Erstellt am 02. Februar 2011, 00:00

Der violette Pinkafelder. TIPP3 BUNDESLIGA / Dario Tadic, zwanzigjähriger Stürmer aus dem Südburgenland mit jeder Menge Heimatbezug, hat sich bei der Wiener Austria in den Profikader gekämpft.

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VON BERNHARD FENZ

Am 17. Oktober 2010 debütiert Dario Tadic bei den Profis der Austria. Die Wiener gewinnen in Mattersburg mit 3:0. Im Pappelstadion wird Tadic auch noch am 11. Dezember 2010 kicken – im Zuge seines achten Bundesliga-Matches erzielt er den Ausgleich beim 2:1-Erfolg.

Drei Tore und 463 Minuten Spielzeit stehen mittlerweile auf der Habenseite jenes Mannes, der heute, Mittwoch, vom Trainingslager in der Türkei zurückkehrt. Dort bereiteten sich die Profis auf das Frühjahr vor – mit Tadic, der nicht mehr im Kader der Amateure, sondern regulär in jenem von Trainer Karl Daxbacher steht.

Flucht aus Bosnien – über  Traiskirchen nach Pinkafeld

Lediglich der Name des sympathischen Stürmers mit dem südburgenländischen Akzent lässt erahnen, dass es eine Vorgeschichte außerhalb Österreichs gegeben haben muss.

1992 flüchtet seine Familie mit dem damals zweijährigen Dario vor dem ausbrechenden Bürgerkrieg aus Bosnien. „Wir sind dann nach Traiskirchen gekommen, ehe uns eine Familie aus Pinkafeld aufgenommen hat. Seitdem bin ich Pinkafelder.“ Tadic besucht die Volksschule in Pinkafeld und danach das Gymnasium in Oberschützen. 1998 tritt er in den Pinkafelder Nachwuchs ein, 2003 wird er in die U15 des BNZ Burgenland einberufen. Dort spielt er eine Saison lang – unter anderem mit (um ein knappes Jahr älteren) Kollegen, die heute auch keine Unbekannten sind: Dominik Doleschal (SV Mattersburg), Philipp Hosiner, Marcel Toth oder Patrick Kienzl – alle drei stehen derzeit bei der Vienna unter Vertrag.

Nur der jetzige Hartberg-Profi Stefan Rakowitz war wie Tadic um ein knappes Jahr jünger als der Rest.

2004 folgt er schließlich dem Ruf der Austria und wechselt in die Frank-Stronach-Akademie nach Hollabrunn. „Ich hatte eine gute Zeit im BNZ, aber die Austria hat mich damals mit dem ganzen Service, der Infrastruktur und der schulischen Komponente einfach überzeugt. Das war damals die beste Ausbildung in Österreich, da habe ich nicht lange überlegt.“

„Mir ist er schon in der  Volksschulzeit aufgefallen“

Der jetzige Neusiedl-Cheftrainer Harry Toth war damals Tadics Coach im BNZ und erinnert sich: „Bei Dario hat man immer schon gut gesehen, über welche Anlagen er verfügt. Mir ist er sogar schon in der Volksschulzeit aufgefallen, als er mit Pinkafeld den Mike-Cup gewonnen hat.“

Versuche, ihn zu halten, machen im Sommer 2004 keinen Sinn. „Das war eben so, dass sehr gute Spieler aus dem BNZ sehr früh von großen Vereinen kontaktiert wurden. Wir haben schnell bemerkt, dass er unbedingt dorthin will. Das spürt man.“ Nachsatz: „Es ist aber so oder so erfreulich zu sehen, wenn es ein Spieler schafft.“ Geschafft hat der Südburgenländer mit der Aufnahme in den violetten Profikader fürs Erste ein, wie er es nennt, „Zwischenziel“. Bis Sommer 2013 läuft der Vertrag, in dieser Zeit will Dario Tadic nachlegen: „Ich will mich aufdrängen, etablieren und zeigen, dass ich in die Stammformation gehöre.“

Vergessen ist auch mittlerweile die schwere Zeit, die im April 2009 mit einem Kreuzbandriss beginnt. Im Jänner 2010 – also zum Start der Rückrunde – dreht der inzwischen wiedergenesene Stürmer nicht mit den Austria-Amateuren seine Trainingsrunden, sondern ist sechs Wochen lang außer Gefecht: Grundwehrdienst beim Bundesheer. „Da habe ich mich durchbeißen müssen. Im Sommer konnte ich bei den Amateuren endlich wieder eine komplette Vorbereitung mitmachen, jetzt kann ich das mit der Kampfmannschaft tun.“

„Wenn es sich ausgeht, bin  ich unten am Sportplatz“

Und doch hat er seine Wurzeln nicht vergessen. Wann immer (am Wochenende) Zeit bleibt, ist Dario Tadic in Pinkafeld. „Einige meiner Freunde sind zwar auch nach Wien gezogen, aber der Großteil ist unten. Ich habe einen engen Kontakt und bin sehr heimatverbunden.“ Und auch dem SC Pinkafeld hält er die Treue: „Wenn es sich ausgeht und sie daheim spielen, bin ich immer unten am Sportplatz.“

Geht es sich nicht aus, hat das meist mit der Austria zu tun. Dort ist das Thema Meistertitel nach wie vor brandaktuell – derzeit sind die Veilchen Vierter mit fünf Punkten Rückstand auf Ried, der Leader ist gleich am 12. Februar zu Gast. „Dieses Match wird für uns richtungsweisend. Wichtig ist auch, dass wir unseren Heimkomplex ablegen. Wenn wir dann durchstarten können, ist alles möglich.“

Dario Tadic weilte die letzten zehn Tage mit der Austria in der Türkei – nur rund 20 Gehminuten vom Hotel des SV Mattersburg entfernt, in der Hotelstadt Lara bei Antalya. Heute, Mittwoch, kehren die Veilchen mit dem Pinkafelder an Bord wieder nach Wien zurück.FENZ