Erstellt am 21. Oktober 2010, 10:24

Der Professor sagte Adieu. FUSSBALL / Gerhard Hitzel verließ den SV Mattersburg aufgrund eines dauerhaften Konflikts mit Amateure-Trainer Damir Todorovic. Obmann Pucher: „Finde es schade.“

 |  NOEN, Franz Baldauf
VON BERNHARD FENZ

Der SV Bauwelt Koch Mattersburg teilt mit, dass auf eigenen Wunsch die Zusammenarbeit mit Prof. Gerhard Hitzel einvernehmlich beendet wird. Im Wesentlichen war im Bereich der Amateurmannschaft die Zusammenarbeit zwischen ihm und dem Trainer, im Zuge von Auffassungsunterschieden, nicht in dem Maße möglich, wie ursprünglich angedacht.

Überraschend detailliert gab der SVM vorige Woche das Ende der Tätigkeit von Gerhard Hitzel bekannt. Zwischen ihm und Damir Todorovic, Betreuer der Mattersburg Amateure, muss es laufend geraschelt haben, und zwar mächtig. Wie sonst ist es zu erklären, dass der Ex-Trainer, Ex-Chef der Österreichischen Trainerausbildung und ehemalige Sportliche Leiter der Nachwuchsakademie von Lok Moskau als Koordinator zwischen Nachwuchs, Akademie und Amateure das Handtuch warf, noch bevor die Tätigkeit nachhaltig in Gang kam? Seit Mai bekleidete Hitzel den Posten, den er auch im Nachhinein als eine „super Aufgabe“ betrachtet: „Es war ein einzigartiges Modell und unheimlich interessant, dass die Entwicklung in einer Hand gelegen ist. Es ist aber schade, dass diese Philosophie an einer ausführenden Person gescheitert ist.“ Aufgrund der für den 63-Jährigen unzureichenden Zusammenarbeit mit Damir Todorovic kündigte er vorigen Donnerstag bei Obmann Martin Pucher.

Hitzel: „Beim dritten Mal war es dann so weit“
Hitzels Haupt-Kritikpunkte: „Die Arbeit am Platz und das Coaching der Mannschaft haben nicht meinen Qualitätsvorstellungen entsprochen.“ Was den Forchtensteiner genau störte, behielt er aber für sich.
Begründung: „Ich will keine Schmutzwäsche waschen. Ich habe es jedenfalls öfter versucht und drei Anläufe genommen, um das Thema zu klären. In allen Gesprächen kamen wir zu dem Punkt, an dem Todorovic gesagt hat, dass er meine Einwände nicht akzeptiert. Zweimal konnte Martin Pucher noch kaschieren, beim dritten Mal war es dann so weit.“
Der naheliegende Kritikpunkt, Todorovic verfüge nicht über die für die Ostliga nötige A-Lizenz (gleichzeitig war Hitzel jahrzehntelang genau für dieses Qualitätssiegel im ÖFB verantwortlich), war für den Professor aber kein ausschlaggebender Grund: „Das wusste ich ja von Beginn an. Ich hatte die Vorgabe, mit ihm zusammenzuarbeiten und es war auch so geregelt, dass ich ihm weiterhelfe. Das Wollen war von meiner Seite vorhanden.“

Todorovic: „Ich hatte kein Problem mit Gerhard Hitzel“
Damir Todorovic wiederum stellte folgendes klar: „Ich hatte kein Problem mit Gerhard Hitzel. Tatsache ist, dass ich für die sportlichen Agenden und die Entwicklung der Amateure zuständig bin, diese Aufgaben nehme ich auch wahr. Sämtliche weiteren Themen oder personellen Fragen betreffen mich nicht, ich bin nicht der Chef des Vereins.“ Das ist Martin Pucher. Und der musste vorige Woche zur Kenntnis nehmen, dass es zu keiner Lösung im Sinne des Miteinanders kommen wird: „Ich habe lange Zeit eingefordert, dass erwachsene Menschen – auch im Sinne des Arbeitgebers – professionell miteinander umgehen müssen. Die beiden sind aber dermaßen unterschiedlich, dass es im Zuge dieses Nicht-Miteinanderkönnens in Bereiche gegangen ist, die nicht mehr ganz nachvollziehbar waren. Die Voraussetzungen für eine gedeihliche Zusammenarbeit waren nicht mehr gegeben. Ich habe mich mehrfach bemüht, dass es besser funktioniert.“ Tat es aber nicht. Pucher: „Ich finde es schade, weil alles ursprünglich als gute Sache angedacht war.“

Pucher: „Todorovic hat etwas, das man schwer lernen kann“
Dass der SVM-Boss übrigens nicht den Schritt wählte und sich im Zuge eines „Entweder-oder“ für Hitzel entschieden hat, überrascht den scheidenden Koordinator nicht: „Pucher ist ein Ehrenmann, der zu hundert Prozent hält, was er sagt. Er hat To-dorovic, als es von den Ergebnissen her nicht so gut lief, versprochen, dass er Trainer bleibt. Insofern gibt es jetzt auch keinen Grund, etwas zu ändern.“
Schließlich läuft es für Todorovic und seine Truppe optimal, die Amateure lachen von der Spitze der Regionalliga Ost herunter. Diese Erfolgswelle hat Pucher freilich ebenso registriert, wie etwas anderes auch noch: „Für mich hat Todorovic etwas, das man schwer lernen kann.“
Die fehlende A-Lizenz ist für Pucher jedenfalls kein Primär-Problem „Er hat etwas. Das zählt. Mittelfristig gehört der theoretische Bereich aber sicher dazu.“
Übrigens: Nachbesetzt wird Hitzels Posten vorerst nicht, hier legt sich der Obmann fest: „Es gibt derzeit wichtigere Aufgaben. Diese Schnittstelle hat schon Sinn gemacht, aber eine Nachbesetzung ist nicht angedacht.“