer aktiven Sportkarriere anstreben?
Dujmovits: Ich habe auf der Uni Salzburg Lehramt Sport und Geografie inskribiert. Außerdem absolviere ich eine Yoga-Ausbildung. Nach meiner Karriere möchte ich meine Erfahrungen weitergeben und junge Menschen für Sport und Reisen begeistern.

Interview:
Daniel Fenz