Erstellt am 12. Februar 2014, 08:00

von Bernhard Fenz

Der gläubige Fußball-Lehrer. Erste Liga / Markus Böcskörs Berufs-Paket ist vielseitig: Neben seinem Job als Tormanntrainer beim SVM unterrichtet der Jungpapa in der HAK Mattersburg Religion und ist als Erzieher tätig.

Vielseitig: Markus Böcskör beim Erklären während des Trainingslagers an der Algarve in Portugal - in der HAK Mattersburg ist er als Religionslehrer mit der Tamburica aktiv, in der Fußballakademie als Tormanntrainer. Fotos: Bernhard Fenz  |  NOEN, Bernhard Fenz
Von Bernhard Fenz aus Vale do Lobo

Es war im Juli 2002, als ein gewisser Markus Böcskör vom SV Neuberg zum aufstrebenden SV Mattersburg transferiert wurde.

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Der junge Goalie von damals, dem hinter vorgehaltener Hand ob seiner zuvorkommenden Art nachgesagt worden war, er sei eigentlich „zu ehrlich und nett“ für das Fußballgeschäft, ist heute eine gestandene Respektperson – mit einem sehr positiven Nebenaspekt: Die höchst sympathische und zuvorkommende Art ist ihm geblieben.

In der letzten Woche hatte Portugal Vorrang 

Nur dass der gebürtige Schachendorfer jetzt nicht mehr lediglich auf sich selbst zu schauen hat, sondern das angeeignete Können und Wissen vermehrt anderen weitergibt.

Da wäre einerseits der Job als Tormanntrainer des SV Mattersburg, andererseits ist der Absolvent der Pädagogischen Hochschule (Fächer: Bewegung und Sport, Deutsch, Religion) in der HAK Mattersburg als Religionslehrer im Einsatz – auch wenn Markus Böcskör in der letzten Woche vor den Semesterferien gefehlt hat. Das Trainingslager des SV Mattersburg in Portugal hat(te) Vorrang.

Heute, Mittwoch, kehren die Profis wieder zurück, acht volle Trainingstage lang brachte er Thomas Dau, Thomas Borenitsch und Markus Kuster auf Vordermann.

Die zusätzliche Tätigkeit als Erzieher an der Fußballakademie Burgenland rundet Böcskörs Berufs-Paket ab. Hier punktet der 31-jährige Tormann-Frühpensionist, der sich nach wie vor auch bei den Amateuren fit hält und im Falle des Falles zur Verfügung stehen würde, bei den jungen Talenten schon alleine aufgrund seiner Vergangenheit.

Viel Erfahrung und Intermezzo in Südafrika

Vier Jahre Mattersburg, eine Saison lang Kapfenberg, dann eine weitere von Ex-SVM-Coach Muhsin Ertugral zu den Kaizer Chiefs nach Südafrika geholt und nach einem Jahr bei den Austria Amateuren, einem halben Jahr ohne Verein sowie eineinhalb Saisonen in Parndorf wieder nach Mattersburg retour – da kommt schon einiges an Erfahrung zusammen.

„Ich kann mich gut in die Jungs hineinversetzen. Es herrscht ein enormer Notendruck, dazu kommen die vielen Trainingseinheiten. Insofern ist es wichtig, als Ansprechperson vor Ort zu sein, zuzuhören, gut zuzureden und vor allem auch das Gefühl zu vermitteln, dass sie wichtig sind.“

„Ich kann mich gut in die Jungs hineinversetzen. Der Notendruck ist enorm, dazu kommen die vielen Trainingseinheiten.“
Markus Böcskör in seiner Funktion als Erzieher an der Fußballakademie

Ein punktgenauer Querpass zur primären Unterrichts-Strategie des Südburgenländers, der sich privat seit rund zweieinhalb Monaten als Jungpapa gemeinsam mit seiner Frau Ursula über Tochter Mariella freuen darf und mittlerweile auch nicht mehr in Wien, sondern direkt in Mattersburg wohnhaft ist.

„Natürlich gilt es, den Lehrplan zu erfüllen. Aber sehr wichtig ist auch, in den Religionsstunden den Schülern die Möglichkeit zu geben, wieder Kraft zu sammeln und nicht an Notendruck und dergleichen denken zu müssen.“

Das zeigt sich auch beim BVZ-Lokalaugenschein in der HAK Mattersburg kurz vor Weihnachten. Böcskör lässt die Schüler selbst eine kleine Feier organisieren. Texte werden gelesen, die Jugendlichen verteilen gegenseitig Geschenke, ehe der Lehrer selbst zur Tamburica greift und (fast fehlerfrei) „Leise rieselt der Schnee“ anstimmt. Die Stimmung ist gelöst – und es wirkt so, als ob nicht nur die etwas andere Schulstunde für Lockerheit sorgt.

Wegbegleiter, aber kein konservativer Hardliner 

„Ich sehe mich hier als Wegbegleiter, der neben dem Glauben vor allem den Respekt und das Miteinander vermittelt.“ Die Wahl des Unterrichtsfachs ist in diesem Zusammenhang übrigens kein Zufall.

„Meine Eltern waren stets bemüht, dass ich nicht den Kontakt zum Glauben verliere. Das habe ich nicht, auch wenn ich einiges nicht so streng sehe. Kirche ist für mich vor allem ein Treffpunkt und Gemeinschaftsraum.“ Ein konservativer Hardliner sei er jedenfalls nicht. Das würde man ihm ohnehin nicht abnehmen.